"Unwahrheiten behauptet": Lemke widerspricht Politik
Nach der Kritik aus der brandenburgischen Landespolitik an der Wutrede von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hat sich nun auch Präsident Sebastian Lemke zu Wort gemeldet – und sich hinter den 60-Jährigen gestellt. Gleichzeitig will er der Politik die Hand reichen.
"Die Sachfakten sind alle richtig"
Als "peinlich, abartig, bodenlos" hatte Wollitz Ende Februar die fehlende Unterstützung der Landespolitik bezeichnet, nachdem die bereits vor einem Jahr zugesicherte Millionen-Zahlung für die Stadionsanierung bislang nicht eingetroffen war. Wie Präsident Sebastian Lemke in einem Interview mit der "Lausitzer Rundschau" nun betont, könne man über einzelne Formulierungen zwar diskutieren, inhaltlich seien die Aussagen des Trainers aus seiner Sicht jedoch korrekt. "Die Sachfakten, die Pele angesprochen hat, sind alle richtig". Er habe deshalb den stellvertretenden Regierungssprecher Michael Schlick angerufen, "um ein paar Dinge klarzustellen". Besonders dessen Darstellung, Politiker kämen nicht zu Spielen, weil sie nicht eingeladen würden, weist Lemke zurück. Wenn Schlick das behaupte, sei das "schlichtweg gelogen". Mehrere schriftliche Einladungen nach Potsdam seien verschickt, aber ignoriert worden.
Auch die Kritik, der Klub habe keinen vollständigen Förderantrag eingereicht, stößt beim Präsidenten auf Unverständnis. "Es liegt ein fertiger Antrag in Potsdam und nicht erst seit dem 20. Februar", betont Lemke. Der Antrag habe bereits vor Weihnachten vorgelegen, Nachforderungen seien anschließend "schnellstmöglich" nachgereicht worden. Dass nun ein anderer Eindruck entstehe, empfinde er als unfair: "Ich finde es einfach nicht fair, wenn Unwahrheiten behauptet werden."
Lemke dachte an Rücktritt
Die Auseinandersetzung habe ihn persönlich stark beschäftigt. "Ich bin ehrlich: Ich hatte den Gedanken, ob ich zurücktreten soll", räumt Lemke ein. Nach reiflicher Überlegung habe er diesen Schritt jedoch verworfen. Vor fünf Jahren sei er "für diese Menschen, für diesen Verein, für diese Stadt, für diese Region angetreten", erklärt der Präsident. Stattdessen sucht der Klub nun den Dialog mit der Politik. Lemke bereitet nach eigenen Angaben ein Schreiben vor und möchte die Landesregierung zu Gesprächen einladen. Der Arbeitstitel lautet: "Will Brandenburg einen Zweitligisten haben?" Sollte diese Frage mit Ja beantwortet werden, müsse gemeinsam geklärt werden, "was muss der Verein machen? Was muss das Land machen?"
Dabei sei auch dem Verein bewusst, dass er selbst liefern müsse. "Natürlich müssen wir unsere Hausaufgaben machen", so Lemke. Zunächst gehe es darum, den sportlichen Erfolg zu schaffen, anschließend um Eigenmittel und weitere Professionalisierung. Gleichzeitig stellt er klar: "Ohne Unterstützung des Landes wird es nicht gehen." Parallel arbeitet Energie an einer Konzeptstudie zur Zukunft des Stadions. Wie schnell Ergebnisse vorliegen, hänge stark vom Verein selbst ab, etwa von Ausschreibung und Vergabeverfahren. Die Studie solle offen prüfen, "was nötig ist, um langfristig Profifußball in Cottbus zu ermöglichen". Auch ein möglicher Neubau an einem anderen Standort sei dabei nicht ausgeschlossen. Emotional hänge er zwar "sehr an diesem Standort hier im Eliaspark", sagte Lemke – sollte eine Studie jedoch eine bessere Alternative aufzeigen, müsse man sich das "ernsthaft anschauen und prüfen".