Unbeirrt von der F95-Krise: Wie sich Slimani in den Fokus spielt

Spieler zu benennen, die in den ersten drei Monaten der Saison ihre Erwartungen verfehlt haben, würde bei Fortuna Düsseldorf etwas länger dauern. Spieler, die positiv hervorstechen, lassen sich wiederum problemlos an einer Hand abzählen. Einer davon ist seit der Vorbereitung im Blickfeld, hat das Potenzial zum Shooting Star und könnte mit einer brillanten Aktion nun durchstarten: Anas Slimani.

Tor-Premiere in Rostock

Er ist 19 Jahre jung, ein zurückhaltender Typ, der lieber Taten sprechen lässt als Worte. Drei Worte und zehn Beiträge zieren sein Instagram-Konto, keine Floskeln, kein Schickimicki abseits des Rasens. Stattdessen: Die Unterschrift unter seinen ersten Profivertrag bei Fortuna im November 2025, sein erstes Spiel in der großen Arena beim Freundschaftskick gegen Borussia Dortmund am 25. Juli – Slimani traf zum 2:1-Endstand. Der erste "Man of the Match"-Award, als die Fortuna zuhause gegen den VfB Stuttgart II Ende August die ersehnten ersten Saisonpunkte holte. Und, natürlich, das überfällige erste Pflichtspieltor für die Profis, das erst wenige Tage alt ist. Ein 1:1-Ausgleich gegen Hansa Rostock, ein eiskalt ausgenutzter Fehler, ein präziser, kaum haltbarer Distanzschuss. Der Nachwuchsspieler rettete seine erfahrenen Mitspieler an einem schwachen Tag – und stellte danach ganz nüchtern fest: "Hoffentlich reicht es nächstes Mal für drei Punkte."

Ein bisschen mehr findet sich in den sozialen Medien dann doch. In den Highlight-Storys reichen die Aufzeichnungen immerhin rund zwei Jahre zurück. Slimani tanzt dort durch den gegnerischen Strafraum, lässt Gegner auf dem Bierdeckel stehen, vollstreckt eiskalt. Es sind Szenen aus der U19-Bundesliga 2024/25, dem bereits sechsten Jahr, seit Slimani 2019 aus der Nachwuchsakademie von Borussia Mönchengladbach hinüber auf die andere Rheinseite gewechselt war. Als Deutsch-Marokkaner wäre er für beide Nationen spielberechtigt, real wurde dieses Thema aber erst vor rund fünf Wochen, als die U20-Delegation des nordafrikanischen Staates bei der Fortuna um eine Abstellung Slimanis bat.

Sein Fehlen kostete Ende womöglich den Job

Kurz darauf trug der 19-Jährige erstmals das Trikot der "Atlaslöwen", sammelte in Freundschaftsspielen gegen Tunesien und Ägypten erste Minuten als Nationalspieler. Das gefiel nicht jedem. "Ich hätte Anas gerne hierbehalten", sagte Ex-Coach Alexander Ende, "sie sollen im Hinblick auf die Belastungssteuerung ein bisschen aufpassen." Letztlich kam Slimani stärker aus der langen Länderspielpause zurück: Im neunten Saisoneinsatz, dem Gastspiel bei Preußen Münster, gelang ihm nach starken Dribblings auf der linken Seite endlich der erste Scorerpunkt per Flanke. Und womöglich wurde sein krankheitsbedingtes Fehlen Ende sogar zum Verhängnis: Ohne den erkälteten Slimani unterlag Düsseldorf Saarbrücken in der Folgewoche mit 1:3, tags darauf wurde Alexander Ende freigestellt.

Die erhoffte Systemumstellung wird dem Eins-gegen-Eins-Spezialisten jedenfalls nützen: Statt im 4-4-2 kontinuierlich das Zentrum einbeziehen zu müssen, kann er auf den Flügeln Gegenspieler binden, sein Tempo einsetzen. Zwar durfte er unter Trainer Ende seine Rolle im Verbund, mal als zweiter Stürmer oder als offensiver Mann in der Raute, sehr flexibel interpretieren. Doch die Spielintelligenz und den Instinkt, als "Schleicher" zwischen den gegnerischen Ketten zu agieren, erlernt Slimani ja gerade erst. Als klassischer Linksaußen, womit ihn Interimscoach Jens Langeneke am Samstag beauftragte, sind Positionsprofil und Anforderungen deutlich klarer.

400.000 statt 40 Millionen Euro

Für Fortuna-Fans wird es gar nicht so leicht sein, die Dimensionen heutiger Hoffnungsträger anzunehmen. Sie werden nicht vergessen haben, dass ihre Leistungsträger vor wenigen Jahren noch mit ganz anderen Preisschildern ausgestattet waren: Ao Tanaka, Schlüsselfigur der Saison 2024/25, ist Stammspieler bei Leeds United in der Premier League und wird auf 15 Millionen Euro taxiert. Christos Tzolis kickte ein Jahr zuvor für F95, heute beim FC Arsenal – nach einem Transfer für 40 Mio. Euro im vergangenen Sommer.

Auch Anas Slimani hat in diesem Oktober übrigens seinen Marktwert gesteigert: Er ist nun 400.000 Euro wert. Immerhin ein Tzolis-Prozent könnte Düsseldorf mit ihm derzeit also erwirtschaften. Entwickelt er sich so gut weiter, könnten es auch zwei, drei oder vier Prozent dieser Summe werden. Viel mehr, so bitter ist die Realität, lässt sich in der 3. Liga nur noch für absolute Ausnahmespieler erzielen. Dafür aber muss der 19-Jährige einige der für seine Altersklasse üblichen Schwachstellen ausmerzen, etwa körperlich zulegen, effizienter werden, die Übersicht steigern.

Und er muss darauf hoffen, dass auch die Spieler um ihn herum ihre Form wiedergewinnen: Als Tabellenzwölfter mit beträchtlichem Rückstand auf die direkten Aufstiegsränge wird der Druck von den Tribünen beständig größer. Alles andere als ein optimales Umfeld für aufstrebende Talente im Teenager-Alter wie Slimani oder auch Elias Arden, der sich mit erst 17 Jahren ebenfalls in der Startelf festgespielt hat. Wo sind die Routiniers? Der 35-jährige Fabian Schleusener läuft seinen Möglichkeiten mit erst zwei Toren noch hinterher, auch Philipp Förster und Jorrit Hendrix tun sich als feine Fußballer mit der Intensität dieser Spielklasse schwer.

Die Konkurrenz taucht ab – Slimani performt

Direkte Konkurrenz zu Slimani gibt es dazu kaum: Hamza Anhari (22) stand nach langer Verletzungspause immerhin mal im Kader, das abgestürzte Talent Kilian Sauck (19) spielt für angeblich eines der größten Gehälter im Kader derzeit gegen Vereine wie Büderich und Dingden in der Oberliga-Reserve. Offensive Flügelspieler hatte Alexander Ende ohnehin nicht vorgesehen, daher half bereits Außenverteidiger Stephen van der Sloot in Rostock auf der rechten Seite aus, nach dessen Verletzung Filimon Gerezgiher.

Bangen muss Slimani um seinen Stammplatz nicht, ganz im Gegenteil: Nach nur 11 Spieltagen ist er für Fortuna Düsseldorf unverzichtbar geworden. Spielen er und Fortuna so weiter wie bislang, könnten sich die Wege schon im kommenden Sommer trennen. Die 3. Liga jedenfalls, das kristallisiert sich derzeit von Spiel zu Spiel mehr hinaus, dürfte für den auffälligsten Fortunen schon bald eine Nummer zu klein sein.

   

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