Hermes im Interview: "Das macht schon etwas mir Dir"
Aus der Serie "Traumstart mit Hermes geliefert": Beim SSV Jahn Regensburg lieferte vor allem Lucas Hermes mit zwei Treffern und einer Vorlage ab. Im Interview mit liga3-online.de spricht der 26-Jährige nunmehr über durchgespielte Namensspiele, den Einfluss seiner Kopfverletzung auf seinen Alltag sowie die Jahn-Symbiose aus ekligem und attraktivem Fußball.
"Das soll mich nicht daran hindern, weiter abzuliefern"
liga3-online.de: Nach dem Traumstart mit dem 5:2 bei Viktoria Köln mitsamt drei Scorerpunkten Ihrerseits lagen die Wortspiele auf der Hand. Über welches davon konnten Sie beherzt lachen, Herr Hermes?
Lucas Hermes: Generell kannte ich diese schon alle. Speziell in den sozialen Medien sind die Hermes-Gags jetzt endgültig durchgespielt, wobei ich ein Typ bin, der auch dann noch drüber lachen kann.
Ist schon ein Angebot für einen Werbedeal des gleichnamigen Paketzustellers hereingeflattert?
Bislang nicht (schmunzelt). Aber: Das soll mich nicht daran hindern, weiter abzuliefern.
Sich – zusammen mit Doppelpacker Adrian Fein und Leopold Wurm – auch in der "Elf des Spieltags" wiederzufinden, dürfte wie eine Befreiung sein, nachdem die erste Saison im Jahn-Trikot irgendwie an Ihnen vorbeigelaufen war!
Definitiv, du fühlst dich – nicht nur fußballerisch – so befreit und kannst mental mit diesem kräftezehrenden Kapitel umgehen. Während der Hinrunde war ich schon immer auf meine Einsätze gekommen und vielleicht auch recht nah dran an solchen Spielen, wie jetzt gegen Viktoria Köln mit zwei Toren und einem Assist. Dann kam es mit dem Muskelfaserriss sowie der Schädelfraktur aber Schlag auf Schlag für mich.
Welchen Einfluss hatte speziell die Verletzung am Kopf auf Ihren Alltag?
Mir sind viele einfache Sachen schwergefallen – sogar ein Spaziergang durch den Park. In der Rückrunde habe ich durch Joker-Einsätze zwar Spielpraxis gesammelt und wollte dranbleiben. Wenn du jedoch ständig den Körper neu hochfahren musst, war das auch nicht sinnvoll. Geholfen hat mir dann die durch die WM noch etwas längere Sommerpause sowie unser Athletik-Trainer Simon Hecht. Ihm verdanke ich auf jeden Fall auch diese Form und Leistung beim Saisonstart.
Hildmann? "Alle im Team schätzen seine Teamführung"
Gleichzeitig setzte der Sieg den Regensburger Aufwärtstrend seit der Übernahme von Trainer Sascha Hildmann im April (1,73 Punkte pro Spiel) fort. Wie hat er das Team über die folgenden vier Monaten verändert?
Jeder Trainer bringt so seine fußballerische Handschrift mit. Sascha Hildmann hat uns als eine Art Players Coach dabei auch viel mitgenommen. Alle im Team schätzen seine Teamführung. Wenn du dieses Wir-Gefühl auch eine komplette Vorbereitung lang spürst, macht das schon etwas mit dir. Du gehst auf den Platz und kannst noch zehn Prozent mehr aus dem Körper kitzeln.
Was wird die nächste Stufe dieser Entwicklung sein? Etwa 1:0 oder 2:1-Erfolgen häufiger in "Jahnsinn"-like Ergebnisse zu verwandeln?
Wir wollen uns zu einem Team entwickeln, dass für jeden Gegner eklig zu bespielen ist. Darunter muss die spielerische Linie nicht leiden, wie wir gegen Viktoria Köln bewiesen haben. Wir wissen jedoch auch, dass wir nicht immer diesen Spielverlauf sowie Chancen für fünf Tore pro Spiel bekommen.
Unabhängig von der Aussagekraft der Tabelle stehen sich nunmehr die beiden Drittligisten mit einem 5:2-Auftakterfolg gegenüber. Regensburg gegen Saarbrücken – was können die Fans am Sonntag erwarten?
Es ist schon ein komischer Zufall, dass diese Paarung dann zustande kommt, wo beide Teams diesen spektakulären Start hatten. Die Erwartungen von außen steigen, aber ich gehe schon von einem eher engeren Match aus. Wie wenig selbst eine 2:0-Führung gegen Saarbrücken wert ist, wissen wir jetzt alle in der Liga. Vor einem derartigen Comeback gegen einen Fast-Zweitligisten wie Rot-Weiss Essen (5:2; d. Red.) habe ich persönlich viel Respekt.
Sie selbst stammen aus der Jugend des FCS, durchliefen vor dem Wechsel ins Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten SC Freiburg diverse Junioren-Teams. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?
Ausnahmslos schöne Erinnerungen. Ich war bis zur U17 beim FCS, einige dieser Jugendfußball-Freundschaften bestehen bis heute. Wie sich generell der Fußball im kleinen Saarland durch den sensationellen Weg von Elversberg in die Bundesliga und der Strahlkraft des 1. FC Saarbrücken entwickelt hat, beeindruckt mich.