"Ein entfesselndes Spiel": Koschinat schwärmt nach 6:2-Erfolg
Rot-Weiss Essen hat nachgelegt – und wie! Nachdem der Revierklub zuletzt sieben Punkte aus drei Partien mit der Mindestanzahl von zwei Toren schoss, wirkte die Mannschaft von Uwe Koschinat gegen den Aufsteiger aus Würzburg wie entfesselt. Trotz zwischenzeitlicher Drangphase der Gäste feierte RWE an der Hafenstraße einen 6:2-Kantersieg, der den Cheftrainer schwärmen ließ.
"Eigentlich eine sehr beruhigende Situation"
"Wenn du mit einem 3:0 in die Pause gehst, dann ist das ja eigentlich eine sehr, sehr beruhigende Situation", fasste RWE-Coach Uwe Koschinat in der Pressekonferenz nach dem Spiel der Essener gegen Würzburg zusammen. Dass das allerdings alles andere als eine sichere Führung war, zeigte schon der Verlauf der ersten Halbzeit – denn der Aufsteiger aus Würzburg war dran. Und die Gäste holten noch mit zwei Treffern im zweiten Abschnitt auf. "Die Kunst des Trainerseins besteht ja immer darin, auch in einer schlechten Situation etwas Gutes zu sehen. In dem Fall war es so, dass dieses Ereignis vielleicht nicht so unwichtig war", so Koschinat. Was der Coach meint? Nach komfortabler Führung brauchte Essen schärfere Sinne.
"Ehrlicherweise ist uns ja schon sehr viel reingelaufen in der ersten Halbzeit mit den Toren, der souveränen Führung, dem Nicht-Rückstand nach eigenem Fehler", listete der 55-Jährige auf. "Wenn du dann die zweite Halbzeit locker herunterspielen kannst, verfälscht das ein bisschen die einzelnen Spielphasen. Uns so haben wir die Quittung für ein schlechtes Verteidigungsverhalten bekommen." Würzburg holte auf, aber Essen ließ die Partie nicht kippen. Und das war der Punkt, auf den Koschinat hinaus wollte: "Die Mannschaft sieht, dass sie einfach jederzeit die Qualität hat, um ein Spiel dann nochmal zu verändern." Denn aus dem 3:2 nach 3:0 machte RWE souverän noch ein 6:2.
"Kam wirklich ins Schwärmen"
Schon bei "Magenta Sport" schwärmte Koschinat deshalb unmittelbar nach Abpfiff. "Das war in großen Teilen wirklich ein entfesselndes Spiel", erklärte der 55-Jährige, der bekanntlich die Verletzungssorgen rund um Tony Mentzel (Syndesmoseband-OP) und Max Geschwill (Knieprobleme) kompensieren musste. Wie auf der Spieltags-Pressekonferenz angekündigt, bediente sich Koschinat der eigenen Kreativität und brachte keinen neuen Mann auf der Doppelsechs, sondern zog Offensivkraft Noah Pesch weiter zurück – und dazu noch Kostka und Janssen, die allesamt an den Treffern in der ersten Halbzeit beteiligt waren.
"Als Trainer hast du die Phase zu monieren, in der das Spiel fast gekippt wäre. Aber wir haben gezeigt, dass wir alles für ein positives Ergebnis tun wollen und den Leuten auch bis zur 94., 95. Minute etwas bieten wollen", so Koschinat, der die späten Treffer von Bätzner (78./86.) und Brumme (90.+7) zusätzlich noch für sein goldenes Händchen für Joker eintragen durfte. Letztendlich zeigte sich auch der 55-Jährige beeindruckt: "Zwischendurch kam ich wirklich ins Schwärmen. Wir wirkten so sicher, so klar, so gut abgestimmt. Aus meiner Sicht hat das richtig gut ausgesehen." Die schwierige Phase überstanden zu haben, sei zudem ein Fortschritt im psychologischen Prozess der Robustheit gewesen, wie Koschinat bereits betonte.
RWE weit über dem Soll
So schob sich RWE – auch dank Patzer der Konkurrenten – nach fünf Spielen auf den zweiten Tabellenplatz. Angesichts der Anmoderation, dass Essen nach zwölf Spielen insgesamt 20 Punkte auf dem Konto haben möchte, lag der Revierklub damit über dem Soll. "Zehn Punkte sind mit Sicherheit toll. In der Beantwortung der Frage des 1. Spieltags, wie stabil wir daherkommen können, ist das eine tolle Zwischenbilanz", fasste der Cheftrainer übergeordnet zusammen. "Das tut der Mannschaft, die noch im Prozess des Zusammenwachsens ist, sehr gut." In Mannheim (Mittwoch, 19 Uhr) und zuhause gegen Rostock (Sonntag, 13:30 Uhr) warten nun weitere Prüfsteine für entfesselte Essener.