"Nichtleistung von allen": Hirsch wird nach Rekordpleite deutlich
Mit einem Sieg in Wiesbaden wäre der MSV Duisburg vorerst an die Tabellenspitze gesprungen, doch stattdessen mussten die Zebras ein 1:6-Debakel hinnehmen. Nach der höchsten Pleite unter der Regie von Trainer Dietmar Hirsch fand dieser deutliche Worte zum Auftritt der Mannschaft, wollte mit ihr aber dennoch nicht zu hart ins Gericht gehen – und nahm sie ein Stück weit in Schutz.
"So darf man beim MSV nicht verlieren"
Sechs Gegentore in einem Spiel, das gab es für den MSV Duisburg in der 3. Liga bislang erst zweimal. Einmal erzielten die Zebras selbst noch drei Treffer, im anderen Spiel blieb der MSV torlos. Folglich stellt die 1:6-Klatsche in Wiesbaden nun die zweithöchste Pleite in der Drittliga-Historie dar. Unter Hirsch war es dagegen die höchste Niederlage, zudem gab es erstmals unter dem 54-Jährigen mehr als vier Gegentore in einem Spiel. "Man kann Spiele verlieren, aber so darf man beim MSV nicht verlieren", machte er nach der Partie bei "MagentaSport" klar.
Bereits nach drei Minuten kassierte der Aufsteiger das 0:1, vor der Pause folgten noch zwei weitere Gegentore (26. / 45.+2). 32 Sekunden nach Wiederanpfiff gelang dann zwar der Anschluss, doch im direkten Gegenzug stellte Wiesbaden den Drei-Tore-Vorsprung wieder her (47.) und legte anschließend sogar noch zwei weitere Tore nach (63. / 67.). "Wir waren nicht griffig, waren in den Zweikämpfen nicht gut, haben sehr körperlos gespielt und die Leute aus den Augen verloren", zählte Hirsch die Mängelliste auf und sprach von einem "sehr naiven" und "unreifen" Auftritt. "Und dafür ist Wehen dann einfach zu gut. Das muss man dann auch anerkennen. Es war ein hochverdienter Sieg."
"Wir sind keine Maschinen"
Was den MSV-Coach besonders störte, war die Tatsache, dass es seine Mannschaft nach dem 1:4 verpasst hatte ("Damit war der Deckel drauf"), Schadensbegrenzung zu betreiben. "Stattdessen lassen wir uns noch zweimal auskontern." Unter dem Strich sah Hirsch eine "Nichtleistung von allen". Kapitän Alexander Hahn fand ähnliche Worte und entschuldigte sich "im Namen der Mannschaft und des Vereins" bei den über 3.000 mitgereisten Fans: "Es tut mir sehr, sehr, sehr, sehr leid." Vor allem deswegen, weil die Anhänger ihr Team trotz des deutlichen Spielstands bis zum Schluss unterstützen. "Es ist geisteskrank, was die da abreißen. Es war ein gefühltes Heimspiel."
Doch bei allem Frust über die Klatsche: Hirsch war direkt nach Spielende darum bemüht, nicht alles schwarz zu sehen: "Heute war ein schlechter Tag. Jetzt geht es darum, in der nächsten Woche nicht viel zu reden, sondern zu arbeiten und dann eine Reaktion zu zeigen. Das sind wir uns und den Fans schuldig." Der Mannschaft habe er unmittelbar nach der Partie gesagt, "dass wir in guten und in schlechten Zeiten zusammenstehen", denn: "Wir haben so viele gute Spiele und so viele tolle Leistungen abgeliefert. Heute haben wir richtig auf die Fresse bekommen. Man hat so Tage, aber wir sind keine Maschinen."
Sorgen um Bitter und Bulic
Generell suche er die Schuld nie bei den Spielern ("Wir sind ein Team und gehen da gemeinsam durch"), sondern hinterfrage auch sich selbstkritisch: "Was haben wir trainiert? Was haben wir aufgestellt". Trotz der Klatsche zeigte sich Hirsch nach wie vor "stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein. Ich vertraue meinen Spielern zu 100 Prozent und werde jetzt nicht die Nerven verlieren". Das sei schließlich auch bei Erfolgen wie dem 4:2 gegen Verl letzte Woche nicht der Fall gewesen. "Niederlagen gehören dazu, aber davon geht die Welt nicht unter. Das ist Sport, das ist Fußball." Zumal der SVWW den Zebras "hausüberlegen" gewesen sei, wie Hirsch zugeben musste. "Da muss man gratulieren."
Auch Hahn meinte: "Im Endeffekt haben wir 43 Punkte und stehen gut da. Wir werden weitermachen." Im Heimspiel gegen Schlusslicht Schweinfurt soll am nächsten Samstag dann die angekündigte Reaktion in Form von drei Punkten erfolgen. Ob Joshua Bitter dabei sein kann, ist allerdings noch offen, nachdem er bereits nach neun Minuten mit Problemen am Oberschenkel vom Platz musste. Auch Rasim Bulic blieb zur Pause angeschlagen in der Kabine. Diagnosen gab es nach Spielende noch nicht, am Montag soll jeweils ein MRT gemacht werden. Die Verletzungen der beiden Spieler passten zu einem mehr als gebrauchten Tag des MSV.