Bonga im Interview: "Sind noch nicht dort, wo wir sein könnten"
Tarsis Bonga, der 1,96 Meter große deutsche Stürmer, älterer Bruder von Basketball-Welt- und Europameister Isaac Bonga, hat sich bei den Würzburger Kickers bestens eingelebt. Im liga3-online.de-Interview spricht Bonga über einen besonderen Aufstieg, seinen Rat an junge Spieler und seinen Glauben.
"Wir brauchen noch Zeit"
liga3-online.de: Herr Bonga, acht Tor-Beteiligungen in den ersten zehn Drittliga-Spielen für Würzburg, davon vier Tore aus den letzten fünf Partien: Was bedeutet Ihnen dieser Saisonstart?
Tarsis Bonga: Für die Mannschaft ist das okay, aber wir haben noch sehr, sehr viel zu tun, um einfach besser zu spielen – mit mehr Power und höherer Intensität. Persönlich ist es für mich auch in Ordnung, es kann immer noch mehr sein. Aber wenn es in der Mannschaft läuft, ist es auch für einen Stürmer einfacher, Chancen zu bekommen. Ich spiele seit ein paar Jahren als zentraler Stürmer (kann auch auf beiden Außenstürmer-Positionen eingesetzt werden; d. Red.) und ich danke Gott, dass es momentan so gut läuft.
Gegen Waldhof Mannheim (2:0) trugen Sie auch die Kapitänsbinde der Würzburger Kickers. Eine besondere Ehre für Sie?
Ja, zu 100 Prozent. Das ist immer eine Ehre, das ist Anerkennung, wenn du die Kapitänsbinde trägst und in den Spielen vorangeht. Das ist für mich der nächste Step, um zu lernen, ein Leader zu sein. Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit.
Die Würzburger Kickers sind nach vier Jahren wieder zurück in der 3. Liga, obwohl sie sportlich eigentlich gar nicht qualifiziert waren und anstelle der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg in die Aufstiegsspiele gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig gingen. Wie ordnen Sie diesen Aufstieg ein?
Ich schätze, dieser Aufstieg war verdient. Es war ein Segen Gottes war, dass wir diese Chance bekommen haben, gegen Lok Leipzig zu spielen. Wir haben diese Möglichkeit Gott sei dank genutzt.
Würzburg ist nach schwachem Start gut reingekommen, steht aber jetzt in der Tabelle über dem ominösen Strich. Inwieweit sehen Sie die Kickers schon in der 3. Liga angekommen und wo gibt es noch Verbesserungspotenzial?
Oh, es gibt noch einiges an Verbesserungspotenzial! Wir sind noch nicht dort, wo wir sein könnten. Die Qualität der Mannschaft wurde noch nicht voll ausgeschöpft. Das Gerüst ist da, aber es sind viele neue Spieler in die Startelf gerückt, es braucht Zeit, um das Konzept des Trainers umzusetzen.
Also alles nur eine Frage der Eingewöhnung?
Ja. Wir brauchen noch Zeit, weil in der 3. Liga auch jedes Spiel eng ist. Das ist noch eine Menge Arbeit.
"Gebe den jungen Spielern immer drei Dinge mit"
Ihr Trainer Michael Schiele hat gar nicht mal so sehr den Ligaerhalt als Saisonziel ausgegeben, sondern er will eine "sorgenfreie Saison spielen". Wie wollen Sie das schaffen?
Wir müssen es hinbekommen – und das ist nicht leicht – dass möglichst viele Spieler fit bleiben, das ist ein wichtiges Thema. Wenn ich an Daniel Hägele (Rippenbruch; d. Red.) oder Errol Zejnullahu (Muskelfaserriss; d. Red.) denke – das sind schon wichtige Spieler, die uns fehlen. Wir sind auf dem richtigen Weg, wir haben aber auch viele neue Spieler bekommen, die das Team noch kennenlernen müssen. Das geht nicht von heute auf morgen. Um eine gute Saison zu spielen brauchen wir Fitness, eine gewisse Intensität und eine geschlossene Mannschaft, eine Einheit.
Sie stehen in der 3. Liga vor Ihrem 100. Spiel. Was bedeutet diese Spielanzahl für Sie persönlich und was können Sie jüngeren Spielern im Team über die Liga an Erfahrungswerten mitgeben?
Perfekt, das wusste ich gar nicht (lacht). Aber es ist ein Privileg, Fußballer zu sein und dann noch auf so einem Level spielen zu dürfen. Natürlich bin ich ambitioniert und habe auch für mich noch Ziele. Ich gebe den jungen Spielern immer drei Dinge mit. Dass man fokussiert sein muss, dass man diszipliniert sein muss und dass man jeden Tag hart arbeiten muss. Ich lebe das mit meinen Sonderschichten auf dem Platz vor, und ich gebe den anderen Spielern diese Einstellung auch verbal mit.
Wie ist denn Ihre Ansprache?
Immer sehr direkt! Ich glaube, ich bin damit sehr gut gefahren in meinem Leben, dass ich sehr direkt bin und nicht um den heißen Brei herumrede. Ich glaube, dass das jedem einzelnen, der das annimmt, auch guttut.
Die 3. Liga kennen Sie auch aus Ihrer Zeit bei 1860 München, beim Halleschen FC und beim FSV Zwickau. Was ist in Würzburg anders als an diesen Drittliga-Standorten?
Ich glaube, bei 1860 München ist ein bisschen mehr los… (grinst). Aber sonst muss ich sagen, ist jeder Verein sehr individuell. Was ich sehr an Würzburg mag: Es ist eine sehr entspannte Stadt, meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl. In Zwickau war ich ein junger und ambitionierte Spieler, habe dort mit Spielern wie Ronny König (absolvierte mit 242 Partien die zweithöchste Spielanzahl in der 3. Liga für den FSV; d. Red.) gespielt. Würzburg versucht, eine familiäre Atmosphäre aufzubauen, das gefällt mir.
"Ich bin keiner, der Prognosen macht"
Welche Ihrer Profi-Stationen hat Sie als Spieler und als Mensch am meisten geprägt?
Alle. Es gibt keinen Verein, den ich besonders hervorheben könnte. Die Klubs, bei denen ich am wenigsten gespielt habe, haben mich am meisten geprägt. Für mich waren das aber auch gute Momente, um als Mensch und als Christ zu wachsen, Vertrauen zu haben in Gott, dass er einen Weg für mich findet. Jede Station hat ihre Lehre mit sich gebracht. Ich bin mit Halle (2024 aus der 3. Liga; d. Red.) und mit Chemnitz (2020 aus der 3. Liga; d. Red.) abgestiegen. Das waren Situationen, die ich nicht vergesse. Aber es waren auch Lehren, die ich für mich gezogen habe. Auch der Aufstieg mit Bochum in die Bundesliga war 2021 ein Wow-Moment – auch wenn ich nicht so oft gespielt habe.
Am Samstag geht es mit den Kickers ins Aufsteiger-Duell beim SV Meppen, wie ist Ihre Prognose für dieses Spiel?
Ich bin keiner, der Prognosen macht. Das überlasse ich Gott. Aber ich glaube, dass es ein sehr intensives Spiel wird. Das Stadion in Meppen ist eine Festung, die Fans geben sehr viel Gas, deswegen freue ich mich auf dieses Spiel. Aber es wird nicht leicht, wir haben aber auf jeden Fall Lösungen, um dort was zu holen.
Ihr tiefer christlicher Glaube zeichnet Sie aus, was bedeutet er für Sie auf dem Platz und außerhalb?
Der Glaube bedeutet für mich alles. Er ist mein Leben, meine Energiequelle, das ist wichtiger als alles andere, weil ich Freude spüre, egal, ob es gut oder schlecht läuft. Jesus Christus ist zu jeder Zeit für mich da, wie ein Anker oder ein Fels, der immer da ist, egal, was in meinem Leben passiert. Ich bin gesegnet und ich muss mir keine Sorgen machen, das ist mein Leben und ich bin sehr, sehr dankbar dafür.