"War etwas merkwürdig": So feierte der VfL den Bus-Aufstieg
Der VfL Osnabrück ist zurück in der 2. Bundesliga! Eigentlich wollten die Lila-Weißen den Aufstieg am Sonntagnachmittag beim Spiel in Wiesbaden perfekt machen, doch durch die 1:6-Niederlage von Essen beim VfB Stuttgart II wurde kurzerhand im Hotel gefeiert. Die Fans zog es derweil in die Osnabrücker Innenstadt.
Aufstieg auf dem Parkplatz
Nein, eigentlich hatte niemand damit gerechnet, bereits am Samstagnachmittag vorzeitig den Aufstieg feiern zu können. Dennoch verfolgte die Mannschaft auf der Anreise nach Wiesbaden im Bus natürlich das Spiel von Rot-Weiss Essen beim VfB Stuttgart II. Und spätestens, als kurz nach der Halbzeitpause das 3:0 für die Schwaben fiel, begannen im Bus so langsam die Feierlichkeiten, wie ein Social-Media-Video der Lila-Weißen zeigt.
Noch lauter wurde der Jubel nach dem 4:0 – begleitet von einigen "Uwe"-Rufen. Ob damit RWE-Coach Uwe Koschinat gemeint war?
Um kurz nach 18 Uhr bog die Mannschaft dann auf den Parkplatz vor dem Teamhotel ein. Doch aussteigen wollte keiner, schließlich war die Partie in Großaspach noch nicht beendet. Als um 18:27 Uhr dann der Abpfiff ertönte und der Aufstieg amtlich war, gab es im Bus kein Halten mehr. Kurz danach stiegen die Spieler aus uns feierten in der Hotel-Lobby weiter.
Schultz gibt den Partybefehl
Trainer Timo Schultz sprach im Vereins-TV von einem Aufstieg, "den ich hoffentlich das erste und letzte Mal so erlebt habe. Du fährst mit dem Bus nach Wiesbaden, merkst natürlich relativ schnell, dass Stuttgart gewinnen wird, stehst dann hier auf dem Parkplatz vor dem Hotel in Wiesbaden, und das Ding geht über die Ziellinie. Wir werden es trotzdem angemessen heute Abend krachen lassen." Dabei hatte er unter der Woche noch betont, dass sich die Mannschaft im Falle eines Falles "nicht die Kajüte vollhauen" werde. Doch Schultz wusste: "Die Jungs hätte ich nicht mehr einfangen können." Und er sollte Recht behalten.
Latkowski geblitzt
Den Aufstieg bezeichnete Schultz als "absolut verdient" und verwies vor allem auf den Punkteschnitt von 2,6 seit der Winterpause: "Das ist brutal." Es sei die Qualität der Mannschaft gewesen, immer wieder nachgelegt zu haben und drangeblieben zu sein. Am Ende habe sich der Aufstieg "über Wochen und Monate" angedeutet. Bereits im Februar hatte Schultz als erster Trainer der Topteams öffentlich vom Aufstieg gesprochen. Ziel erfüllt!
Auch Joe Enochs (Direktor Fußball) und Daniel Latkowski (Technischer Direktor) stießen zu den Feierlichkeiten dazu. Beide waren mit dem Auto aus Aachen gekommen, wo sie das Spiel zwischen der Alemannia und Hansa Rostock verfolgt hatten. "Eigentlich wollten wir nach Mainz, um dort morgen ein U19-Spiel zu schauen. Im Auto haben wir die Essener-Partie verfolgt und sind dann bis nach Wiesbaden durchgefahren", berichtet Enochs in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Um pünktlich anzukommen, drückte Latkowski auf das Gaspedal – und wurde geblitzt. Doch an so einem Tag nimmt man das in Kauf. "So aufzusteigen war etwas merkwürdig. Aber es war trotzdem ein schönes Gefühl, dass wir es geschafft haben. Wir freuen uns unheimlich", so Enochs. Eine ähnliche Gefühlslage herrschte bei den Fans in Osnabrück vor, die noch am Abend in die Innenstadt zog, wo ebenfalls ausgelassen gefeiert wurde.
Nächstes Ziel: Meisterschaft
Am Sonntag sollen die Feierlichkeiten in Wiesbaden weitergehen, über 5.000 Fans werden in der Brita-Arena erwartet. Wer spielen wird, ist noch offen. "Die ersten Spieler sind schon auf mich zugekommen und haben gesagt, dass sie maximal fünf Minuten spielen können. Ich werde das Anschwitzen dafür nutzen, den Jungs tiefer in die Augen zu gucken", lachte Schultz. "Aber wir werden schon eine schlagkräftige Truppe zusammen kriegen, denn wir wollen gewinnen." Denn nachdem schon der Aufstieg nicht auf dem Platz gefeiert werden konnte, soll es nun mit der Meisterschaft klappen.
Dafür muss der VfL zunächst darauf "hoffen", dass Cottbus zuvor nicht in Duisburg verliert. Dann könnten die Niedersachsen mit einem Sieg beim SVWW aus eigener Kraft alles klar machen. "Die Jungs werden Gas geben, da bin ich mir sicher." Sollte auch die Meisterschaft durch Schützenhilfe gelingen, wird aber sicherlich auch niemand etwas dagegen haben. Schließlich kennen sich die Osnabrücker mit Feierlichkeiten abseits des Platzes nun schon aus.