Analyse: Woran Ende bei Fortuna Düsseldorf gescheitert ist

Nach nur einem halben Jahr ist Alexander Ende bei Fortuna Düsseldorf wieder Geschichte, 14 Punkte aus zehn Spielen waren für die Verantwortlichen zu wenig. liga3-online.de analysiert, woran der 47-Jährige gescheitert ist.

Spielidee ohne Durchschlagskraft

Alexander Ende wollte Fortuna Düsseldorf zu einer Mannschaft formen, die den Gegner früh unter Druck setzt und über Ballbesitz Lösungen findet. Ausgangspunkt war meist ein 4-3-1-2, das Überzahl im Zentrum schaffen und schnelle Wege nach vorne ermöglichen sollte. Dafür mussten die Spieler jedoch die nötige Dynamik entwickeln und die sich bietenden Räume konsequent nutzen. Ansätze davon waren durchaus zu erkennen, vor allem in den letzten Spielen, doch zwischen dem Plan des Trainers und der Umsetzung auf dem Platz klaffte häufig eine Lücke. Zwar gelang es der Fortuna phasenweise, den Spielaufbau des Gegners zu stören und Ballverluste zu erzwingen. Doch mit eigenem Ballbesitz tat sich Düsseldorf deutlich schwerer.

Die Angriffe entwickelten zu selten Tempo, und im Zentrum fehlten häufig die Ideen, um die gegnerischen Reihen zu überspielen. Auch der Versuch, durch eine breitere Besetzung der Außenpositionen mehr Räume zu schaffen, brachte nur vorübergehend neue Impulse. Die Fortuna schaffte es weiterhin zu selten, Ballgewinne in anhaltenden Offensivdruck umzumünzen. Die Folge: Mit nur elf Toren stellt F95 gemeinsam mit dem SV Meppen den zweitschwächsten Angriff der Liga. Lediglich Fortuna Köln traf bislang seltener.

Noch schwerer wog, dass die Mannschaft ihre guten Phasen nicht stabilisieren konnte. Besonders nach eigenen Treffern verlor Düsseldorf wiederholt den Zugriff und überließ dem Gegner zunehmend die Initiative. Gegen den SC Verl war das deutlich zu beobachten: Nach der Führung zog sich die Fortuna zurück, anstatt den zuvor erfolgreichen Ansatz gegen den Ball fortzusetzen. Dass Düsseldorf nach dem Ausgleich erneut in Führung ging, änderte daran wenig – am Ende stand ein 2:2, obwohl zwischenzeitlich mehr möglich schien.

Solche Einbrüche waren ein grundsätzliches Problem: Die Mannschaft schaffte es nicht, ihre taktischen Ansätze über längere Strecken durchzuhalten. Hinzu kam die mangelnde Chancenverwertung, durch die sich gute Momente selten in einen entscheidenden Vorsprung verwandelten. So blieb von Endes Idee zu häufig nur ein Teilerfolg: Das Pressing funktionierte phasenweise, der Spielaufbau blieb zu berechenbar und nach Führungen fehlte die Kontrolle. Die Entwicklung war damit zwar erkennbar, brachte die Fortuna aber nicht verlässlich näher an die Ergebnisse, die sie für ihre Aufstiegsambitionen benötigte.

Hinzu kam, dass sich nur schwer feste Abläufe entwickeln konnten. Durch die häufigen, teils auch gezwungen Änderungen in der Startelf fehlte es an Konstanz in der Besetzung. Besonders im Angriff erschwerten die wechselnden Konstellationen das Zusammenspiel. So fehlte es der Fortuna nicht nur an Durchschlagskraft, sondern auch an der nötigen Abstimmung.

Erwartungshaltung & Unruhe

Absteiger aus der 2. Liga gehören zwar generell zum Favoritenkreis, doch bei Fortuna Düsseldorf war die Ausgangslage vor Saisonbeginn noch mal eine andere als etwa bei Mitabsteiger Preußen Münster: Nicht nur, dass die Fortuna über das größte Stadion der Liga verfügt und einen Dauerkartenrekord in der Drittliga-Historie aufstellte: Es ist gerade mal zwei Jahre her, dass die Rheinländer denkbar knapp in der Relegation am Aufstieg in die Bundesliga gescheitert sind. Entsprechend herrschte bei nicht wenigen Fans die Erwartungshaltung vor, die 3. Liga – allein durch die Wucht des Vereins – dominieren zu können.

Dass das nicht gelingen wird, hatten vor einigen Jahren auch schon der 1. FC Kaiserslautern und seine Fans leidvoll erfahren müssen. Nach den beiden Niederlagen zum Auftakt war die Unruhe im Umfeld bereits derart groß, dass es auch für die Mannschaft zunehmend schwieriger wurde, der großen Erwartungshaltung gerecht zu werden. Die hohen Ansprüche werden den Spielern zwar schon bei der Vertragsunterschrift bewusst gewesen sein, doch wie hoch diese tatsächlich sind, hat sich dann erst zu Saisonbeginn gezeigt. Dass es vor einer Woche bereits in der Schlussphase der Partie gegen Verl zu ersten "Ende Raus"-Rufen kam, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch alles offen war und die Fortuna direkt danach sogar den Pfosten traf, spricht für sich.

Ohnehin hatte Ende von Anfang an einen schwierigen Stand und wurde von vielen Fans überaus kritisch gesehen, nachdem seine Spielidee zuvor schon in Münster nicht aufgegangen war. Dass der 47-Jährige den Abstieg trotz einer guten Ausgangslage nicht verhindern konnte, erschwerte sein Standing zusätzlich. So richtig warm geworden sind die Fortuna-Anhänger mit Ende nicht, auch wenn die Fankurve ihm nach der Niederlage gegen Saarbrücken am Samstag ihr Vertrauen aussprach. Doch unter den Gegebenheiten bei der Fortuna war ein ruhiges Arbeiten kaum möglich.

Zu wenig Drittliga-Erfahrung im Kader

Dass sich die Fortuna insgesamt noch schwer damit tut, die 3. Liga anzunehmen, dürfte auch damit zusammenhängen, dass ihr schlicht die Erfahrung in dieser Spielklasse fehlt. Auf dem Papier stehen Spieler wie Tim Oberdorf, Elias Egouli, Steven van der Sloot, Andreas Müller, Philipp Förster und Fabian Schleusener ohne Frage für gehobene Qualität, spielten in den vergangenen Jahren aber überwiegend in der 2. Liga oder gar der Bundesliga. Was die 3. Liga angeht, bringt es der komplette Kader dagegen lediglich auf 715 Einsätze. Nur Meppen, Fortuna Köln, Hoffenheim II und Großaspach können noch weniger Drittliga-Erfahrung vorweisen.

Zum Vergleich: Der 1. FC Saarbrücken kommt auf 2.092 Spiele und verzeichnet damit die meisten Einsätze aller Klubs. Diese Erfahrung spielten die Saarländer auch am Samstag aus: Sie ließen sich vom frühen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen, glichen nur drei Minuten später aus und drehten die Partie nach der Pause. Dabei gelang es dem FCS, Düsseldorf immer wieder nach außen zu lenken und die Fortuna auf Flanken zu beschränken. Bei der Kaderzusammenstellung im Sommer wäre es deshalb sinnvoll gewesen, der Erfahrung in der 3. Liga mehr Gewicht beizumessen.

Denn eine namhafte Mannschaft ist längst keine Garantie für den Aufstieg. Das zeigte etwa der SV Sandhausen in der Saison 2023/24: Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga verpflichtete der Klub zahlreiche Spieler mit höherklassiger Erfahrung, darunter den früheren Düsseldorfer Rouwen Hennings. Trotz des prominent besetzten Kaders beendete Sandhausen die Saison lediglich auf dem achten Platz und verpasste den direkten Wiederaufstieg. Auch bei der Fortuna zeigt sich nun, dass Qualität auf dem Papier allein nicht ausreicht. Gerade in einer Liga, in der Zweikampfhärte, Konsequenz und der Umgang mit Rückschlägen eine große Rolle spielen, kann fehlende Erfahrung zum Nachteil werden.

Fazit

Letztlich ist Alexander Ende nicht an einem einzelnen Problem gescheitert. Seine Spielidee war zwar in Ansätzen erkennbar, doch die Fortuna schaffte es zu selten, diese über 90 Minuten auf den Platz zu bringen. Hinzu kamen die enorme Erwartungshaltung im Umfeld und ein Kader, dem es trotz vieler namhafter Spieler an Erfahrung in der 3. Liga mangelt.

Der Trainerwechsel ist daher längst keine Garantie dafür, dass künftig alles besser läuft. Schließlich wurde die Mannschaft im Sommer gezielt auf Endes Vorstellungen ausgerichtet, wodurch es etwa an offensiven Flügelspielern mangelt. Gleichzeitig wird der Druck nicht kleiner. Künftig wird Ex-Profi Jens Langeneke gefordert sein, die vorhandene Qualität schnellstmöglich in konstante Leistungen und Ergebnisse ummünzen. Denn die Fortuna braucht nicht nur einen neuen Impuls, wie es Sportvorstand Samir Arabi erklärte, sondern Lösungen für Probleme, die mit dem Ende-Aus allein längst nicht verschwunden sind.

   

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