Trotz Zwangsabstieg: Ismaik gibt den Kampf um die 3. Liga nicht auf
Während der TSV 1860 München den Neustart in der Regionalliga vorbereitet, verfolgt Investor Hasan Ismaik offenbar einen anderen Plan. Laut der "Abendzeitung" setzt die Investorenseite auf eine Doppelstrategie: Zum einen soll gegen die Kündigung des Kooperationsvertrags vorgegangen werden, zum anderen wird weiterhin an einer Lösung gearbeitet, die den Löwen doch noch den Verbleib in der 3. Liga ermöglichen könnte.
Peter Gauweiler vertritt Ismaik
Für dieses Vorhaben hat Ismaik mit Peter Gauweiler einen prominenten Rechtsanwalt eingeschaltet. Der frühere CSU-Politiker soll die Interessen des Investors im Streit mit dem TSV 1860 München e.V. vertreten. Bereits in den vergangenen Tagen hatte Ismaik angekündigt, die Kündigung des Kooperationsvertrags rechtlich prüfen zu lassen. Der "AZ" zufolge hat die Investorenseite inzwischen formell Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt.
Darüber hinaus soll gegenüber den zuständigen Verbänden signalisiert worden sein, dass die finanziellen Mittel zur Absicherung der Drittliga-Lizenz weiterhin zur Verfügung stünden und die Investorenseite gegen eine Nichterteilung der Zulassung vorgehen will. Die Erfolgsaussichten dürfte allerdings gering sein, schließlich ist die Frist des DFB bereits am vergangenen Mittwoch abgelaufen. Die Entscheidung über das Zulassungsverfahren zur kommenden Saison will der DFB am Donnerstag bekanntgeben. Dann wird auch feststehen, ob der TSV Havelse anstelle der Löwen in der 3. Liga verbleiben wird.
Mang reagiert mit "Kopfschütteln"
Die Strategie der Investorenseite verdeutlicht indes, dass der Machtkampf zwischen Investor und Stammverein auch nach dem Verlust der Drittliga-Lizenz weitergeht. Während der e.V. die Trennung von Ismaik vorantreibt und die Zukunft des Klubs in der Regionalliga plant, kämpft die Investorenseite sowohl um den Fortbestand der gemeinsamen Gesellschaft als auch um ihre rechtliche Position. Präsident Gernot Mang reagierte auf die Einschaltung Gauweilers mit Unverständnis.
Gegenüber dem "Bayerischen Rundfunk" sagte er, die Personalie habe bei ihm "ein bisschen Kopfschütteln" ausgelöst. "Ein ehemaliger CSU-Politiker vertritt die Werte Tradition und jetzt vertritt er jemanden aus dem Middle East und geht gegen einen der traditionsreichsten Vereine Deutschlands vor. Also da passt irgendwas nicht zusammen." Der Stammverein hält ungeachtet dessen an seiner Auffassung fest, rechtmäßig gehandelt zu haben. Aus Sicht der Vereinsführung wurden die Voraussetzungen zur Sicherung der Drittliga-Lizenz nicht fristgerecht erfüllt, nachdem Ismaik die nötigen 2,7 Millionen Euro nicht bereitstellen wollte.
Dabei sah bis zuletzt alles nach einer Einigung mit Ismaik aus. "Aber dann hat sein Bruder die Verhandlungen abgebrochen, ist vom Verhandlungstisch aufgestanden, hat uns eine Mail zukommen lassen und gesagt: 'Der Deal ist gestorben'", berichtete Mang. Konkret war über mehrere Verträge verhandelt worden, die jedoch gegen satzungs- und verbandsrechtliche Vorgaben verstoßen hätten. Durch den Zwangsabstieg droht der KGaA nun die Insolvenz – womöglich schon kurzfristig. Dann wären Ismaiks Anteile endgültig wertlos. Zuvor hatte der Jordanier bereits angekündigt, die KGaA nicht vor der Insolvenz retten zu wollen.
"Aufbruchstimmung im Verein"
Aus sportlicher Sicht arbeiten die Löwen derweil daran, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. "Wir sind jetzt dran, Lösungen zu finden. Das werden noch harte Verhandlungen werden, harte Tage", blickte Mang voraus. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir hier wirklich eine vernünftige Lösung haben werden und dass wir dann auch zu Beginn der Regionalliga Bayern eine schlagkräftige Truppe haben werden”, die dann, "mit dem Löwen auf der Brust und in den Farben weiß und blau spielen" soll. Im Grünwalder Stadion.
Trotz des Zwangsabstiegs sprach Mang von einer "Aufbruchstimmung im Verein", der immer weiter zusammenwachse. Fans haben bereits über 90.000 Euro an Spenden gesammelt, zudem sind seit letztem Mittwoch über 600 neue Mitglieder hinzugekommen. "Wir ziehen an einem Strang und schauen, dass wir eine sehr sehr gute Lösung für den TSV finden werden. Das sind wir auch den Fans schuldig."