Dotchev: "Muss aufpassen, nicht in die Auer Kabine zu laufen"
Wenn der SSV Ulm am Samstag beim FC Erzgebirge Aue antritt, kommt es auch zur Rückkehr von Pavel Dotchev an seine alte Wirkungsstätte. Der frühere Aue-Trainer reist mit "gemischten Gefühlen" ins Erzgebirge, wie er in einem Interview mit der "Freien Presse" sagt. Er verbinde mit seiner Zeit bei den Veilchen "sehr, sehr positive Erinnerungen", habe dort aber auch Enttäuschungen erlebt.
"Sehr gute Zeit" in Aue gehabt
Insgesamt 171 Mal saß Dotchev in gleich drei Amtszeiten für die Veilchen auf der Bank, zuletzt von Dezember 2022 bis Dezember 2024. Grundsätzlich blickt der Deutsch-Bulgare auf eine "sehr gute Zeit" zurück und verspürt auch keine Enttäuschung mehr über das abrupte Ende seiner dritten Amtszeit: "Ich kann wegen einzelnen Personen nicht alles schlechtreden, ganz im Gegenteil. Ich sehe sehr viel Positives", erklärte er.
Entscheidend seien für ihn die Menschen und die guten Erinnerungen, alles andere sei "irrelevant". Entsprechend besonders fühlt sich auch die Rückkehr an: "Irgendwie schon", sagte Dotchev lachend und kündigte an, aufpassen zu müssen, "dass ich nicht aus Gewohnheit in die Auer Kabine laufe". Dass die Veilchen im Abstiegskampf stecken, bedauert der Drittliga-Rekordtrainer. Für ihn sei Aue "eine Spitzenmannschaft in der 3. Liga", die grundsätzlich "ganz oben mitspielen" müsse. Die Realität sieht jedoch schon seit einiger Zeit anders aus.
Ulm will auf drei Zähler an den FCE heranrücken
Sportlich steht für Dotchev der Fokus klar auf seiner aktuellen Aufgabe in Ulm. Seine bisherige Bilanz fällt kritisch aus. Er habe die Mannschaft mit dem Ziel übernommen, sich vor der Winterpause eine gute Ausgangslage zu verschaffen – "das ist uns aber nicht gelungen", so Dotchev. Dass auch der Jahresauftakt unglücklich verlief, ärgert ihn: "Es nervt mich, dass bislang alles nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt und gewünscht habe." Aus den sechs Spielen unter seiner Leitung gab es fünf Niederlagen und nur einen Sieg.
Vor dem direkten Duell ordnet Dotchev die Partie als richtungsweisend ein. "Das Emotionale muss ich am Samstag zurückstellen und den Fokus auf das Spiel und meine Mannschaft legen", erklärte er. Mit einem Sieg in Aue könne Ulm den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze herstellen – "und das muss das Ziel sein". Momentan fehlen den Spatzen sechs Zähler zum rettenden Ufer, bei einem Sieg könnte der Rückstand auf bis zu drei Zähler schrumpfen.
Fokus allein auf das Sportliche
Die Veilchen schätzt Dotchev aktuell stabiler ein. So befinde sich Aue "in einem leichten Aufwind", habe zuletzt regelmäßig gepunktet und trete gefestigter auf. Gerade mit der Kulisse werde die Aufgabe nicht einfach. "Wir müssen deshalb genauso motiviert und auf alles vorbereitet sein“, so Dotchev, der ein "spannendes, intensives und vielleicht auch emotionales Spiel“ erwartet. Trotz seiner persönlichen Vergangenheit und der Rückkehr ehemaliger Auer Spieler wie Mirnes Pepic oder Niko Vukancic stellt Dotchev klar: "Es gibt immer nur drei Punkte zu holen – und genau das wollen wir.“ Persönliche Geschichten müssten ausgeblendet werden, entscheidend sei allein das Sportliche.