21. März 2018 um 08:39 Uhr

Beschäftigt sich der Chemnitzer FC mit einer Insolvenz?

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© imago/Picture Point

Sportlich hat der Chemnitzer FC am Samstag die Chance, mit einem Sieg in Lotte den Rückstand zum rettenden Ufer auf einen Punkt zu verkürzen. Finanziell müssen die Himmelblauen jedoch weiterhin kämpfen, sodass hinter den Kulissen offenbar auch an eine Insolvenz gedacht wird.

Insolvenz intern ein Thema

Doch wie konkret ist das Thema? "Die Beantwortung bedarf einer Abstimmung zwischen den Mitgliedern der Gremien, welche erst noch stattfindet", sagt Vorstandsmitglied Thomas Uhlig der "Bild". Klingt so, als hätten sich die Verantwortlichen mit einem möglichen Insolvenzantrag durchaus schon beschäftigt. Dazu passt auch die Aussage von Sportvorstand Steffen Ziffert im  Programmheft vor dem vergangenen Spiel gegen Werder Bremen II: "Wir sind nicht so blauäugig und müssen uns deshalb mit allen möglichen Situationen, die eintreffen können, beschäftigen und auseinandersetzen." Nach Angaben der "Bild" soll der Chemnitzer FC bereits einen Anwalt beauftragt haben, der die Möglichkeit eines Insolvenzantrages prüft. Schon im vergangenen Jahr hing die Lizenz zwischenzeitlich am seidenden Faden.

Momentan unrealistisch

Dennoch hält die Zeitung den Gang in die Insolvenz momentan für unrealistisch, da der CFC über "zu viele finanzielle Mittel" verfüge. Gemeint ist etwa eine beim DFB hinterlegte Liquiditätsreserve in Höhe von 500.000 Euro, die jederzeit abgerufen werden könne. Hinzukommen demnach auch 327.000 Euro aus TV- und Sponsoreneinnahmen. Auch die sportliche Situation dürfte eine Rolle in den Überlegungen spielen. Denn solange der CFC noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt hat, werden die Himmelblauen wohl kaum Insolvenz anmelden. Doch sollte Chemnitz am Samstag in Lotte verlieren und in den Spielen danach das rettende Ufer bereits aus den Augen verlieren, scheint es nicht ausgeschlossen, dass das Thema in Kürze konkreter werden könnte.

Abstieg bei Insolvenzantrag praktisch besiegelt

Klar ist: Meldet der Chemnitzer FC bis zum Saisonende Insolvenz an, würde dies mit einem Abzug von neun Punkten in der laufenden Serie einhergehen. Damit wäre der Abstieg in die 4. Liga praktisch besiegelt, allerdings hätten sich die Himmelblauen nach erfolgreichem Durchlaufen des Insolvenzverfahrens aller finanzieller Sorgen vorerst erledigt und könnten sich in der Regionalliga neu aufstellen – ähnlich wie es Rot-Weiß Erfurt forciert. Doch zunächst liegt der Fokus der Chemnitzer FC auf dem wichtigen Auswärtsspiel bei den Sportfreunden Lotte. Es wird eine richtungsweisende Partie – sportlich wie finanziell.

 
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  • Peter Lustig

    Der Pleitegeier der 3.Liga holt sich einen nach dem anderen…

    • DM von 1907

      Nein, viele Vereine wirtschaften einfach nicht solide, leben andauernd über ihre Verhältnisse. Und dann kommt irgendwann die Quittung …

      • Daniel M.

        Das ist nur die halbe Wahrheit. Um mit potenteren Vereinen überhaupt ansatzweise mithalten zu können, müssen mittelfristig finanzielle Risiken eingegangen werden. Das Problem ist strukturell bedingt. Ein Drittligist hat lediglich 10% der Fernseheinnahmen, die ein Zweitligist aufweist. Die Schere ist viel zu riesig. Von der Bundesliga brauchen wir da überhaupt nicht zu sprechen.
        Gelder müssen anders verteilt werden. Punkt.

      • Sterneneisen

        Die Struktur kann aber nichts dafür, dass viele Vereine viel zu hohe Gehälter zahlen, die nicht mit dem Zuschaueraufkommen abgedeckt sind. Das hat wenig mit den TV-Geldern zu tun. Man weiß vorher, welches Zuschaueraufkommen realistisch ist und wie hoch die TV-Gelder sind, und trotzdem gibt es Vereine, die sich weiter verschulden (KSC, SCP usw.) Wenn diese Gelder steigen, passiert das, was immer passiert (aktuelles Beispiel: die BPL): Das Geld fließt fast 1-zu-1 in den Etat der 1. Mannschaft – sprich, die Gehälter & Ablösen steigen. Ausnahmen sind hierbei z. B. Aufsteiger, die sich damit kurzfristig ihre Infrastruktur erweitern, aber langfristig eben doch die Gehälter anpassen.
        Die "wenigen" Einnahmen durchs Fernsehen sind lediglich relevant für Absteiger, da diese deutlich höhere Ausgaben haben, allerdings gibt es dafür den (durchaus streitbaren) "Auffangschirm" bei Abstieg aus der 2. Liga.

        Viel mehr sollten die Vereine aufhören, sich so aggressiv überbieten zu wollen beim Feilschen um Gehälter. Oder eben das Risiko tragen und sich nicht beschweren, wenn alles krachen geht. Die Zeit des blinden Mittragens, solange bis der eigene Verein betroffen ist, sollte so langsam mal vorbei sein.

      • Ru Runner

        Genau so ist es. Ich kann die Jammerei nicht mehr hören, dass es "mehr Geld" geben muss. Ein Frahn verdient in Chemnitz 5-stellig, dann muss man sich eben nicht wundern wenn das Geld irgendwann zur Neige geht.

      • BillySastard

        Ganz genau. Zudem sind die Anforderungen vom DFB an die Vereine, was die Infrastruktur betrifft, zu hoch. Jeder Verein sollte das schon selbst entscheiden können. Ich finds lustig, dass Magdeburg in einigen anderen Beiträgen immer als positives Beispiel angebracht wird. Aber nicht jeder Verein hat nen Zuschauerschnitt von 17K und kann sein Stadion zumindest kostendeckend betreiben.
        Mit Emden fing alles an (Rückzug ohne Insolvenz) und die Liste wird länger und länger werden…

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