"Wäre eine Sensation": Ulm wahrt Restchance im Abstiegskampf
Mit dem Last-Minute-Sieg gegen den TSV Havelse hat der SSV Ulm den Rückstand zum rettenden Ufer auf sechs Punkte verkürzt und die Resthoffnung auf den Klassenerhalt damit am Leben gehalten. Trainer Pavel Dotchev war erleichtert, ist sich jedoch bewusst, dass weitere Siege folgen müssen.
Dotchev mit einer Spur Selbstironie
Eigentlich war die Partie gegen Havelse bereits so gut wie gelaufen, wodurch der Abstieg der Ulmer sehr wahrscheinlich nicht mehr zu verhindern gewesen wäre. Doch mitten in die Drangphase der Gäste hinein und mit der letzten Aktion des Spiels traf Lukas Mazagg nach einer starken Vorarbeit von Niklas Kölle in der fünften Minute der Nachspielzeit tatsächlich noch zum Siegtreffer und sorgte damit für großen Jubel im Donaustadion. "Es ist super gelaufen, und man hat gesehen, dass mit dem Tor eine richtige Last abgefallen ist", sagte der Matchwinner am "MagentaSport"-Mikrofon. "Wir haben den Sieg gebraucht, da brauchen wir nicht drum herumzureden. Ansonsten wäre die Messe gelesen gewesen. Jetzt ist noch was drin."
Das Kuriose dabei: Der 26-Jährige war erst in der 90. Minute in die Partie gekommen – und das auch nur, weil sich Leon Dajaku zuvor verletzt hatte. "Wie sagt man so schön: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Das habe ich heute geschafft", hielt Trainer Pavel Dotchev mit einer Spur Selbstironie fest. "Als Trainer bist du natürlich immer davon abhängig, dass die eingewechselten Spieler für die entscheidende Szene sorgen. Das ist bislang nicht so häufig passiert."
"Wir sind noch am Leben"
Auch generell stand der SSV in den letzten Wochen nicht für Last-Minute-Siege, sodass Dotchev auch schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, wie er einräumte: "Normalerweise ist es so, dass wir in den letzten Minuten zusammenbrechen. Heute war es umgekehrt. Das spricht für die Mannschaft." Der 60-Jährige war daher entsprechend stolz, bemängelte aber, "dass wir nach dem 1:0 angefangen haben, das Spiel zu verwalten". Erst nach dem Gegentreffer in der 80. Minute "waren wir wieder da. Das ist eine Sache, die wir abstellen müssen. Wir fangen erst an zu spielen, wenn wir nichts mehr zu verlieren haben. Sonst haben wir Angst."
Durch den Sieg hat der SSV den Rückstand zum rettenden Ufer auf sechs Zähler verkürzt, da der 1. FC Saarbrücken gegen 1860 München nur Unentschieden gespielt hat. "Wir sind noch am Leben", betonte Mazagg. Mit 1860 und Köln warten nun zwei Teams aus dem Mittelfeld, danach geht es noch gegen Osnabrück und Essen, die zu diesem Zeitpunkt womöglich bereits aufgestiegen sind. Ein Vorteil für die Spatzen? "Wir müssen unsere Spiele gewinnen, dann haben wir gute Chancen. Da ist egal, wer kommt", meinte der 26-Jährige. Vermutlich wird Ulm – auch aufgrund der deutlich schlechteren Tordifferenz gegenüber dem FCS – alle vier Partien gewinnen müssen, um am Ende über dem Strich zu stehen. Eine Herkulesaufgabe, "aber wir haben nochmals eine Chance", meinte Dennis Chessa.
"Wenn einer Druck hat, dann 1860"
Dotchev sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung", betonte aber, dass noch nichts erreicht worden sei. "Wir wollen mit Würde runtergehen. Wenn mehr dabei herauskommt, wäre das eine Sensation. Diese Chance müssen wir im Auge haben." Bei 1860 sei Ulm am nächsten Samstag nun der Außenseiter, meinte der 60-Jährige – und kam trotz der Tabellenlage zu einer verblüffenden Ansicht: "Wenn einer Druck hat, dann 1860." Tatsächlich liegt der Druck aber natürlich beim SSV, der unbedingt gewinnen muss, um die Restchance weiter am Leben zu erhalten. Dotchev hofft, dass der Last-Minute-Sieg Kräfte freigesetzt hat. Dann könnte im Endspurt tatsächlich noch etwas gehen.