Offensiv lethargisch, Fans unruhig: Bei Münster steigt der Druck

Münsters Anhang hatte gehofft, dem von ihnen mit Enttäuschung und teils auch Häme verabschiedeten Ex-Trainer Alexander Ende gut sieben Monate später eine Lektion zu erteilen, ja vielleicht sogar seine Freistellung bei Fortuna Düsseldorf einleiten zu können. Doch es kam anders: Ende überzeugte mit seinem Team, der Sportclub zeigte einmal mehr seine wenig anschauliche Seite. Nach Spielende mischte sich daher erstmals Kritik in den ansonsten geschlossenen Rückhalt. Und auch Trainer Thomas Wörle steht allmählich unter Druck, Weiterentwicklungen anzubieten.

Unerklärliche Leistungseinbrüche verärgern das Publikum

"Wir reißen uns für Euch auf, aber ihr könnt nicht immer aufhören, Fußball zu spielen", tönte als Ansage durch die Lautsprecheranlage der Fiffi-Gerritzen-Kurve, als sich die Mannschaft nach Spielende zum Klatsch-Ritual vor den treuesten Fans versammelte. Von bröckelndem Zusammenhalt zu schreiben, wäre verfrüht und unangebracht. Aber es zeigte sich: Die Fans der Preußen haben Ansprüche. Ansprüche, die größer sind, als binnen zwölf Monaten im Preußenstadion nur genau ein Heimspiel gewinnen – ein glückliches 2:1 gegen Drittliga-Schlusslicht Havelse.

Da ist zum einen der tabellarische Trend, der immer weniger Interpretationsspielraum lässt: Preußen Münster ist nach dem vierten sieglosen Spiel in Folge – darunter drei Heimauftritte – zwar erst zaghaft auf den 9. Platz zurückgespült worden. Während die Abstiegsränge aber nur noch drei Zähler entfernt sind, ist der Rückstand auf die Top 3 bereits auf sechs Punkte angewachsen. In aktueller Verfassung sind Blicke nach oben ohnehin nicht zulässig: Der SCP kassierte gegen Düsseldorf die Gegentore 17 und 18 in der laufenden Saison. Mehr haben nur Regensburg, Würzburg und Havelse, die alle tief im Tabellenkeller stecken.

Wortwörtlich chancenlos vor dem Seitenwechsel

Zum anderen spricht auch das Umsetzen der eigenen Spielidee nicht für die Preußen. Am Mittwochabend gaben sie nur sechs Schussversuche auf das Düsseldorfer Tor ab, erspielten sich in den ersten 45 von Defensivarbeit geprägten Minuten nicht einen Torabschluss. Das 1:0 mit der ersten hochkarätigen Torchance zu erzielen, gelang ebenso bereits in den Partien gegen Ingolstadt, Havelse, Stuttgart, Saarbrücken und Essen: Effektivität können die Preußen also. Doch so haben selbst die passablen 16 geschossenen Treffer etwas Trügerisches an sich, denn sie deuten allenfalls auf Abschlussqualität hin, nicht auf überzeugende Offensivleistungen.

Im Duell gegen die Fortuna war die Darbietung vor dem Seitenwechsel ernüchternd, insbesondere für alle Fans, die nach dem energischen 3:3-Remis gegen Essen darauf gehofft hatten, das wahre Leistungspotenzial der Adlerträger beobachtet zu haben. Obgleich Düsseldorf zwei ganze Tage weniger zur Regeneration hatte, obwohl der SC Verl am Sonntag noch phasenweise Schwächen bei den Rheinländern aufzudecken wusste und Ex-Coach Alexander Ende bei der Rückkehr an die Hammer Straße mit dem Rücken zur Wand stand, fand Münster gegen die Spielidee ihres "Ex" kein Mittel. Das frühe F95-Pressing führte zu vielen technischen Fehlern, statt in sich öffnende Räume vorzudringen, wurde zurückgespielt. Mit langen Bällen und Eins-gegen-Eins-Duellen hatte die Düsseldorfer Abwehrreihe ganz anders als RWE fünf Abende zuvor überhaupt keine Probleme. Und damit war Preußen Münster aus dem Spiel genommen.

Verletzungsdilemma erschwert die Lage

Trainer Wörle sprach nach der Pause davon, in puncto Intensität "deutlich draufgepackt" zu haben, "voll im Spiel" angekommen zu sein. Was nicht erklärte, warum seine Elf immer ausgelaugter wirkte. Speziell die rechte Seite, bestehend aus Montell Ndikom und Romario Rösch, pumpte kräftig und wurde erst spät mit Auswechslungen erlöst, als das 1:1 schon gefallen war. Das zweite Gegentor wiederum war auf Profiniveau schwer zu erklären, als Eric Hottmann aus spitzem Winkel die Gelegenheit erhielt, ins leere Tor zu schieben – Verteidiger Antonio Tikvic hatte auf einen Querpass spekuliert, anstatt für seinen geschlagenen Torhüter Morten Behrens das kurze Eck abzudecken. "Da stellen wir uns nicht wirklich gut an", kritisierte Wörle, "das ist schon bitter."

Wenig Inspirierendes in der Offensive, entscheidende Abwehrfehler, viel zu viele Gegentore: Nicht nur das Stadion ist in Münster (noch) eine Baustelle. Dazu fehlt wie im Vorjahr aktuell die Kadertiefe: Am Mittwoch fehlten mit Kapitän Niko Koulis, Tim Dietrich, Simon Scherder, Luca Bolay, Marvin Schulz senior, Malik Batmaz, Oscar Vilhelmsson, Ryan Johansson und dem kurzfristig erkrankten Philipp Maier gleich neun Akteure, die in Bestform allesamt Anwärter auf oder sogar gesetzt in der Startformation wären. Viele der Genannten stecken in zähen Verletzungspausen und sind vor der Winterpause nicht mehr seriös einzukalkulieren.

In Großaspach unter Druck

Also auch nicht beim kommenden Auswärtsspiel in Großaspach (Samstag, 14 Uhr), bei dem der Druck allmählich wächst. Selbst das für gewöhnlich geduldige Umfeld in Münster tut sich schwer damit, Drittliga-Mittelmaß zu akzeptieren – und ein Misserfolg beim zuletzt sechsfach sieglosen Aufsteiger würde den SCP immer näher an das untere Tabellendrittel schieben.

   

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