14. Februar 2017 um 18:12 Uhr

VfR Aalen stellt Insolvenzantrag – Neun-Punkte-Abzug droht

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© imago/HochZwei

Paukenschlag beim VfR Aalen! Um sich von Schuldenaltlasten aus früheren Zeiten zu befreien, hat der VfR am Dienstag einen Insolvenzantrag gestellt. Der laufende Spielbetrieb und die Lizenz für die neue Spielzeit sollen dadurch zwar nicht gefährdet sein, jedoch droht in der aktuellen Saison ein Abzug von neun Punkten. Damit würde der Verein von der Ostalb nach aktuellem Stand auf einen Abstiegsplatz zurückfallen.

"Werden durch die Summe der Altlasten erdrückt"

Mit dem Insolvenzantrag zieht der VfR die Notbremse. Dass es dazu kommen musste, liege maßgeblich im Wegbrechen der beiden Hauptsponsoren Imtech und Scholz zum Ende der Saison 2012/2013 begründet, heißt es in einer Mitteilung der Aalener. "Seit Jahren kämpft der VfR Aalen mit defizitären Haushalten. Auch schon in der Zeit der 2. Liga gelang es den damals Verantwortlichen nicht, dem Prinzip ‚Bürgschaft und Kredite’ ein Ende zu setzen", so Präsidiumssprecher Roland Vogt. Insgesamt drückt den VfR ein Schuldenberg von 3,6 Millionen Euro. Darüber hinaus seien die Gelder für die Rechte am Stadionnamen an die Schuldentilgung gebunden, sodass dieser Betrag nicht im laufenden operativen Bereich zur Verfügung steht. "Des Weiteren kämpft der Verein mit nachteiligen vertraglichen Vereinbarungen aus den Zweitligazeiten und sieht sich seit neuestem auch mit einer drohenden Steuerrückzahlung in Höhe von bis zu 500.000 Euro konfrontiert, die aus der Zeit von 2008 bis 2012 herrührt." Diese drohende Steuerrückzahlung habe das Fass laut Roland Vogt zum Überlaufen gebracht: "Wir werden durch die Summe der Altlasten und deren Folgen endgültig erdrückt. Letztlich kann sich der VfR Aalen aus eigener Kraft aus dieser Schuldenlast nicht mehr befreien."

Abzug von neun Punkten droht

Über ein geordnetes Planinsolvenzverfahren will sich der VfR nun nicht nur von den Altlasten befreien, sondern sich auch die Namensrechte am Stadion "und damit die Luft zum finanziellen Atmen" zurückholen. Das Ziel laute, das Fundament des VfR Aalen zukunftsfähig zu machen. So sehe es der Insolvenzplan des Münchener Rechtsanwalts Prof. Dr. Georg Streit vor. Während des laufenden Planinsolvenzverfahrens sollen alle Gehälter für Spieler und Mitarbeiter weiter gezahlt werden. Allerdings sieht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach Paragraf 6 der Spielordnung den Abzug von neun Punkten vor. Nur in besonderen Ausnahmefällen könnte von diesem Punktabzug abgesehen werden, beispielsweise wenn gegen den Hauptsponsor zuvor ein Insolvenzverfahren eröffnet worden ist, teilte der DFB mit. Weitere Konsequenzen über einen Punktabzug hinaus seien laut dem DFB nicht vorgesehen. Mit Blick auf die aktuelle Tabelle würde Aalen bei einem Abzug von neun Punkten auf Platz 18 und damit auf einen Abstiegsrang zurückfallen. Der VfR hofft aber, den drohenden Punktabzug zu reduzieren: "Wenn wir aktiv die Dinge angehen, für Transparenz auch hinsichtlich der bisherigen beiden Hauptsponsoren sorgen und unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch Plansanierung darlegen, kann sich die Punktestrafe reduzieren", zeigt sich Rechtsanwalt Prof. Dr. Streit zuversichtlich. Wann der mögliche Punktabzug verhängt werden könnte, steht noch nicht fest.

Liquidität bis Saisonende gesichert

Für Peter Frymuth, der als DFB-Vizepräsident für die 3. Liga zuständig ist, passt der Insolvenz-Antrag des VfR Aalen "leider nicht zur positiven Entwicklung der 3. Liga." Der VfR habe in den Gesprächen mit dem DFB aber auch deutlich gemacht, "dass er sich in der 3. Liga aktuell auf einem sehr positiven Weg sieht, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich." Die Liquidität des VfR, das entscheidendes Kriterium für die Zulassung zur 3. Liga, sei nach DFB-Angaben bis zum 30. Juni 2017 gesichert. Der laufende Spielbetrieb soll durch die Plansanierung nicht gefährdet werden, teilte der VfR Aalen mit. Allerdings würde der Punktabzug für eine Verzerrung der Tabelle sorgen. Steigt Aalen aufgrund des Punktabzugs am Saisonende ab, würde ein anderer Verein, der den Klassenerhalt sportlich möglicherweise nicht geschafft hätte, in der 3. Liga verbleiben.

 

 
  • Thomas Horstmann

    …über die Verhältnisse gelegt bzw. investiert. Diese Clubs…und es gibt einige.. verzerren den fairen Wettbewerb.

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