Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II erlebte Hansa Rostock am Mittwochabend eine Achterbahnfahrt der Gefühle und verspielte eine 2:0-Führung zunächst, belohnte sich aber mit dem späten Siegtreffer und feierte damit den ersten Heimsieg. Die Erleichterung war riesengroß.
"Wir lassen uns das Spiel so aus der Hand nehmen"
Einen letzten Angriff musste die Kogge noch überstehen, dann war er unter Dach und Fach, der erste Heimsieg in dieser Saison. Entsprechend groß war auch der Jubel auf den Rängen mit Abpfiff, nachdem Hansa eine 2:0-Führung nach Toren von Dajaku (23.) und Fatkic (50.) binnen elf Minuten zunächst aus der Hand gegeben hatte. Für die Erlösung sorgte dann Benno Dietze in der 88. Minute. Interimscoach Yannic Thiel wusste direkt nach Abpfiff gar nicht wohin mit seinen Emotionen. "Keine Ahnung, es ist brutal", sagte er im Interview mit "MagentaSport". Schließlich war die zweite Halbzeit nichts für schwache Nerven. "Das war einfach nicht gut von uns", hielt Thiel fest. "Wir lassen uns das Spiel so aus der Hand nehmen."
Entsprechend kündigte der 36-Jährige eine Aufarbeitung an, meinte aber angesichts des so wichtigen Last-Minute-Erfolgs: "Aktuell ist mir das völlig egal. Wir hatten auch schon ein paar Spiele hier, wo wir gut gespielt, aber die Tore nicht gemacht haben. Jetzt haben wir mal – auf Deutsch gesagt – 30 Minuten Scheiße gespielt, aber am Ende ist der Ball im Tor. Und das war heute das Wichtigste, dass wir mit drei Punkten den Sieg hier feiern können." Dieser fühle sich "richtig gut" an, schließlich seien die Umstände nach der Entlassung von Trainer Daniel Brinkmann am Tag vor dem Spiel nicht einfach gewesen. "Deswegen bin ich extrem froh."
"Es bedeutet mir unglaublich viel"
Auch für Dietze sei die Situation zuletzt nicht einfach gewesen. "Es ist ein Junge von hier und ein Spieler mit extremer Qualität. Der Junge hat so viel Potenzial, deshalb freut es mich extrem für ihn, dass er uns mit dem Tor den Sieg schenken konnte", so Thiel. Der Matchwinner selbst gab sich indes ganz bescheiden und zurückhaltend: "Es bedeutet mir unglaublich viel. Ein Tor zu machen, ist immer geil. Und dann zu gewinnen, natürlich noch geiler." Dass Hansa nach dem 2:0 den Faden verlor, machte der Mittelfeldspieler auch daran fest, dass der Kopf sich dann plötzlich gemeldet hat. "Das ist so ein Phänomen, das man im Fußball häufig sieht. Man führt, hört auf und lässt den Gegner kommen. Und das hat uns dann heute fast wieder gekillt."
Aber eben nur fast, weil Dietze in der 88. Minute nach einer Ecke genau richtig stand und Hansa mit dem insgesamt elften Tor nach einem Standard den ersten Heimsieg seit Anfang Mai bescherte. Auch damals hieß der Gegner Stuttgart II. Am Sonntag geht es zum Abschluss der Englischen Woche nach Essen. "Da wollen wir wieder mit Vollgas auf drei Punkte gehen", blickte Thiel voraus. Ob er dann nochmals als Interimscoach auf der Bank sitzen wird, ist noch offen. Doch erstmal zählt nun etwas anderes. "Wir genießen den Abend. Das haben wir uns nach den Tagen auch verdient."