Mink im Interview: "Lassen uns nicht von Stimmungen treiben"
Ein Schwarzwälder, der in den früheren Arbeitervierteln der Kölner Südstadt zur Ikone wurde: Matthias Mink führte den SC Fortuna Köln in zwei Amtszeiten zu drei Aufstiegen und feierte unlängst sein Jubiläum für 250 Pflichtspiele an der Seitenlinie der Südstädter. Im Interview mit liga3-online.de spricht der 59-Jährige über die Diskrepanz zwischen stabiler Defensive und dem Tabellenplatz, Ladehemmungen beim Offensiv-Trio der Aufstiegssaison und mögliche Verstärkungen in der Winterpause.
"Wissen genau, was wir verbessern müssen"
liga3-online.de: Herr Mink, nach elf Spieltagen die beste Abwehr der 3. Liga zu stellen, hätten Sie vor der Saison sicherlich blind unterschrieben. Mit-Aufsteiger Großaspach hat wiederum 25 Gegentore kassiert und liegt drei Plätze besser. Das passt nicht zusammen, oder?
Matthias Mink: Sie sagen es. Mit unserer Punkteausbeute und dem Tabellenplatz sind wir nach elf Spieltagen natürlich nicht zufrieden. Aber wir schauen immer nur auf das nächste Spiel und wollen Punkte sammeln. Unser gemeinsames Ziel ist der Klassenerhalt, und den wollen wir spätestens am 38. Spieltag geschafft haben. Alles andere sind Momentaufnahmen.
Statistisch und mittelfristig gedacht, schaffen die Aufsteiger mit weniger Gegentoren meist den Klassenerhalt. Ist die Diskrepanz aus der defensiven Stabilität und dem Tabellenplatz (19) eine der größten Kuriositäten, die Sie in Ihrer Trainerkarriere erlebt haben?
Persönlich würde ich dieser Statistik nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Es liegen noch viele Spiele vor uns.
Zerren Niederlagen wie in Münster (0:1), wo die Fortuna phasenweise dominierte und das Heim-Publikum gar zu Pfiffen gegen das eigene Team bewegte, das Stimmungsbild mehr nach unten als eine klare Niederlage?
Jede Niederlage schmerzt uns, egal wie sie auch zustande gekommen ist. Wir lassen uns jedoch von Stimmungen nicht treiben. Im Gegenteil: Wir wissen genau, was wir verbessern müssen, und arbeiten daran.
Während der Serie von nunmehr 360 torlosen Minuten verzweifelt das Team mal an sich selbst (Münster), mal an Pfosten oder Latte (Stuttgart II) und teils auch am Schiedsrichter. Spricht das in erster Linie für ein Kopf-Problem?
Uns ist klar: Wenn wir Spiele gewinnen wollen, müssen wir vor dem Tor effektiver werden. Deshalb gehen wir die nächsten Aufgaben weiter mit voller Energie und großer Beharrlichkeit an. An uns selbst zweifeln wir nicht.
Die gleiche Offensive um Enzo Wirtz, Timo Bornemann und Hamadi Al Ghaddioui ballerte die Fortuna in der vorherigen Saison mit 36 Treffern zum Aufstieg. Wen aus diesem Trio müssen Sie gerade am meisten aufbauen?
Keinen. Alle drei haben schon getroffen – und werden das sicherlich auch in den nächsten Spielen wieder erfolgreich sein. Wir bleiben da sehr optimistisch.
"Bisher waren alle Spiele sehr eng"
Taktisch reagierten Sie zuletzt mit der Umstellung auf eine Grundformation, wo Wirtz und Bornemann mit Romeo Aigbekaen einen Dreiersturm bildeten. Wird das die Marschrichtung für die nächsten Wochen sein – unabhängig ob der Gegner Würzburg oder Mannheim heißt?
Das wird sich zeigen. Wir haben einen breiten Kader und deshalb taktisch immer wieder Möglichkeiten, gegnerbezogen auch Veränderungen in der Formation sowie der Herangehensweise vorzunehmen.
Die vier Aufsteiger liegen zwischen den Plätzen 13 und 19 lediglich vier Punkte auseinander. Welche Bedeutung messen Sie im Kampf um den Klassenerhalt den direkten Duellen – am Sonntag gastiert Würzburg im Südstadion – zu?
Bisher waren alle Spiele sehr eng. Die 3. Liga hat das bekannte Image, wonach wirklich jeder jeden schlagen kann, bestätigt. Deshalb zählt für uns jedes einzelne Spiel.
Insofern bis zur Winterpause nicht der offensive Knoten platzen sollte: Gibt es der Etat der Fortuna her, in der Winterpause nochmal nachzulegen? Falls ja: Welches Anforderungsprofil müsste dieser Spieler mitbringen?
Wir sind ein kleiner Verein und stehen deshalb im täglichen Austausch. Wir werden sehen, was sich in den nächsten Wochen ergibt.
Als Trainer und Sportlicher Leiter in Doppelfunktion sind die Entscheidungswege grundsätzlich kürzer. Gleichzeitig gibt es den langjährigen Kaderplaner Pascal Lammerich. Wer hat bei Transfer-Entscheidungen das letzte Wort?
Niemand allein. Personalentscheidungen treffen wir grundsätzlich gemeinsam.
Felix Magath hat diese Doppelrolle in der Bundesliga berühmt gemacht. In der 3. Liga fährt – neben der Fortuna – nur der TSV Havelse mit Samir Ferchichi dieses Modell. Gibt es Tage, an denen Sie die Doppelrolle zu viel Energie kostet?
Ich sehe mich als Teamplayer. Mit der Rolle von Felix Magath würde ich meine nicht vergleichen. Ich freue mich auf jeden Tag bei der Fortuna, und jetzt in der 3. Liga natürlich noch ein bisschen mehr.