Selimbegovic fordert Geduld – und kritisiert den Blick aufs Handy

Gegen Hansa Rostock fand Alemannia Aachen doch noch einen positiven Abschluss der Englischen Woche. Im Duell mit VfB Stuttgart II soll nun der nächste Sieg folgen. Im Mediengespräch vor der Partie mahnt Cheftrainer Mersad Selimbegovic jedoch zur Geduld, kritisiert den Blick aufs Handy – und bezieht Stellung zur Rolle von Zweitvertretungen in der 3. Liga.

"Das ist ein brutaler Fehler"

Am Ende kann Fußball doch so einfach sein. Dass Alemannia Aachen mit 2:0 gegen Hansa Rostock gewann, hatte für Cheftrainer Mersad Selimbegovic vor allem einen Grund: "Wir haben Tore gemacht und sie nicht." Während Aachen in der ersten Halbzeit seine Chancen nutzte, ließ Rostock im zweiten Durchgang reihenweise Gelegenheiten zum Anschlusstreffer liegen. Dass der Gegner schließlich am Drücker war, kam für Selimbegovic nicht überraschend. Noch sei sein junges Team nicht so stabil, "wie wir uns das wünschen".

Geduld müsse man deshalb auch weiterhin aufbringen. Eine schnelle Entwicklung werde es nicht geben: "Man kann nicht im August von einer ganz jungen Truppe reden und im Oktober oder November dann von einer erfahrenen. Das hat nirgendwo funktioniert." Allerdings könne man "von einer Truppe sprechen, die zusammenwächst". Ergebnisse wie am vergangenen Samstag "helfen, weitere Schritte zu machen". Denn bei Negativerlebnissen "machen sich die Jungs viel zu schnell Gedanken. Leider auch, weil sie zu oft am Handy sind und im Internet alles lesen. Das ist ein brutaler Fehler, der die Entwicklung zwischenzeitlich stoppen kann".

Das, "was schiefläuft, hat seinen Ursprung in der Jugend"

Dass die Kommentare im Internet weiterhin positiv ausfallen, dafür will Aachen am Samstag beim VfB Stuttgart II sorgen. Zumindest mit Blick auf die Tabelle könnte die Begegnung kaum ausgeglichener sein: Der Siebte trifft auf den Achten. Beide Teams haben 14 Punkte und dasselbe Torverhältnis von minus eins. Für Selimbegovic sind die Schwaben ein Gegner, "der mutig spielt und sein Spiel über 90 Minuten durchziehen will. Außerdem lassen sie sich von kleinen Rückschlägen nicht demotivieren". Wie bei Duellen gegen Zweitvertretungen häufig, gestaltet sich die Vorbereitung schwierig. Denn es bleibt die Frage, ob Spieler aus dem Profikader zur U21 dazustoßen. Die Stuttgarter treffen am Freitagabend auf Borussia Mönchengladbach.

Ein Punkt, der in Debatten über die Teilnahme von Zweitvertretungen an der 3. Liga häufig zur Sprache kommt. Zur grundsätzlichen Diskussion sagt Selimbegovic: "Die haben sich ihre Daseinsberechtigung erarbeitet. Fußball in Deutschland braucht eine Plattform, auf der man junge Spieler entwickeln kann. Das ist ganz wichtig und da ist die 3. Liga perfekt." Für ihn sei es unverständlich, dass es in der Nationalmannschaft auf bestimmten Positionen Problemzonen gebe. Denn das, "was schiefläuft, hat seinen Ursprung in der Jugend".

Auf der anderen Seite "wollen wir alle immer 30.000 Zuschauer im Stadion. Wir müssen uns aber immer bewusst machen, dass wir in der 3. Liga spielen und da auch ein paar andere Stadien haben. Deswegen sage ich immer: Dass wir hier bei uns so viele Zuschauer haben, das ist einfach ein Geschenk". Deshalb müsse man das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Handlungsbedarf sieht Selimbegovic allerdings bei der Aufstiegsregelung aus den Regionalligen: "Das kann doch nicht sein, dass ein Meister nicht aufsteigt. Im Sinne des Fußballs muss das möglichst schnell geändert werden."

Startelfänderungen möglich

Sportlich muss Aachen weiterhin auf Jonas Oehmichen, Gideon Jung und Marius Wegmann verzichten. Das Trio mache zwar Fortschritte, sei aber noch nicht so weit. Mika Hanraths wiederum habe "nun auch mal komplett mittrainieren" können. Ist deshalb gegen den VfB eine Änderung in der Startelf möglich? "Es ist möglich, weil Mika immer näher und besser im Training ist und wir sicher sind, dass der Muskel hält. Aber es gibt auch andere Kandidaten wie von der Hitz, der sehr gut trainiert hat in der Woche." Außerdem spiele natürlich auch der Gegner eine Rolle. Dennoch sei es wichtig, aus Gründen der Entwicklung und Stabilität möglichst kontinuierlich mit derselben Elf zu spielen.

   

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