Schleusener im Interview: "Gezeigt, welche Qualität wir haben"

Fabian Schleusener hat mit seinem Wechsel zu Fortuna Düsseldorf etwas Neues gewagt: Erstmals in seiner Profikarriere spielt der gebürtige Freiburger für einen Klub abseits des deutschen Fußball-Südwestens. Im Interview mit liga3-online.de spricht er über den Transfer vom KSC zur Fortuna, seine Trainer und die Ergebnis-Wende in Düsseldorf.

"Eine enorme Strahlkraft für mich"

liga3-online.de: Herr Schleusener, bei einem Klub am Rhein zu spielen, ist für Sie nicht neu, aber außerhalb der Region Südwest unter Vertrag zu stehen, dagegen schon. Wie fühlt es sich an in Düsseldorf, also fernab der Heimat?

Fabian Schleusener: Ich war ja schon in Frankfurt und in Nürnberg (Leihe beim FSV Frankfurt, 2016/2017 und 2019 bis 2021 beim 1. FC Nürnberg, d. Red.), aber weg aus dem Süden Deutschlands zu sein, ist etwas Besonderes für mich. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und bin sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.

Welche Gründe waren ausschlaggebend für den Wechsel? Sie haben laut "Angebote aus höheren Ligen" abgelehnt, um mit der Fortuna die Mission Wiederaufstieg anzugehen… Welche Klubs waren das?

Das spielt tatsächlich keine Rolle, welche Vereine es waren, aber es waren andere Angebote da. Ich habe mich dann aber für die Fortuna entschieden. Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren sehr wertschätzend und positiv. Und der Verein hatte, gemeinsam mit seinen Fans, schon immer schon eine enorme Strahlkraft für mich.

Können Sie das konkretisieren?

Man sieht schon beim Thema Fans, was hier in der 3. Liga für eine Wucht entstanden ist! Diese Symbiose aus Mannschaft und Fans, also da sehe ich uns auf einem sehr, sehr guten Weg.

Es ist schon eine Weile her, dass Sie mit der 3. Liga Berührungspunkte hatten, 2017/2018 spielten sie mit dem Karlsruher SC in der dritten deutschen Profi-Liga und landeten auf Rang drei. Nur sieben Klubs, die damals schon dabei waren, spielen auch heute in der 3. Liga. Wie sehr fühlt sich das nach einem anderen Zeitalter an?  

Es hat sich viel getan, die Fluktuation ist sehr hoch. Ich habe die Vereine gar nicht mehr auf dem Schirm, die schon 2017/2018 dabei waren. Aber gefühlt sind viele Klubs eine oder zwei Ligen höher anzusiedeln. Die 3. Liga ist gut und sie ist sehr ausgeglichen, die Qualität ist sehr hoch und es macht auf jeden Fall viel Spaß, in dieser Liga zu spielen.

 

"Die Arbeit mit Christian Streich hat mich geprägt"

Sprechen wir mal über Ihren bekanntesten Trainer, Christian Streich, mit dem Sie 2015/2016 als damals noch U23-Spieler in Freiburg gespielt haben. Was macht den Charakter Christian Streich aus und was haben Sie von der Zusammenarbeit mit ihm mitgenommen?

Zum einen war er ein Trainer, der mich sehr geprägt hat, unabhängig davon, wie lange ich mit ihm gearbeitet habe. Zum anderen: Er ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, als Trainer und auch als Mensch. Einer, der immer schon über den Tellerrand hinausgeschaut. Er hat mir etwas mitgegeben…

Was war das genau…?

Er sagte, wenn ich dauerhaft fußfassen möchte, muss ich taktisch dazulernen, weil ich nie ein NLZ von innen gesehen haben. Ich habe daraufhin versucht, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln, und das ist etwas, was geblieben ist. Ich glaube, dass ich nicht umsonst so viele Zweitliga-Spiele und Tore machen durfte…

Bei Fortuna gehörten Sie zu den Spielern, die nach dem großen personellen Umbruch ins Team kamen, haben mit dem Klub einen klassischen Stolperstart erwischt und selbst auch einen.

Zum ersten Teil der Frage: Ich glaube, dass es jedem bewusst war, dass es nicht einfach wird. Es war klar, dass wir nicht in die 3. Liga reingehen und jedes Spiel gewinnen. Es war, wie Sie es angesprochen haben, ein Umbruch und die Mannschaft musste erst zusammenfinden. Wir haben Spiele gezeigt, in denen man gesehen hat, wo es hingehen soll und wir hatten natürlich auch Rückschläge zu verkraften. Man darf nicht vergessen, dass Spiele gegen Fortuna Düsseldorf auch und gerade in der 3. Liga für die Gegner immer etwas Besonderes sind.

Nach zwei Niederlagen und dem Aus im DFB-Pokal folgten zehn Punkte aus den nächsten fünf Drittliga-Spielen, wobei die Fortuna gefühlt sehr minimalistisch gespielt und die Punkte mit sechs eigenen Toren geholt hat. Hat dabei auch Trainer Alexander Ende ein wenig mit seiner offensiven Spielweise gebrochen?

Ganz und gar nicht! Ich glaube, dass unser Spiel sehr offensiv ausgelegt ist. Es ist grundsätzlich positiv, wenig Gegentore zu bekommen. Die 3. Liga ist zu stark, als dass man jedes Spiel 4:0 gewinnen kann.  Wir wissen, dass wir das ein oder andere Tor hätten mehr erzielen können, dass wir noch zielstrebiger nach vorn spielen müssen und uns noch mehr Chancen erarbeiten müssen. Da sehe ich uns allerdings sehr, sehr gut eingestellt.

 

"Es gibt nichts Schöneres"

Anders gefragt: Muss man manchmal weg von eingefahrenen Spielweisen, um wieder Erfolg zu haben?

Grundsätzlich: Wir haben unsere Prinzipien, wir sind auf diese Spielweise mit Raute gar nicht so festgelegt. Wir haben einen Rahmen, aber innerhalb dieses Rahmens sehr viele Freiheiten. Am Ende des Tages müssen die elf Spieler, die auf dem Platz sind, ihre Entscheidungen selbst treffen. Da lässt uns das Trainerteam alle notwendigen Freiheiten.

Was war in dieser ersten Saisonphase außerdem noch entscheidend?

Wir haben in vielen Spielen gezeigt, welche Qualität wir haben. Das Credo muss aber immer sein, so wenige Gegentore wie möglich zu bekommen. Wir haben die Länderspielpause genutzt, um weiter an diesen Punkten zu feilen und uns weiter gut auf die kommenden Aufgaben einzustellen.

Gutes Stichwort! Im Oktober wartet auf Sie und die Fortuna nun eine weitere Englische Woche mit den Spielen gegen Verl, Münster und Saarbrücken. Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in diese Spiele und können Sie für diese Partien eine Prognose abgeben?

Die Zielsetzung ist für mich ganz klar: Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Es geht immer darum, das Maximale herauszuholen. Man will als Sportler immer gewinnen, vor allem auch in den Liga-Spielen. In der Englischen Woche vor der Länderspielpause haben wir gezeigt, dass wir die Qualität haben, um aus diesen Spielen eine Menge rauszuholen (mit 2:1-Siegen gegen MSV Duisburg und in Regensburg, d. Red.), wir haben nun drei Wochen Zeit gehabt um uns vorzubereiten, deswegen freue ich mich, dass es wieder los geht, dass wir wieder Spiele haben. Es gibt nichts Schöneres.

   

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