Das Zwischenzeugnis für die 3. Liga: Die obere Tabellenhälfte
Die 3. Liga befindet sich in einer XXL-Länderspielpause. Die perfekte Gelegenheit, um den Vereinen ein erstes Zwischenzeugnis auszustellen, zumal bereits rund ein Fünftel der Saison gespielt ist. Wie ist der Saisonstart der einzelnen Drittligisten zu bewerten? liga3-online.de verteilt Schulnoten – diesmal für die obere Tabellenhälfte.

Dass es nach dem Monster-Umbruch im Sommer nicht leicht werden würde, überraschte niemanden. Das Ausmaß der Probleme zu Saisonbeginn dagegen schon: Schon nach zwei Spieltagen stand die noch punktlose Fortuna mit dem Rücken an der Wand. Anschließend berappelte sich der Zweitliga-Absteiger und holte zehn Punkte aus vier Spielen – inklusive des emotionalen Siegs im Straßenbahnderby gegen den MSV Duisburg vor knapp 50.000 Zuschauern. Zuletzt setzte es gegen Aachen allerdings wieder eine Niederlage. In Summe macht das Platz zehn – und ein Zeugnis, das nicht über eine ausreichende Beurteilung hinauskommt. Für den angepeilten Wiederaufstieg wird sich die Ende-Elf noch steigern müssen.
Note: 4-

Das Experiment mit dem portugiesischen Weltenbummler Rui Mota startete vielversprechend: 2:1 gegen Düsseldorf, dazu gute Auftritte im Pokalderby gegen Kaiserslautern und in Rostock. Danach folgte jedoch ein Bruch. Immer wieder schenkte der Waldhof Führungen her und in der Offensive stehen Aufwand und Ertrag ohnehin in keinem guten Verhältnis. In der Englischen Woche zeigte die Kurve mit zwei Siegen immerhin wieder nach oben. Für Ärger sorgte allerdings der ramponierte Rasen, auf dem laut Geschäftsführer Steven Zuber "nahezu unmöglich" sei, Fußball zu spielen. Insgesamt wirkt Mannheim deutlich vitaler als in den eher tristen Vorjahren – nicht zuletzt dank des emotionalen Mota an der Seitenlinie und dessen attraktiver Spielidee. Negativ fiel hingegen auf, dass er schon mehrfach mit gegnerischen Trainern aneinandergeriet.
Note: 3

Von Absteiger-Blues ist keine Spur: Preußen Münster legte einen starken Start hin und grüßte nach fünf Spieltagen gar von Platz drei. Neu-Trainer Thomas Wörle hat seiner Mannschaft erstaunlich schnell jene Abgezocktheit eingeimpft, die seine Mannschaft schon in Ulm auszeichnete. Elf Punkte aus sieben Spielen sind ohne Frage ein starkes Zwischenergebnis. Dazu bewies der SCP mehrfach Moral und Comeback-Qualitäten. In der Spitzengruppe werden sich die Adlerträger auf Dauer aber wohl nur dann festsetzen können, wenn auch spielerisch noch etwas mehr kommt. Abgezocktheit und Effizienz können in der 3. Liga viel bewirken – für den ganz großen Wurf braucht es jedoch noch mehr.
Note: 2-

Auf den großen Umbruch im Transfersommer antwortete Aachen mit einem achtbaren Saisonstart – auch weil Torjäger Mika Schroers trotz verwehrten Wechsels weiter liefert. Spektakuläre Siege wie das 4:1 gegen Verl oder das 3:0 in Ingolstadt wechseln sich allerdings noch mit schwachen Auftritten wie dem 0:3 gegen Meppen ab. Der deutlich verjüngten Truppe von Mersad Selimbegovic ist die Unerfahrenheit bisweilen deutlich anzumerken – zugleich aber auch das große Talent. Finden die Kaiserstädter zu mehr Konstanz, scheint daher noch mehr als Platz sieben möglich. Schon jetzt reicht es für ein gutes Zeugnis, nicht zuletzt dank des reifen 1:0 gegen Düsseldorf vor der Länderspielpause.
Note: 2-

Als großer Aufstiegsfavorit in die Saison zu gehen, wird nicht selten zur Bürde. So auch bei Hansa Rostock, das von Beginn an zwar ordentlich lieferte, in den Augen der Verantwortlichen um Amir Shapourzadeh aber nicht gut genug: Nach der deutlichen 0:4-Niederlage bei Viktoria Köln, der bis dato einzigen Pleite, wurde Daniel Brinkmann erstaunlich früh von seinen Aufgaben entbunden. Ausschlaggebend war in der Gesamtbetrachtung wohl vor allem die fehlende Entwicklung in den letzten Monaten – gerade im Hinblick auf die schwache Defensive. Unter Interimstrainer Yannic Thiel folgten vier Punkte aus zwei Spielen. Insgesamt ist die Ausgangslage mit zwölf Zählern aus sieben Partien ordentlich. Nun liegt es an Neu-Trainer André Breitenreiter, seines Zeichens ein aufstiegserprobter Übungsleiter, diese zu veredeln.
Note: 3

Platz 20 in der Rückrundentabelle! Die TSG Hoffenheim II taumelte geradezu dem Saisonende entgegen – hat die Sommerpause aber offenbar bestens genutzt. Wie schon zu Beginn der Vorsaison begeistert die Truppe von Stefan Kleineheismann nun wieder mit furiosem Offensivfußball. Statt Ayoube Amaimouni-Echghouyab dribbelt nun ein gewisser Yasin Zor den Gegnern Knoten in die Beine. Der Neuzugang kommt bereits auf sechs Tore und ist dabei beileibe nicht der einzige Shootingstar in den Reihen der Kraichgauer. So stehen bereits 13 Punkte auf der Habenseite. In dieser Form machen die Hoffenheimer Talente richtig Spaß – und verdienen sich ein gutes Zwischenzeugnis.
Note: 2

La bonne humeur ist zurück! Nach einer Saison zum Vergessen herrscht an der französischen Grenze endlich wieder gute Laune. Der FCS hat den XXL-Umbruch erstaunlich gut gemeistert und weiß wieder zu begeistern. Neuzugänge wie Siemen Voet, Matteo Bignetti und Daniel Gleiber haben sich schnell als Volltreffer entpuppt. Der alles überragende Akteur ist mit Florian Pick allerdings ein alter Bekannter: Mit neun Scorerpunkten ist der 31-Jährige aktuell vielleicht sogar der prägendste Spieler der Liga. In der Tabelle grüßen die Saarländer derzeit mit 13 Punkten von Platz vier – eine starke Zwischenbilanz! Für den Sprung in die Top 3 muss die Giannikis-Truppe wohl noch etwas an Reife zulegen – zuzutrauen wäre ihr das allemal.
Note: 2+

Leicht hat man es als Trainer im emotionalen Essen selten. Ziehen dann im Sommer auch noch einige Leistungsträger weiter und geht der Auftakt gehörig daneben (2:5-Pleite in Saarbrücken), muss man liefern. Und genau das hat der bisweilen kritisch gesehene Uwe Koschinat getan! Neben dem Sieg im DFB-Pokal gegen St. Pauli folgten 14 Punkte aus den sechs weiteren Ligaspielen – darunter ein furioses 6:2 gegen die Würzburger Kickers und ein 1:0 gegen die starke Kölner Viktoria. Trotz beachtlichen Verletzungspechs hat sich RWE schnell in den Top 3 festgesetzt und wirkt noch stärker als im Vorjahr. Auch weil Neuzugänge wie Semir Telalovic und Noah Pesch die Qualität merklich erhöhen.
Note: 2

Trotz überschaubaren Budgets und regelmäßiger schmerzhafter Abgänge war Viktoria Köln in den vergangenen Jahren ein Stammgast im (oberen) Tabellenmittelfeld. So auch in dieser Saison? Mitnichten! Die Truppe von Marian Wilhelm hat einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht, bietet furiosen Offensivfußball und grüßt mit bereits fünf Siegen von Platz zwei! Schlüssel zum Erfolg ist, dass neben voll eingeschlagenen Neuzugängen wie Niklas Swider und Niklas Castelle auch Bestandsspieler wie Lucas Wolf und David Otto einen beachtlichen Leistungssprung hingelegt haben. Vor allem Otto trifft derzeit wie am Fließband und führt mit sechs Saisontoren die Torjägerliste an. In Summe macht das ein fast perfektes Zwischenzeugnis für die Vik!
Note: 1-

Das S in MSV steht anscheinend für „Startrekord“. Nach sechs Auftaktsiegen in der Vorsaison lieferten die Zebras diesmal die beste Ausbeute der Drittliga-Geschichte nach vier Spieltagen. Zwar folgte mit der Pleite im Straßenbahnderby gegen Düsseldorf ein erster Wermutstropfen, doch zwei anschließende Siege ließen diesen schnell verblassen. So grüßt die Truppe von Dietmar Hirsch mit 18 Punkten aus sieben Spielen hochverdient von der Tabellenspitze. Beeindruckend ist vor allem die neue Tiefe im Kader. Auch spielerisch haben die Meidericher einen großen Schritt nach vorne gemacht und stellen die geteilt beste Offensive der Liga. So kann’s aus Sicht der Zebras weitergehen!
Note: 1
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