Warum Fortuna Düsseldorf in aktueller Konstellation schwächelt
Fortuna Düsseldorf schien zwischenzeitlich auf Kurs, in der 3. Liga anzukommen. Doch die jüngsten Rückschläge vor und nach der Länderspielpause fördern neben sportlicher Defizite auch die Ungeduld der Anhängerschaft zu Tage. Es finden sich jede Menge Argumente, warum diese Saison so kompliziert wird. liga3-online.de listet sie auf.
Weit entfernt von aufstiegsreifer Performance
Es sind nicht nur die sieben Punkte Rückstand auf Viktoria Köln, zehn sogar auf Ligaprimus MSV Duisburg. Fortuna Düsseldorf ist sportlich schlicht meilenweit entfernt davon, so eingeschworen und resistent gegen Widerstände zu sein wie der Rivale rheinabwärts. Und ebenso weit entfernt von einem Zustand, in den sich die Viktoria befördert hat: Spielerisch über alle Vorwürfe erhaben, mit Selbstvertrauen vollgetankt bis zum Anschlag, maximal harmonisiert mit einem Kader ohne Stars und Sternchen. Sollte dies verwundern? Überhaupt nicht. Mitabsteiger Preußen Münster kämpft mit ganz ähnlicher Thematik, lieferte jüngst beim 3:3 gegen Essen die erste wirklich überzeugende Saisonleistung ab. Doch Fortuna hat den spürbaren Druck, direkt zu liefern. Ein Druck, der lähmend wirken kann.
Dazu passt: Fortuna hat es trotz einer höchst namhaften Offensivreihe um Fabian Schleusener und Philipp Förster erst zu acht Saisontoren gebracht – Duisburg steht bei 22, Köln bei 24. Hier liegt der Maßstab eines künftigen Aufsteigers, F95 erfüllt diesen nicht ansatzweise. Kurioserweise zeigte F95 beim 2:2 gegen Verl zumindest phasenweise das Gefährlichste, was in dieser Saisonstartphase zu Stande gebracht wurde. Auch das schützte aber nicht vor massiver Unzufriedenheit von außen.
Taktische Spurensuche: Ein Team fremdelt noch
Drei Wochen Zeit hatte Fortuna, die Ansätze von Trainer Alexander Ende nach dem 0:1 in Aachen ganz ohne den wöchentlichen Ergebnisdruck tiefer zu verinnerlichen – die zweistelligen Siege im Landespokal waren auf dem Papier allemal vielversprechende Anzeichen. Und so gut sich die Startphase mit einigen aggressiven Ballgewinnen auch anließ: Im eigenen Spielaufbau wirkte Düsseldorf zu behäbig, flache Kombinationen blieben oft im zentralen Drittel des Spielfelds hängen, der rasche Übertrag in die Spitze gelang selten. Tempo erzeugte primär der quirlige, aber in entscheidenden Aktionen blasse Anas Slimani. Das Experiment, Philipp Förster regelmäßig auf die linke, Youngster Elias Arden auf die rechte Seite zu beordern und die sonst enge Mittelfeldraute damit zu öffnen, war eine angenehme Überraschung, die Wirkung verflüchtigte sich schnell.
Problematisch war das Verhalten nach den jeweiligen Führungen: Fortuna zog sich unmittelbar zurück und ließ Verl – das sich bis dato unter Gegnerdruck stets zu Fehlern provozieren ließ – an Sicherheit gewinnen. Ab der 38. Minute, als Tim Oberdorf zur 1:0-Führung einköpfte, spielte bis tief in die Schlussphase der Gast aus Ostwestfalen, und das mit jener Ballsicherheit, die ausgerechnet Trainer Ende seinem Ex-Klub damals als Vorreiter eingetrichtert hatte. Die unerklärliche Passivität, die so in keinem Matchplan stand, steckte die Zuschauer auf den Rängen an und gipfelte in "Ende raus"-Rufen. Dem nächsten Problem.
Explosive Mischung als Konsequenz der Erwartungshaltung
Über den Allzeit-Drittligarekord von 20.000 verkauften Dauerkarten durfte sich Fortuna im Sommer freuen, Rückhalt und Zweckoptimismus waren vor dem Saisonstart enorm. Doch jetzt, an kalten Sonntagabenden im Oktober gegen kleinere Vereine wie dem SC Verl, folgt der Realitätscheck: Vor einem nicht einmal halbvollen, in dieser Liga überdimensionierten Stadion von den Ostwestfalen phasenweise dominiert zu werden, das zehrt am Nervenkostüm der Fans. Selten wirkten die großen Spiele gegen Dortmund, Schalke oder Köln so weit entfernt wie aktuell.
Genau dies wird zur zusätzlichen Last für Mannschaft und Trainerteam: Zwar unterstützt die Fankurve uneingeschränkt, weite Teile des übrigen Stadions aber machten aus ihrer Ernüchterung am Sonntagabend kein Geheimnis mehr und quittierten Fehlpässe mit einem flächigen Raunen sowie vereinzelten Pfiffen. Trainer Ende bekam den Großteil des Frustes ab und wird auch in sozialen Medien immer kritischer gesehen. Auch hinter den Kulissen wächst offenbar die Kritik, die Englische Woche könnte gar zur Schicksalswoche für den 47-Jährigen werden. Sportchef Samir Arabi hat aber den Kader in aller Kurzfristigkeit um die Wünsche des Coaches herum gebaut – gelernte offensive Flügelspieler gibt es etwa kaum. Hier müsste, um das Gedankenspiel weiterzuführen, zunächst ein Übungsleiter gefunden werden, der überhaupt mehr aus den vorhandenen Mitteln herausholt. Und dies führt zum vierten und letzten Punkt.
Es könnte Drittliga-Qualität fehlen
Ein abschließendes Urteil kommt nach einem Fünftel der Saison viel zu früh. Doch ganz unabhängig vom taktischen Korsett bahnt sich eine weitere Erkenntnis an: Womöglich fehlt es dieser Zusammenstellung an Drittliga-Qualität. Ganz sicherlich nicht an fußballerischen Ansprüchen – die liegen bei Akteuren der Güteklasse Schleusener, Förster oder Hendrix auch im gehobenen Alter noch deutlich über dem Schnitt dieser Spielklasse. Doch die 3. Liga definiert sich auch über Athletik und über Einsatzbereitschaft. Über Kondition sowie über den Willen, sich in Spiele hineinzubeißen und sowohl gegen völlig limitierte und zweikampforientierte, aber auch überraschend ballsichere Gegner zu bestehen.
Fortuna Düsseldorf könnte von dieser Sorte Spieler derzeit zu wenige in seinen Reihen haben, auch weil die Erfahrung im Drittliga-Alltag fehlt: Nur die Aufsteiger Meppen, Großaspach und Köln sowie die Reserve von Hoffenheim II kommen auf weniger absolvierte Drittliga-Spiele – 683 sind es derzeit im Düsseldorfer Kader. Mannschaften wie Saarbrücken, Rostock und Duisburg kommen auf einen etwa dreimal so hohen Wert. Als alleinige Erklärung für das Düsseldorfer Mittelmaß taugt dieser Mangel nicht. Eine weitsichtige Kaderplanung hätte diesen Faktor aber stärker berücksichtigen können und den harten Übergang in die 3. Liga womöglich leichter gemacht.