Koschinat schlägt Alarm: "Werden das auf Dauer nicht verkraften"
Erst das 0:3 in Osnabrück, jetzt das 2:3 in Rostock: Binnen einer Woche hat Rot-Weiss Essen zwei direkte Duelle im Aufstiegskampf verloren – und musste sich erstmals unter Trainer Uwe Koschinat zweimal in Folge geschlagen geben. Dieser erkannte vor allem defensiv einige Probleme bei seiner Mannschaft – und schlug deshalb Alarm.
"Uns fehlt derzeit die innere Ruhe"
Nein, fehlender Wille konnte RWE nach der Niederlage in Rostock nicht unterstellt werden. Schließlich holten die Essener einen 0:2-Rückstand zwischenzeitlich auf. "Klasse, wie die Mannschaft das hinbekommen hat", lobte Trainer Uwe Koschinat nach der Partie bei "MagentaSport" und betonte, dass es die Mannschaft auch in weniger guten Phasen auszeichnen würde, an sich zu glauben. Während die Moral stimmte, wurde jedoch die derzeit größte Baustelle bei RWE einmal mehr sichtbar: die Defensive. Schon zum dritten Mal in den letzten vier Partien kassierten die Essener drei Gegentore in einem Spiel und stehen nun bei insgesamt 44 Gegentoren – Höchstwert der ersten zehn Teams der Tabelle.
Den Grund für die Gegentorflut der letzten Woche hatte Koschinat schnell ausfindig gemacht: "Uns fehlt derzeit die innere Ruhe und die Sauberkeit in der Zweikampfführung." Zudem sei RWE in "unfassbar vielen Situationen" nur hinterhergelaufen und "sehr häufig" im eigenen Ballbesitz ausgekontert worden. Vor allem im Zentrum offenbarten sich bei den Essenern zuletzt große Defizite. "Das sind Probleme, die wir eigentlich nie hatten", war Koschinat bedient. "Das schleppen wir durch die Saison, und das ist auch völlig unabhängig von Grundordnung und Aufstellung."
Wieder drei Tore kassiert zu haben, die teilweise "sehr nah an Slapstick-Einlagen" gewesen seinen, "werden wir auf Dauer nicht verkraften", schlug Essens Coach Alarm. "Du kannst in dieser Liga nur punkten, wenn du defensiv stabil bist und wenig Fehler hast. Das gelingt uns leider aktuell nicht." Und offensiv fehle es der Mannschaft ebenfalls an der "inneren Ruhe" sowie der "Entscheidungsqualität", was sich in einem "sehr hektischen" Handeln niederschlage. Als weitere Defizite zählte Essens Coach "technische Unsauberkeiten" auf und monierte, dass die Gegner immer wieder zu Situationen eingeladen werden würden.
Alonso nimmt 0:1 auf seine Kappe
So auch beim 0:1, als Rios Alonso ohne Not vor Wienand klärte und den Ball genau vor die Füße von Krauß köpfte. "Ich bin mit der Intention zum Ball gegangen, den wegzuköpfen. Dann habe ich von hinten gehört, 'Torwart', und dann war ich ein bisschen aus dem Tritt. Aber das darf mir trotzdem nicht passieren. Entweder ich laufe zum Tor oder ich haue den Ball raus – egal wohin", zeigte sich der Verteidiger selbstkritisch und nahm das Gegentor auf sich: "Das ist ein Fehler von mir, ganz klar. Da muss ich reif genug sein, den Ball einfach rauszuköpfen oder ich lasse ihn durch." Vor dem 0:2 patzte dann auch noch Wienand, als er zu weit aus seinem Kasten kam. "Wir verlieren das Spiel durch eigene Fehler", so Rios Alonso.
Koschinat nahm Wienand aber in Schutz, sprach von einem "Lernprozess" des Keepers und sah die Führungsspieler in der Verantwortung, damit solche Situationen erst gar nicht entstehen. Wie der 54-Jährige betonte, würde Essen derzeit eine gewisser Verteidigungsmentalität abgehen, den Strafraum mit aller Macht verteidigen zu wollen. "Das Ding heute an ihm festzumachen oder darüber zu diskutieren, dass die Verletzung von Golz zu einer Schwächung der Punktestatistik geführt war, wäre nicht in Ordnung. Da sollten sich andere deutlich mehr in die Pflicht nehmen." Denn wenn Fehler im Vorfeld nicht passieren, wäre Wienand auch nicht zum Handeln gezwungen.
Nachdem Essen erstmals unter Koschinat zweimal in Folge verloren hat, sind die Rot-Weissen nur noch Siebter – wenngleich der Rückstand zu Rang 3 derzeit weiterhin nur drei Zähler beträgt. Im Heimspiel gegen Waldhof Mannheim muss am kommenden Mittwoch nun unbedingt ein Sieg her – ansonsten droht die Stimmung an der Hafenstraße zu kippen.