Strittige Szenen am 8. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die nicht gegebenen Elfmeter für Saarbrücken (2), Fortuna Köln, Ingolstadt und Mannheim, der Elfmeter für Wiesbaden, das 1:0 von Wiesbaden, ein Bodycheck von Kühlwetter, das 1:2 von Duisburg, ein Foulspiel von Bouebari. Am 8. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 56-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.

Szene 1: Bei einer Ecke spielt David Haider (Köln) den Ball im Strafraum mit der Hand. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Felix Grund. [TV-Bilder – ab Minute 22:15]

Babak Rafati: Haider klärt den Ball nach einer Ecke zunächst mit dem Kopf und köpft dabei seinen Mitspieler an, der in seiner unmittelbaren Nähe steht und von da aus bekommt er den Ball an die Hand. Dieses Handspiel ist allerdings unabsichtlich und passiert in der Vorwärtsbewegung, auch weil es einen Kontakt in seinem Rücken mit dem Angreifer gibt, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 2: Im Strafraum berührt Seymour Fünger (Köln) den Ball am Boden liegend nach einem Schuss von Alexander Staff (Saarbrücken) mit dem Arm, erneut pfeift Grund nicht. [TV-Bilder – ab Minute 45:10]

Babak Rafati: Fünger stützt sich beim Abwehrversuch zunächst mit dem Arm am Boden ab und bekommt den Ball anschließend an den Arm. Dieses Handspiel ist erneut unabsichtlich, zumal er beim Kontakt mit dem Ball auch noch versucht, den Arm wegzuziehen. In dieser Szene erneut keinen Elfmeter zu pfeifen, ist daher eine richtige Entscheidung.

Szene 3: Nach einem Schuss von Cedric Harenbrock (Köln) bekommt Siemen Voet (Saarbrücken) den Ball an den Oberarm, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 1:55]

Babak Rafati: Beim Schuss von Harenbrock bekommt Voet den Ball an den Arm, der allerdings angelegt ist. Voet versucht sogar, den Arm noch wegzuziehen was ihm aber aufgrund des scharf geschossenen Balles nicht mehr gelingt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 4: Christian Kühlwetter (Saarbrücken) checkt seinen Gegenspieler Tom Geerkens (Köln) abseits des Balls um, Grund belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 3:20]

Babak Rafati: Dieses absichtliche Checken von Kühlwetter geschieht außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichtergespanns, und der Ball befindet sich mehrere Meter weiter entfernt, sodass dieses Checken vollkommen unnötig ist. Zudem ist das Checken gegen Geerkens derartig dynamisch, sodass wenn der Schiedsrichter diese Szene gesehen hätte, er mit großer Wahrscheinlichkeit die rote Karte gegen Kühlwetter gegeben hätte. Womöglich wurde hier auf Verdacht die gelbe Karte gezeigt. Eine Fehlentscheidung, keine rote Karte zu zeigen.

 

Szene 5: Im Strafraum geht Nishan Velupillay (Ingolstadt) im Duell mit Ben Nink (Wiesbaden) zu Boden und fordert einen Elfmeter, den Schiedsrichterin Davina Lutz jedoch nicht gibt. [TV-Bilder – ab Minute 24:30]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Strafraum will Nink den Ball spielen, verpasst das Spielgerät aber, trifft stattdessen Velupillay am rechten Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Das ist ein Foulspiel, das einen Elfmeter nach sich hätte ziehen müssen. Zudem hätte es die gelbe Karte gegen Nink geben müssen, da eine sehr gute Torchance vorliegt, das Foulspiel aber im Kampf um den Ball passiert. Eine Fehlentscheidung, diesen Elfmeter nicht zu geben.

Szene 6: Im Strafraum bekommt Jonas Scholz (Ingolstadt) den Ball den Arm, Lutz gibt Strafstoß für Wiesbaden. [TV-Bilder – ab Minute 0:20]

Babak Rafati: Scholz führt im Strafraum den Arm aktiv zum Ball und stoppt dann das Spielgerät mit diesem Arm. Das ist keine natürliche Körperhaltung, vielmehr ein absichtliches Handspiel, sodass eine richtige Entscheidung vorliegt, auf Elfmeter zu entscheiden.

Szene 7: Nach einem Kopfball von Florian Hübner (Wiesbaden) rollt der Ball womöglich knapp hinter die Linie, die Schiedsrichterin entscheidet auf Tor. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Ob der Ball vollständig die Torlinie überquert hat oder nicht, ist anhand der vorliegenden TV-Bilder nicht zweifelsfrei aufzulösen. Selbst aus der Hintertorkamera liegt kein verlässlicher Beweis vor. Die beste Sicht hat der Assistent, der unmittelbar auf der Torlinie positioniert ist und sehr fokussiert und konzentriert wirkt und zudem freie Sicht hat, sodass er am besten beurteilen kann, ob der Ball drin ist oder nicht.

 

Szene 8: Franci Bouebari (Essen) geht rustikal in einen Zweikampf mit Romario Rösch (Münster), Schiedsrichter Felix Bickel belässt es bei Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 2:50]

Babak Rafati: Bouebari will bei diesem Zweikampf sicherlich den Ball spielen, kommt aber einen Moment zu spät, verfehlt das Spielgerät und trifft stattdessen Rösch im Bereich des Sprunggelenks. Das ist ein Foulspiel, das die Gefährdung der Gesundheit des Gegenspielers billigend in Kauf nimmt. Bei diesem Trefferbild und der vorliegenden Dynamik kann es nur die rote Karte geben. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, lediglich die gelbe Karte zu zeigen.

 

Szene 9: Bei einem Eckball geht Peter Remmert (Duisburg) zum Spielgerät und bekommt es dabei den Arm. Anschließend bringt er den Ball im Tor unter. Schiedsrichter Leonidas Exuzidis gibt den Treffer. [TV-Bilder – ab Minute 50:20]

Babak Rafati: Nach einer Ecke kommt es zu einem Gewühl, dabei springt der Ball an den Arm von Remmert, der anschließend das Spielgerät im Tor unterbringt. Auch wenn es sich nicht um ein absichtliches Handspiel handelt, ist das Tor irregulär, weil die sogenannte Unmittelbarkeit vorliegt. Das bedeutet, immer wenn ein Spieler den Ball unabsichtlich mit der Hand oder dem Arm spielt und unmittelbar danach einen Treffer erzielt, wird dieses Handspiel strafbar. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, diesen Treffer anzuerkennen.

 

Szene 10: Einen Schuss von Julian Rieckmann (Mannheim) bekommt Fabian Eisele (Großaspach) im Strafraum an den Arm, Schiedsrichter Maximilian Lotz pfeift nicht. [TV-Bilder – ab Minute 21:30]

Babak Rafati: Nach einem Schuss von Rieckmann bekommt Eisele den Ball an den Arm, allerdings ist dieser angelegt und Eisele versucht sogar, den Arm wegzuziehen. Auch wenn ihm das nicht gelingt und er den Ball dennoch an den Arm bekommt, liegt keine Absicht vor, sodass es eine richtige Entscheidung ist, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben

 

 

Weiterlesen: Wer am häufigsten benachteiligt wurde

   

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