Das Zwischenzeugnis für die 3. Liga: Die untere Tabellenhälfte

Die 3. Liga befindet sich in einer XXL-Länderspielpause. Die perfekte Gelegenheit, um den Vereinen ein erstes Zwischenzeugnis auszustellen, zumal bereits rund ein Fünftel der Saison gespielt ist. Wie ist der Saisonstart der einzelnen Drittligisten zu bewerten? liga3-online.de verteilt Schulnoten – zunächst für die untere Tabellenhälfte.

Durch den Lizenzentzug von 1860 München darf der sportlich abgestiegene TSV Havelse weiterhin in der 3. Liga an den Start gehen. Bislang deutet jedoch einiges darauf hin, dass es erneut nicht für den sportlichen Klassenerhalt reichen könnte. Auch wenn die Leistungen phasenweise ansprechend waren, fällt die Zwischenbilanz mit vier Punkten aus sieben Spielen und Tabellenplatz 20 mangelhaft aus. Immerhin gelang diesmal – anders als bei den ersten beiden Anläufen – früh der erste Saisonsieg: Am 3. Spieltag drehten die Niedersachsen gegen Mannheim einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Erfolg. Dennoch gilt: Havelse muss sich schleunigst fangen, um nicht erneut früh der Musik hinterherzulaufen.

Note: 5

 

Erstaunlich offensiv kommunizierten die Wiesbadener Verantwortlichen im Sommer ihre Aufstiegsambitionen – und erstaunlich wenig konnte die Mannschaft davon bislang umsetzen. Erst am sechsten Spieltag gelang dem SVWW als letztem Drittligisten der erste Saisonsieg – da war Trainer Daniel Scherning bereits Geschichte. Ihm wurden die stagnierende Entwicklung, aber auch das viel zu späte Handeln seiner Vorgesetzten auf dem Transfermarkt zum Verhängnis. Nun soll unter Jochen Seitz, ausgestattet mit einem Vertrag bis Saisonende, alles besser werden. Auch wenn im Kader sicherlich das Potenzial für wesentlich mehr als Platz 19 steckt, wartet auf den Ex-Lok-Leipzig-Trainer eine undankbare Aufgabe.

Note: 5-

 

Kontinuität als Trumpf? Diese Strategie zahlt sich in Regensburg bislang nur bedingt aus. Auf das furiose 5:2 bei Viktoria Köln zum Auftakt folgten sechs sieglose Partien. Besonders schmerzhaft war das jüngste 3:3 gegen Stuttgart II, als der Jahn eine frühe 3:0-Führung noch verspielte. Die Truppe von Sascha Hildmann zeigt zwar meist gute Ansätze, schafft es bislang aber zu selten, diese in Ergebnisse umzumünzen – und das, obwohl mit Lucas Hermes (fünf Saisontore) ein Bestandsspieler zum Torjäger mutiert ist. Bleibt der Jahn seinem eingeschlagenen Weg treu, ist davon auszugehen, dass sich die ordentlichen Ansätze früher oder später auch in der Tabelle bemerkbar machen werden.

Note: 4-

 

Aufsteiger, insbesondere aus der Regionalliga Nord, haben es in der 3. Liga häufig nicht gerade leicht. Beim SV Meppen sah es zunächst anders aus: Auf das umjubelte 2:0 gegen Mitaufsteiger Großaspach am 2. Spieltag folgte ein furioses 3:0 in Aachen. Seit der 1:6-Heimpleite gegen Saarbrücken ist der Flow allerdings dahin – vier Niederlagen am Stück und auffällige Schwächen bei Standards trüben die Stimmung. "Die Schonfrist ist vorbei", betonte Sportchef Olufemi Smith zuletzt. Für die Art und Weise stellte er der Mannschaft dennoch ein ausreichendes Zeugnis aus. Mit Blick auf die Ergebnisse und Platz 17 in der Tabelle gibt es von uns allerdings noch einen kleinen Abzug.

Note: 4-

 

Auch die Würzburger Kickers durchlebten in dieser noch jungen Saison bereits emotionale Ausschläge in beide Richtungen. Groß war der Jubel nach dem 4:0-Sieg im ersten Heimspiel unter Flutlicht gegen Wehen Wiesbaden – und ebenso groß die Ernüchterung nach der 2:6-Klatsche in Essen rund einen Monat später, der dritten Niederlage in Folge. Immerhin gelang anschließend mit dem Heimsieg gegen Aachen die passende Antwort. Sieben Punkte bedeuten unterm Strich eine befriedigende Zwischenbilanz. Gleichzeitig wirkt es, als hätte die kräftig verstärkte Mannschaft noch Potenzial für mehr. Bislang ist ausgerechnet Bestandsspieler Tarsis Bonga der auffälligste Akteur der Unterfranken.

Note: 3

 

Es ist immer wieder dasselbe Lied: Zweitvertretungen müssen im Sommer ein gutes Dutzend Leistungsträger durch neue Jungspunde ersetzen und starten entsprechend grün hinter den Ohren in die neue Spielzeit. So auch der VfB Stuttgart II, der nach sieben Partien immerhin auf ebenso viele Punkte kommt. Achtbar waren vor allem die Auftritte vor großer Kulisse in Düsseldorf und Rostock, auch wenn es jeweils knapp nicht zu Zählbarem reichte. Dafür gelangen in Havelse und Würzburg zwei Auswärtssiege. Moral bewiesen die jungen Schwaben zudem gegen Regensburg, als sie einen 0:3-Rückstand noch egalisierten. Unterm Strich steht damit ein befriedigender Saisonstart.

Note: 3

 

Die fetten Jahre gehören an der Schanz der Vergangenheit an – und dennoch konnte sich der FC Ingolstadt im Sommer teils prominent verstärken. Neben Drittligagrößen wie Vinko Sapina und Lars Lokotsch kamen WM-Fahrer Nishan Velupillay und Ex-Bundesliga-Spieler Keanan Bennetts. Umso größer ist die Enttäuschung in der Audistadt darüber, dass der FCI einmal mehr im unteren Tabellenmittelfeld zu finden ist. Nach zwei Niederlagen zum Abschluss der Englischen Woche zogen die Verantwortlichen um Sportchef Harald Gärtner die Reißleine: Trainerin Sabrina Wittmann muss nach zweieinhalb Jahren gehen und wird von Routinier Achim Beierlorzer ersetzt. Ob die Oberbayern in dieser Konstellation wieder weiter oben anklopfen können?

Note: 4-

 

Frecher Offensivfußball? Was Großaspach zwei Aufstiege in Folge bescherte, sollte auch in der 3. Liga das Mittel der Wahl bleiben. Gesagt, getan! Der Sonnenhof weiß auch in der neuen Spielklasse mit seiner mutigen Spielweise zu gefallen. Größtes Highlight ist bislang der Sieg im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld, als Keeper Maximilian Reule über sich hinauswuchs. Das große Manko bleibt allerdings die Chancenverwertung: Gemessen an Spielanteilen und Einschussmöglichkeiten wären nach sieben Spielen durchaus mehr als acht Punkte drin gewesen. Steigert sich die Truppe von Pascal Reinhardt hier noch, ist beim nächsten Zwischenzeugnis vielleicht sogar noch mehr als eine befriedigende Note drin.

Note: 3+

 

Neun Punkte aus sieben Spielen – der Saisonstart von Fortuna Köln kann sich sehen lassen. Vor allem defensiv steht der Aufsteiger stabil: Im Schnitt kassierte die Mannschaft von Matthias Mink nur ein Gegentor pro Partie. Ein großes Highlight war das 0:0 gegen Namensvetter Düsseldorf vor rund 9.500 Zuschauern im altehrwürdigen Südstadion. Die beiden Siege gelangen allerdings auswärts – in Verl trotz Unterzahl und im Nachholspiel bei Havelse. Luft nach oben besteht vor allem offensiv, wo es noch etwas an Durchschlagskraft fehlt. Insgesamt blickt die Fortuna damit auf einen befriedigenden, beinahe schon guten Saisonstart.

Note: 3+

 

Geschichte wiederholt sich? Tatsächlich wirkt die bisherige Verler Saison wie eine Kopie der Vorjahre. Drei Niederlagen zum Auftakt, darunter eine Heimpleite gegen Duisburg trotz 2:0-Führung – mehr Déjà-vu geht kaum. Doch wie so oft berappelte sich der SCV schnell: In den folgenden vier Spielen gelangen drei Siege und ein Remis. Schon steht die runderneuerte Sportclub-Truppe wieder im gesicherten Mittelfeld. Spielerisch ist Neu-Trainer Orest Shala noch längst nicht bei seinen Vorstellungen angelangt, doch die Mannschaft hat bereits Widerstandsfähigkeit bewiesen und die anfänglichen Defensivpatzer abgestellt. Geht es nun erneut ins erste Tabellendrittel?

Note: 3

   

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