1860 bestätigt Insolvenz der KGaA: Wie es jetzt weitergeht

Nachdem der TSV 1860 München am Dienstag beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die KGaA eingereicht hatte, bestätigten die Löwen den Schritt am Donnerstagabend nun auch offiziell.

Verschiedene Varianten möglich

7,5 Millionen Euro wären nötig gewesen, um die Zahlungsfähigkeit der KGaA aufrechtzuerhalten. Zu einer Einigung mit Investor Hasan Ismaik kam es jedoch nicht. Der Jordanier soll zuletzt zudem nicht bereit gewesen sein, weiteres Kapital für die Gesellschaft bereitzustellen. Somit war die KGaA zahlungsunfähig und musste einen Insolvenzantrag stellen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Max Liebig bestellt. Dieser hatte 2022 auch das Insolvenzverfahren bei Türkgücü München geleitet.

"Zunächst werden ich und mein Team uns ein umfassendes Bild über die wirtschaftliche und operative Situation der beiden Gesellschaften machen sowie Gespräche mit allen Beteiligten führen", kündigt Liebig an. "Ziel ist es, schnellstmöglich ein Gesamtbild zu bekommen, um die nächsten Schritte zusammen mit der Geschäftsführung prüfen und einleiten zu können." Die Löhne der Mitarbeiter sind nach Angaben des TSV mindestens bis einschließlich August 2026 durch das Insolvenzgeld gesichert. Der e.V. und seine Amateursportsparten sind von den vorläufigen Insolvenzverfahren nicht betroffen.

Laut der "Bild" soll die Insolvenzmasse indes überschaubar ausfallen. Demnach verfügt die KGaA über einen Kassenbestand von rund vier Millionen Euro. Gleichzeitig gehören wichtige Vermögenswerte nicht zur Gesellschaft. Weder die Merchandising-Rechte noch Stadion oder Trainingsgelände befinden sich im Besitz der KGaA. Die Vermarktungsrechte liegen bei der TSV 1860 Merchandising GmbH, die Spielstätten gehören der Stadt München.

Ismaiks Darlehen gelten als nachrangig

Zu den Gläubigern zählen laut den Berichten unter anderem Dauerkarteninhaber, Sozialversicherungsträger, der e.V., ehemalige Geschäftsführer sowie weitere Unternehmen und Institutionen. Darüber hinaus sollen noch offene Forderungen aus früheren Transfergeschäften sowie aus der Zeit in der Allianz Arena bestehen. Die "Abendzeitung" berichtet zudem von möglichen Verbindlichkeiten gegenüber dem FC Bayern München, Eintracht Frankfurt und weiteren Unternehmen.

Die größten Ansprüche hält zwar Ismaik, seine Darlehen gelten im Insolvenzverfahren jedoch als nachrangig. Das bedeutet, dass zunächst andere Gläubiger bedient würden, bevor mögliche Forderungen des Mehrheitsgesellschafters berücksichtigt werden könnten. Wie hoch die Rückzahlungen an die Gläubiger letztlich ausfallen werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Der "Bild" zufolge wird allerdings damit gerechnet, dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Forderungen beglichen werden kann.

Viele Auswirkungen noch offen

Auch für Mitarbeiter und Spieler hat die Insolvenz unmittelbare Folgen. Für Beschäftigte der Gesellschaft könnte unter bestimmten Voraussetzungen Insolvenzgeld greifen, das für einen begrenzten Zeitraum von der Bundesagentur für Arbeit übernommen wird. Welche Auswirkungen das Verfahren auf die bestehenden Spielerverträge haben wird, hängt dagegen von den weiteren Entscheidungen des Insolvenzverwalters sowie von den Plänen rund um die neue Spielbetriebsgesellschaft ab.

Offen bleibt zudem, welchen Weg der Insolvenzverwalter einschlagen wird. Denkbar wäre ein Sanierungskonzept mit neuen Investoren oder weiteren Finanzierungspartnern. Nach Angaben der "Abendzeitung" ist auch nicht ausgeschlossen, dass der TSV 1860 e.V. in den kommenden Verhandlungen versucht, die KGaA zu übernehmen. Das Spielrecht liegt nach der Kündigung des Kooperationsvertrags inzwischen wieder beim Stammverein.

Ismaik kündigt "rechtliche Aufarbeitung" an

Sollte sich jedoch keine tragfähige Lösung finden lassen, droht am Ende die vollständige Liquidation der KGaA. In diesem Fall würde die Gesellschaft nach Abschluss des Verfahrens aufgelöst und aus dem Handelsregister gelöscht werden. Gleichzeitig zeichnet sich bereits weiterer juristischer Streit ab. So hat Hasan Ismaik eine "vollständige und transparente rechtliche Aufarbeitung" der Entwicklungen angekündigt. Demnach könnte die Investorenseite auch gegen den vom Verein geplanten Neustart mit einer neuen Spielbetriebsgesellschaft vorgehen.

Unabhängig von den Entwicklungen rund um die KGaA treiben die Münchner ihren sportlichen Neustart bereits voran. Die Mannschaft von Trainer Alper Kayabunar hat die Vorbereitung auf die kommende Regionalliga-Saison aufgenommen und absolvierte zuletzt ihr erstes Testspiel. Perspektivisch soll der Spielbetrieb über eine neue Gesellschaft organisiert werden, deren Gründung die Mitglieder auf der jüngsten Versammlung bereits grundsätzlich beschlossen haben. Die Zeit drängt allerdings: Schon in vier Wochen steht der 1. Spieltag an.

   

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