Derby-Krawalle: Waldhof und Stadt kündigen Konsequenzen an

Nach den Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wollen der SV Waldhof Mannheim und die Stadt die Sicherheitsmaßnahmen im Carl-Benz-Stadion verbessern. Bei einer Sitzung des Sicherheitsausschusses am Dienstag standen die Vorfälle und mögliche Konsequenzen im Mittelpunkt. Der Verein kündigte strengere Kontrollen und neue Einlasssysteme an, die Stadt will das Sicherheitskonzept überarbeiten und die Stadiontechnik modernisieren. 

Waldhof will Kontrollen verschärfen

Wie konnte die große Menge an Pyrotechnik ins Stadion gelangen? Das ist eine der zentralen Fragen bei der Aufarbeitung der Krawalle. Wie Waldhofs Sicherheitsbeauftragter Max Meyer bei der Sitzung laut "Mannheim24" erläuterte, habe bereits vier Nächte vor der Partie eine achtköpfige Nachtwache das Stadion kontrolliert und mehrere Versuche verhindert, Pyrotechnik auf das Gelände zu bringen. Am Spieltag seien zudem Tribünen, Sanitäranlagen und weitere Bereiche mit Sprengstoffhunden durchsucht worden. Auch die Choreografien beider Fanlager habe man genau überprüft. Beim Einlass der Gästefans sei der reguläre Ablauf zeitweise unterbrochen worden, um zusätzliche Kontrollen zu ermöglichen.

Trotzdem gelangte eine erhebliche Menge Pyrotechnik ins Stadion. In den Toiletten wurden zahlreiche Kondome gefunden, über die Feuerwerkskörper offenbar eingeschleust worden waren. Dirk Herzbach, Leiter des städtischen Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, erklärte, dass der Sicherheitsdienst bestimmte Bereiche nicht kontrollieren dürfe. Auch bei den internen Kontrollen räumte Meyer Versäumnisse ein. Die Menge der gezündeten Pyrotechnik könne nicht ausschließlich am Körper ins Stadion gelangt sein. Deshalb müssten künftig auch Mitarbeiter und Zulieferer stärker kontrolliert werden. Diese Kontrollen seien beim Derby noch nicht wie vorgesehen umgesetzt worden. Für künftige Spiele kündigte Meyer eine konsequentere Überprüfung an.

Finanzgeschäftsführer Frank Baumgarte stellte weitere Maßnahmen in Aussicht. Beim Heimspiel gegen Fortuna Köln im November sollen Vereinzelungsanlagen und das Scannen von Eintrittskarten getestet werden. Anfang 2027 sollen die Anlagen an den Eingängen fest installiert werden. Einen Teil der zu erwartenden DFB-Geldstrafe könne der Verein für infrastrukturelle Verbesserungen verwenden. Auch bei der Genehmigung von Choreografien will Waldhof vorsichtiger werden. Vor dem Derby sei zugesichert worden, dass es bei der genehmigten Choreografie bleibe. "Dass man da belogen und betrogen wurde, hat sich im Nachgang herausgestellt", sagte Baumgarte. Identifizierte Täter müssten mit Stadionverboten rechnen.

Stadt plant weitere Änderungen

Im Sicherheitsausschuss wurde dem Bericht zufolge auch Kritik am Verein laut. Jürgen Dörr (CDU) sprach von einem "strukturellen Problem mit gewissen Fangruppen" und verwies auf den Imageschaden für Mannheim. Marianne Seitz (CDU) forderte laut "SWR" als Konsequenz sogar ein Spiel ohne Zuschauer. Chris Rihm (Grüne) bemängelte, dass aus früheren Vorfällen offenbar zu wenig gelernt worden sei. Er erinnerte an den Spielabbruch in der Relegation 2018 gegen den KFC Uerdingen.

Herzbach wies unterdessen den Eindruck zurück, Stadt, Verein und Sicherheitsbehörden seien unvorbereitet in das Derby gegangen. Allen Beteiligten sei nach der Auslosung die Bedeutung der Partie klar gewesen. Die Vorbereitungen liefen nach festen Standards und auf Grundlage früherer Erfahrungen. Zudem verwies er auf die Zusammenarbeit zwischen Verein, Fanprojekt und Sicherheitsbehörden. Die bestehenden Absprachen hätten allerdings nicht verhindern können, dass Pyrotechnik ins Stadion gelangte.

Bürgermeister Dr. Volker Proffen kündigte an, die Stadt werde die Stadionordnung überprüfen und gegebenenfalls neu aufstellen. Zudem müsse das Sicherheitskonzept "deutlich nachgearbeitet" werden. Auch bei den Einlasskontrollen bestehe Anpassungsbedarf. Die veraltete Videotechnik solle erneuert werden. Gleiches gelte für die Beschallungsanlage, damit sicherheitsrelevante Durchsagen künftig besser zu hören seien. Zudem müsse die Sicherheitsbeleuchtung bei Abendspielen verbessert werden.

23 Tatverdächtige identifiziert

Kritik gab es auch an möglichen Folgen für unbeteiligte Fans. Dörr sagte: "Mir tun die vielen tausend Fans von Waldhof Mannheim leid, die jetzt in Kollektiv-Haftung genommen werden." Damit verwies er auf die Gefahr, dass strengere Maßnahmen auch jene Anhänger treffen könnten, die sich nichts hätten zuschulden kommen lassen. Nach Angaben des "SWR" konnten bis zum 6. Oktober bereits 23 Tatverdächtige identifiziert werden. 18 weitere seien noch unbekannt, heißt es. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Polizeibeamten. Ihm werden versuchte gefährliche Körperverletzung im Amt und ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen.

Das Derby am 21. August, das Kaiserslautern mit 1:0 nach Verlängerung gewonnen hatte, war vor der Verlängerung beim Stand von 0:0 für 36 Minuten unterbrochen worden, nachdem aus dem Gästeblock mehrere Feuerwerkskörper sowie Raketen auf das Spielfeld und in Richtung benachbarter Tribünen geflogen waren. Daraufhin hatten Waldhof-Anhänger den Innenraum gestürmt. Die Polizei griff ein und brachte die Lage unter anderem mit Pfefferspray unter Kontrolle. 35 Polizeikräfte wurden leicht verletzt, weitere 85 Personen medizinisch versorgt. Acht Menschen mussten ins Krankenhaus.

   

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