"Unbrechbar sein": Setzt RWE den Lauf gegen Ingolstadt fort?
Seit acht Partien ist Rot-Weiss Essen ungeschlagen. Verteidigt die Mannschaft von Uwe Koschinat zum Ende der Englischen Woche mindestens den dritten Platz? Auch ein Sprung auf die Aufstiegsplätze ist möglich, denn die beiden Teams, die vor RWE in der Tabelle stehen, treffen sich zum direkten Duell. Der Cheftrainer weiß, dass "emotionale Leader" und "Risikostruktur" nötig sein werden.
Dardari droht länger auszufallen
Der 1. Spieltag, ein 2:5 gegen Saarbrücken, dient RWE-Coach Uwe Koschinat heute wie kaum ein anderes Ergebnis als Vergleichsreferenz zur Entwicklung seiner Mannschaft. Ein Ergebnis, das es so seit sehr langer Zeit nicht gegeben hat. Aus gutem Grund, wie der 55-Jährige weiß: "Wir haben emotionale Leader, die noch jung sind, die noch ein Feingespür entwickeln müssen. Auf der anderen Seite sind sie so unberechenbar, so unbeugsam. Sie zeigen, dass hier an der Hafenstraße nichts zu holen ist", lobte Koschinat die jungen Führungsspieler, die er in seiner andauernden Amtszeit als Essener Cheftrainer etablieren konnte. Insgesamt 25 Gelbe Karten gehören zu diesem Lernprozess dazu.
Ein Wert, der beinahe in die Spitze der Liga geht. Nur Meppen (30x Gelb) und Rostock (27x Gelb) kassierten häufiger Verwarnungen, wohingegen Jannik Hofmann als erster Spieler dieser Saison gemeinsam mit SVM-Mittelfeldspieler Niclas Nadj eine Gelbsperre abgesessen hat. Gegen Ingolstadt kehrt der Außenverteidiger zurück – im Gegensatz zu Aiman Dardari, bei dem eine schlimmere Verletzung befürchtet wird. Allerdings stand eine genaue Diagnose zum Zeitpunkt der Spieltags-Pressekonferenz noch nicht fest. Darüber hinaus hatte Koschinat keine weiteren Ausfälle zu den bisherigen Langzeitverletzten zu befürchten.
"Sind in der Abwägung gut strukturiert"
Jetzt werden die emotionalen Führungsspieler wieder an der Hafenstraße gefordert sein. "Wir wären als Rot-Weiss Essen in dieser Konstellation mit diesen Spielertypen nicht gut beraten, wenn wir unsere Art verändern würden. Sie nimmt die Menschen mit, und sie strahlt aus, dass es nicht so schön ist, gegen uns zu spielen. Aber immer auf eine saubere, faire Art und Weise." Platzverweise wegen Tätlichkeiten oder Schimpfworte habe es lange nicht gegeben, auch die fast schon absurd wirkende Statistik von Elfmetern, die RWE in der vergangenen Saison am laufenden Band verursachte, wurde bereinigt. "Obwohl nahezu dieselben Jungs auf dem Platz stehen", merkte Koschinat an, dass die Entwicklung beim Revierklub vorangeht. "Und wir spielen weiter sehr aggressiv."
So wird es auch in Ingolstadt sein. Mit der Abwägung fürs Nötige. "Ein gewisser Mut gehört zu unserem Spiel dazu, und trotzdem ist das bis jetzt immer in einer sehr, sehr angemessenen Form passiert", beschrieb Koschinat einen Faktor, den er als "Risikostruktur" bezeichnete. "Wir können einen beschwingten und erfolgreichen Fußball spielen, aber sind auch in der Abwägung gut strukturiert. Dazu sind die Jungs untereinander sehr kritikfähig und stacheln sich an, was mich wirklich in diesen Teilbereichen sehr zufrieden macht." Das komplette Handwerk wird am Samstag (14 Uhr) gefordert sein. Dann gastiert RWE beim FCI, der zuletzt nach einem Trainerwechsel hin zu Achim Beierlorzer den ersten Sieg unter dem neuen Coach einfahren konnte. "Das ist eine Mannschaft, bei der man sich immer wieder darüber wundert, dass sie in den letzten zwei Jahren nicht permanent zur Spitzengruppe gehörte, weil sie personell einfach sehr, sehr gut aufgestellt sind", so Koschinat. Zur Entfaltung will der 55-Jährige die Schanzer logischerweise nicht kommen lassen.