"Darf nur einen Sieger geben": Aachen zwischen Frust und Stolz
Erst 1:0, dann 2:1 und schließlich 3:1: Gegen Rot-Weiss Essen sah Alemannia Aachen lange wie der sichere Sieger aus, kassierte aber noch zwei späte Gegentore und musste mit einem 3:3 leben. Der Frust war groß, gleichzeitig konnten die Aachener der Partie auch etwas Positives abgewinnen.
"Herausragende Alemannia"
Wie konnte Alemannia Aachen dieses Spiel nicht gewinnen und damit zum vierten Mal in Folge zuhause sieglos bleiben? Diese Frage wird sich wohl jeder der über 27.000 Zuschauer am Tivoli gestellt haben. Zu stark und zu souverän präsentierten sich die Schwarz-Gelben über 85 Minuten – RWE-Trainer Uwe Koschinat sprach von einer "herausragenden Alemannia" -, bevor der eingewechselte Abiama den Schwarz-Gelben mit zwei späten Toren (85. / 89.) noch den lange sicher geglaubten Sieg entriss. "Es darf nur einen Sieger geben", zeigte sich Trainer Mersad Selimbegovic im Interview mit "MagentaSport" sichtlich niedergeschlagen, nachdem Schroers (5. / 46.) und Nadjombe (35.) die Aachener vermeintlich auf die Siegerstraße gebracht hatten.
Gleichzeitig ärgerte sich der 43-Jährige über das Abwehrverhalten seiner Mannschaft, die vor dem 3:3 den Ball nicht geklärt bekam: "Das müssen wir cleverer verteidigen." Aus Sicht des Aachener Coaches hätte der Freistoß wegen einer vermeintlichen Ballsperre von Sillah, aus dem der Treffer resultierte, allerdings erst nicht gepfiffen werden dürfen. "Es ist besser, wenn ich nichts sage, aber es ist große Kunst, das so zu pfeifen. Es ist schon hart, in so einer Phase des Spiels auf Ballsperre zu entscheiden. Es sind immer diese Kleinigkeiten gegen uns."
"Weg und die Richtung stimmen"
Doch so bitter der späte Doppelschlag auch war: "Der Weg und die Richtung stimmen. Wir wachsen langsam aber sicher – auch zusammen mit unseren Fans", konnte Selimbegovic dem Spiel aber auch etwas Positives abgewinnen. Irgendwann werde es zudem aufhören, "dass wir immer aus dem Nichts Gegentore bekommen". In der Tat machte Essen aus drei Chancen drei Tore. Aber auch die Alemannia zeigte sich treffsicher, nachdem in den letzten drei Heimspielen kein einziger Treffer gelungen war. Gleich zwei Tore gingen auf das Konto von Mika Schroers, der erstmals überhaupt vor heimischer Kulisse traf. Die Partie nicht gewonnen zu haben, "tut unfassbar weh", schließlich habe Aachen "von der ersten bis zur letzten Minute echt ein gutes Spiel gemacht". Dennoch dürfe es nicht passieren, dass die Köpfe nach dem 2:3 "ein bisschen" nach unten gingen. "Wahrscheinlich war es auch die Angst, etwas zu verlieren."
Dennoch zeigte sich der 24-Jährige "echt stolz auf die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben. Wir haben vieles richtig gemacht, daher glaube ich nicht, dass uns das jetzt umwirft". Zwei Tage könne man jetzt traurig sein, "aber dann müssen wir die Köpfe wieder heben". Auch Selimbegovic blickte mit Zuversicht auf die kommenden Aufgaben: "Wir verkraften das und können sehr viel mitnehmen. Vor ein paar Wochen haben uns schon alle abgeschrieben, aber wir glauben an uns". In Ulm wollen die Aachener am nächsten Samstag dann "das gleiche Gesicht" zeigen – und dann auch wieder drei Punkte mitnehmen.