Fanhilfe Saarbrücken kritisiert Polizeieinsatz gegen Mannheim
Die Fanhilfe Saarbrücken hat den Polizeieinsatz rund um das Heimspiel des 1. FC Saarbrücken gegen Waldhof Mannheim am Sonntag scharf kritisiert. In einer Stellungnahme spricht die Fanvereinigung von "unverhältnismäßigen Maßnahmen" und von einer "Einschränkung der Bewegungsfreiheit zahlreicher Heimfans".
Polizeipräsenz schon am Morgen
Insgesamt waren nach Angaben der Fanhilfe 650 Polizeikräfte im Einsatz. Teile davon hätten bereits in den frühen Morgenstunden sichtbar im Stadionumfeld Stellung bezogen, als sich noch kaum Fans in der Nähe befanden. Am Vormittag sei der Weg einiger FCS-Anhänger von der Innenstadt zum Stadion von einer deutlich zu großen Zahl an Einsatzkräften begleitet worden. Einzelne Beamte hätten dabei "übermotiviert und eskalativ" gehandelt und etwa Fans ohne Anlass geschubst. Nur das besonnene Verhalten der Betroffenen habe verhindert, dass sich die Lage weiter zuspitzte.
Im Stadion blieb es laut Fanhilfe überwiegend ruhig. Zum Problem sei erst der Heimweg geworden. Während im Bereich des Ludwigskreisels einzelne Personalienfeststellungen liefen, hätten viele unbeteiligte Fans erhebliche Mühe gehabt, in die Innenstadt zurückzukehren. Sie seien mehrfach gestoppt worden, hätten zeitweise nicht weitergehen dürfen und große Umwege nehmen müssen, bei unklarer Kommunikation und unter der Androhung weiterer Zwangsmaßnahmen. Viele von ihnen seien Saarbrücker gewesen, die nur nach Hause wollten. Nachvollziehbar wären solche Maßnahmen höchstens gewesen, wenn sich noch Mannheimer Anhänger auf dem Weg zum Bahnhof befunden hätten. Diese seien aber längst dort angekommen oder bereits abgereist.
Die Fanhilfe beschreibt den Abend als "reine Farce", wie sie bei Risikospielen in der Landeshauptstadt seit Jahren üblich sei. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit sei "fernab jeder Verhältnismäßigkeit" erfolgt. Neben der Camphauser Straße seien inzwischen auch Teile der Innenstadt für Heimfans bei Spielen mit vielen Gästeanhängern ein Reizthema. Fans verschiedener Gruppen hätten zudem von einem aggressiven Auftreten der Polizei an weiteren Stellen berichtet.
Kritik an Politik und Einsatzbegründung
Die Fanhilfe richtet ihre Kritik auch an die Politik. Der saarländische Innenminister habe das Vorgehen vor Ort erneut mitgetragen. Dass im Nachhinein von "wenigen Personalienfeststellungen" gesprochen werde, um den großen Einsatz bei einem ausverkauften Ludwigspark zu begründen, passe ins Bild. Der Fanhilfe zufolge beruht die starke Präsenz auf einer "pauschalen Verdächtigung von Fußballfans", die politisch und medial weiter geschürt werde. An anderen Standorten mit fünfstelligen Zuschauerzahlen sei Heimanhängern dagegen annähernd volle Bewegungsfreiheit garantiert.
Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um eine Polizeikostenumlage verlangt die Fanvereinigung einen verantwortungsvolleren Umgang mit öffentlichen Geldern, unabhängig von der endgültigen Regelung. Sie wehrt sich dagegen, Stadionbesucher gegen die übrigen Steuerzahler auszuspielen. Die Fanhilfe ruft alle FCS-Fans und Unterstützer auf, sich die Tage rund um das Heimspiel gegen Wiesbaden freizuhalten. Geplant ist eine Demonstration gegen die Polizeikostenumlage und das neue Polizeigesetz im Saarland, weitere Informationen sollen folgen.
Konkret fordert die Fanhilfe "eine angepasste Einsatzstrategie, die eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit für alle Fans garantiert". Sperrungen müssten verhältnismäßig und gerechtfertigt sein, auch bei Risikospielen. Man erwarte, dass Fußballfans ihre Grundrechte gleichermaßen nutzen können und "nicht pauschal kriminalisiert werden".