War es das? In Aue und Ulm gehen langsam die Lichter aus
Als richtungsweisende Phase war sie beim FC Erzgebirge Aue sowie dem SSV Ulm ausgerufen worden, die zurückliegende Englische Woche. Doch am Ende stand die große Ernüchterung: Während der SSV nur einen Punkt verbuchte, verloren die Veilchen alle drei Spiele. Damit gehen bei beiden Klubs langsam die Lichter aus.
Fans wenden sich ab
Es war am Sonntagnachmittag gegen 17:45 Uhr, als die Sorgenfalten in Aue und Ulm noch größer wurden als ohnehin schon. Soeben hatte der 1. FC Saarbrücken die Partie beim MSV Duisburg gedreht, sodass die Lücke zwischen den Abstiegsrängen und dem rettenden Ufer auf satte elf Punkte angewachsen war. Doch per Doppelschlag schlugen die Zebras zurück, erzielten in der Schlussphase sogar noch das 4:2 und entschieden die Partie damit für sich. Somit blieb es beim Acht-Punkte-Abstand, der aber ebenfalls für wenig Hoffnung in beiden Lagern sorgt – gerade mit Blick auf die Leistung am Samstag:
Während Aue gegen Aachen eine desaströse erste Halbzeit spielte, verspielte Ulm beim abgeschlagenen Schlusslicht aus Schweinfurt eine 0:2-Führung. Was beide Klubs ebenfalls eint: Die Fanlager wandten sich jeweils ab. In Aue bereits während des ersten Durchgangs, als sie den Spielern demonstrativ den Rücken zudrehten, beim SSV dann nach Spielende in Form von Gesängen wie "Wir sind Ulmer und ihr nicht". An beiden Standorten herrschte Ratlosigkeit vor, wie abermals eine Partie verloren gehen konnte. Für Aue war es die siebte Pleite im neunten Spiel der Rückrunde, was die Veilchen zum schwächsten Team seit Jahresbeginn macht, Ulm verlor bereits zum insgesamt 18. Mal in dieser Saison. Und zum 11. Mal im 14. Spiel unter Dotchev, der eigentlich als Retter verpflichtet worden war.
"So steigen wir ab"
Wie ernst die Lage ist, zeigte darüber hinaus die Tatsache, dass beide Trainer bereits auf die sonst üblichen Durchhalteparolen verzichteten. "Ich sage es mal so, mit diesem Trend, den wir gerade haben, werden wir absteigen. Wir brauchen das nicht schönreden. Das ist Tatsache, das ist die Realität", fand Dotchev deutliche Worte. Christoph Dabrowski sprach davon, dass man der "Realität ins Auge blicken" müsse. "Es geht jetzt um Haltung – dass wir in jedem Spiel nichts mehr herschenken, und ab jetzt so viele Punkte holen wie möglich. Das sind wir den Leuten schuldig." Worte, die danach klingen, als hätten die Trainer selbst keine großen Hoffnungen mehr, den Klassenerhalt noch schaffen zu können.
Kein Wunder, schließlich bräuchte es ein Wunder, um am Ende über dem Strich zu stehen. Oder in Zahlen ausgedrückt: Fast 20 Punkte aus zehn Spielen, was die Bilanz eines Aufstiegskandidaten bedeuten würde. Begonnen hat der Negativtrend bei beiden Klubs nicht erst in den letzten Wochen oder Monaten, sondern schon zuvor. SSV-Sportchef Stephan Schwarz sah sich daher dazu veranlasst, im "Kicker" deutliche Kritik an seinem Vorgänger Markus Thiele zu äußern: "Nach dem Abstieg gehört es dazu, eine vernünftige Mannschaft zusammenzustellen, die die Chance hat, in der 3. Liga erfolgreich spielen zu können." Somit spricht vieles dafür, dass Aue nach 23 Jahren im Profifußball erstmals in die Regionalliga absteigen wird und es für Ulm nach dem direkten Durchmarsch von der Viertklassigkeit in die 2. Bundesliga genauso schnell wieder in die andere Richtung geht.