Nach der Insolvenz: Wie es bei 1860 München weitergeht
Offiziell bestätigt hat der TSV 1860 München die Insolvenz der KGaA bislang zwar nicht, dennoch wird das Verfahren im Hintergrund bereits vorbereitet. Wie es für den Drittliga-Absteiger nun weitergeht, ist allerdings noch offen.
Verschiedene Varianten möglich
7,5 Millionen Euro wären nötig gewesen, um die Zahlungsfähigkeit der KGaA aufrechtzuerhalten. Zu einer Einigung mit Investor Hasan Ismaik kam es jedoch nicht. Der Jordanier soll zuletzt zudem nicht bereit gewesen sein, weiteres Kapital für die Gesellschaft bereitzustellen. Wie ein mögliches Insolvenzverfahren konkret verlaufen würde, ist derzeit noch offen. Zunächst dürfte ein Insolvenzverwalter Gespräche mit Ismaik aufnehmen, um auszuloten, ob eine weitere Finanzierung der KGaA möglich ist. Sollte dabei eine Einigung erzielt werden, könnte die Gesellschaft fortgeführt werden.
Daneben wären auch andere Lösungsansätze denkbar. So könnte geprüft werden, ob finanzielle Mittel von den bestehenden Gesellschaftern bereitgestellt werden können. Zuletzt hatte der e.V. Ismaik ein Angebot über fünf Millionen Euro für dessen Anteile unterbreitet. Diese Summe dürfte jedoch nicht ausreichen, um den gesamten Finanzbedarf der KGaA zu decken. Auch die Suche nach neuen Investoren gilt als mögliche Option.
Insolvenzmasse wohl überschaubar
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens übernimmt zunächst ein vom Amtsgericht bestellter Insolvenzverwalter die Kontrolle über die KGaA. Er wird die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft analysieren, mögliche Sanierungsoptionen prüfen und die Interessen der Gläubiger vertreten. Nach Angaben der "Abendzeitung" wird zunächst die Zulässigkeit des Insolvenzantrags geprüft, ehe ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht anschließend die Frage, ob die Gesellschaft fortgeführt werden kann oder am Ende aufgelöst werden muss.
Laut der "Bild" soll die Insolvenzmasse allerdings überschaubar ausfallen. Demnach verfügt die KGaA über einen Kassenbestand von rund vier Millionen Euro. Gleichzeitig gehören wichtige Vermögenswerte nicht zur Gesellschaft. Weder die Merchandising-Rechte noch Stadion oder Trainingsgelände befinden sich im Besitz der KGaA. Die Vermarktungsrechte liegen bei der TSV 1860 Merchandising GmbH, die Spielstätten gehören der Stadt München.
Ismaiks Darlehen gelten als nachrangig
Zu den Gläubigern zählen laut den Berichten unter anderem Dauerkarteninhaber, Sozialversicherungsträger, der e.V., ehemalige Geschäftsführer sowie weitere Unternehmen und Institutionen. Darüber hinaus sollen noch offene Forderungen aus früheren Transfergeschäften sowie aus der Zeit in der Allianz Arena bestehen. Die "Abendzeitung" berichtet zudem von möglichen Verbindlichkeiten gegenüber dem FC Bayern München, Eintracht Frankfurt und weiteren Unternehmen.
Die größten Ansprüche hält zwar Ismaik, seine Darlehen gelten im Insolvenzverfahren jedoch als nachrangig. Das bedeutet, dass zunächst andere Gläubiger bedient würden, bevor mögliche Forderungen des Mehrheitsgesellschafters berücksichtigt werden könnten. Wie hoch die Rückzahlungen an die Gläubiger letztlich ausfallen werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Der "Bild" zufolge wird allerdings damit gerechnet, dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Forderungen beglichen werden kann.
Viele Auswirkungen noch offen
Auch für Mitarbeiter und Spieler hat die Insolvenz unmittelbare Folgen. Für Beschäftigte der Gesellschaft könnte unter bestimmten Voraussetzungen Insolvenzgeld greifen, das für einen begrenzten Zeitraum von der Bundesagentur für Arbeit übernommen wird. Welche Auswirkungen das Verfahren auf die bestehenden Spielerverträge haben wird, hängt dagegen von den weiteren Entscheidungen des Insolvenzverwalters sowie von den Plänen rund um die neue Spielbetriebsgesellschaft ab.
Offen bleibt zudem, welchen Weg der Insolvenzverwalter einschlagen wird. Denkbar wäre ein Sanierungskonzept mit neuen Investoren oder weiteren Finanzierungspartnern. Nach Angaben der "Abendzeitung" ist auch nicht ausgeschlossen, dass der TSV 1860 e.V. in den kommenden Verhandlungen versucht, die KGaA zu übernehmen. Das Spielrecht liegt nach der Kündigung des Kooperationsvertrags inzwischen wieder beim Stammverein.
Ismaik kündigt "rechtliche Aufarbeitung" an
Sollte sich jedoch keine tragfähige Lösung finden lassen, droht am Ende die vollständige Liquidation der KGaA. In diesem Fall würde die Gesellschaft nach Abschluss des Verfahrens aufgelöst und aus dem Handelsregister gelöscht werden. Gleichzeitig zeichnet sich bereits weiterer juristischer Streit ab. So hat Hasan Ismaik eine "vollständige und transparente rechtliche Aufarbeitung" der Entwicklungen angekündigt. Demnach könnte die Investorenseite auch gegen den vom Verein geplanten Neustart mit einer neuen Spielbetriebsgesellschaft vorgehen.
Unabhängig von den Entwicklungen rund um die KGaA treiben die Münchner ihren sportlichen Neustart bereits voran. Die Mannschaft von Trainer Alper Kayabunar hat die Vorbereitung auf die kommende Regionalliga-Saison aufgenommen und absolvierte zuletzt ihr erstes Testspiel. Perspektivisch soll der Spielbetrieb über eine neue Gesellschaft organisiert werden, deren Gründung die Mitglieder auf der jüngsten Versammlung bereits grundsätzlich beschlossen haben. Die Zeit drängt allerdings: Schon in vier Wochen steht der 1. Spieltag an.