Was aus früheren Drittligisten geworden ist #27: Ahlen
Insgesamt 70 Mannschaften spielten seit der Saison 2008/2009 in der 3. Liga. Während einige Klubs den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, sind andere Vereine vom Radar der breiten Öffentlichkeit verschwunden. liga3-online.de holt diese Klubs nun wieder hervor. Heute: Rot Weiss Ahlen, das nur eine Saison in der 3. Liga dabei war und praktisch "durchgereicht" wurde.
1996 bis 2006: Ein Fußball-Franchise wie RB Leipzig
31. Mai 2026: Ein schwarzer Tag in der Geschichte von RW Ahlen. Erstmals nach 33 Jahren musste der Verein, der nur eine Saison in der 3. Liga spielte (2010/2011, 39 Punkte), in die 6. Liga absteigen. Das letzte Heimspiel gegen Eintracht Rheine (3:4) wurde von Böller- und Raketenwürfen überschattet, die Fans wollten einen Spielabbruch provozieren. Die Nachricht vom 1:1 des Konkurrenten TuS Ennepetal gegen ASC 09 Dortmund besiegelte den Abstieg der Ahlener in die 6. Liga. Damit gibt es im Kreis Soest im Sommer 2026 in der Westfalenliga einen Neuanfang.
Rot Weiss bzw. LR Ahlen, das war lange eine Fußball-Erfolgsstory aus Nordrhein-Westfalen. Sie mutete ähnlich an wie die Geschichte von RB Leipzig. Der Unternehmer Helmut Spikker vom Kosmetikkonzern LR übernahm den klammen Klub 1992, rettete ihn vor dem (ersten) Konkurs und führte ihn von der Bezirksliga in die 2. Bundesliga.
1996 wurden die Vereine TuS und Blau-Weiß Ahlen als LR Ahlen (Leichtathletik-Rasensport Ahlen e. V.) fusioniert. Das Kürzel des neuen Klubs war aber – ähnlich wie bei RB Leipzig – auch eine Anlehnung an das bzw. ein PR-Symbol für das Unternehmen LR International.
Kontinuität? Fehlanzeige!
Vier Aufstiege in Folge führten den Klub 1996 in die Regionalliga West-Südwest und 2000 erstmals in die 2. Bundesliga, wo sich der LR-Klub bis 2006 halten konnte. Platz sechs unter Trainerlegende Peter Neururer stellte 2000/2001 die beste Platzierung der Westfalen im "Unterhaus" dar. Danach spielte Ahlen aber fast immer gegen den Abstieg – und sorgte für eine hohe Trainer-Rotation.
Siebenmal wurde der Schleudersitz im Wersestadion in den Jahren 2002 bis 2006 neu besetzt, u. a. mit prominenten Trainern wie Uwe Fuchs, Werner Lorant, Stefan Kuntz oder Bernard Dietz. Unter dem Coach Paul Linz ging es 2006 zurück in die Regionalliga (Nord). Zeitgleich kündigte Spikker, der die Firma LR International schon 2004 verkauft hatte, seinen Rückzug an. Der Verein wurde zum 1. Juli 2006 in Rot Weiss Ahlen umbenannt.
Fast-Bankrott, Rückkehr in die 2. Liga & Drittliga-Intermezzo
Ende 2006 drückten 833.000 Euro Miese den Verein, unter anderem verhinderte eine Bürgschaft der Stadt Ahlen das finanzielle Aus. In der Saison 2007/2008 gelang unter Trainer Christian Wück, später Bundestrainer der DFB-Damen, der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Dieses Gastspiel dauerte zwei Jahre.
2010 spielte Ahlen dann zum ersten und einzigen Mal in der 3. Liga, wo man sich sportlich 2010/2011 zwar gerettet hatte. Nach erneuten finanziellen Turbulenzen stürzte RWA dagegen aber komplett ab. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Oktober 2010 führte im Mai 2011 zum Zwangsabstieg – und zum tiefen Fall in die fünftklassige NRW-Liga. Seitdem pendelte RW Ahlen, dessen Trikot so namhafte Spieler trugen wie "der weiße Brasilianer" Ansgar Brinkmann, Weltmeister Kevin Großkreutz, Nico „Patsche“ Patschinski, BVB-Idol Marco Reus, Harald "Lumpi" Spörl und Domi Kumbela, zwischen der 4. und 5. Liga.
"Der Abstieg in die 6. Liga ist nicht der Tod des Vereins"
Ein Wanderer zwischen den Ligen. 2024 musste man die Regionalliga West als Tabellenletzter (Rang 18) verlassen. Nur sechs Saisonsiege bedeuteten die schlechteste Ausbeute von RW Ahlen in dieser Liga. Vor Saisonbeginn 2026/2027 erlebte Ahlen nach dem Sturz in die Sechstklassigkeit einen Spieler-Exodus. Mehr als ein Dutzend Akteure hat den Verein Mitte Juni 2026 bereits verlassen, wobei Rechtsverteidiger Iskender Aslan (SC Wiedenbrück) und Mittelfeldspieler Jan-Nzeba Bot, den es zum VfL Bochum II zog, in der Regionalliga bleiben. Top-Torjäger Bernard Gllogjani steht Mitte Juni noch ohne Verein da.
Vereinsvorstand Dennis Kocker sagt in einem Interview mit dem "Kicker": „"er Abstieg ist ein Tiefpunkt des Vereins, aber nicht der Tod des Vereins. Die Finanzierung ist gesichert, auch für die Verbandsliga. Der Sponsorenkreis bleibt erhalten. Darauf können wir aufbauen. Die Folgen werden nun aufgearbeitet, ein Plan B wurde in den vergangenen Wochen erarbeitet und wird jetzt umgesetzt."