Beierlorzer im Interview: "Ein einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel"

Der Trainerwechsel beim FC Ingolstadt Ende September gleicht für Achim Beierlorzer auch einem Perspektivwechsel – vom Funktionärssessel bei Jahn Regensburg zurück an die Seitenlinie. Im Interview mit liga3-online.de spricht Beierlorzer über sein Comeback, eine ausgelassene Pressekonferenz und einen Sieg über Pep Guardiola.

"Habe die Arbeit mit einer Mannschaft vermisst"

liga3-online.de: Herr Beierlorzer, schön, dass Sie zurück sind.

Achim Beierlorzer: Dankeschön, ich freue mich auch.

Seit September sind Sie Trainer beim FC Ingolstadt 04. Wie kam es dazu und welche Intention hatten Sie, als Sie dieses Comeback gestartet haben?

Es war kein Geheimnis: Spätestens, nachdem meine Zeit als Geschäftsführer in Regensburg endete, wollte ich definitiv wieder in den Trainerbereich zurück. Es hat etwas gedauert. Ingolstadt kam dann auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Es ging darum, eine Mannschaft zu entwickeln. Das hat mir zugesagt – und hier bin ich.

Sie waren zuvor mehr als zwei Jahre lang als Vorstandsmitglied und als Geschäftsführer Sport bei Jahn Regensburg tätig. Was hat Ihnen an dieser Perspektive auf den Fußball gefallen und was hat Sie letztlich dazu bewogen, wieder ins doch rauere Trainergeschäft zurückzukehren?

Erstmal hat mir der Blickwinkel schon gefallen. Ich habe im ersten Jahr in Regensburg gesagt: Ich kann gar nicht sagen, was mir besser gefällt, weil es eine übergeordnete Funktion ist und du doch noch einmal einen anderen Blick auf den Verein hast. Ich habe aber mit der Zeit die direkte Arbeit mit einer Mannschaft vermisst. Spieler zu entwickeln, zu überlegen, wie man die Mannschaft besser machen kann, diese Aspekte, die ausschlaggebend waren, dass ich Trainer geworden bin, haben mir gefehlt.

Zwischen Ihrer Rückkehr beim 2:4 mit dem FC Ingolstadt 04 gegen den SV Wehen Wiesbaden und ihrem letzten Spiel als Trainer im Dezember 2021 als Interimscoach von RB Leipzig lagen fast fünf Jahre. Wie haben sich das Fußball- und insbesondere das Trainergeschäft in dieser Zeit verändert?

Interessante Frage. Ich glaube, dass sich das Trainergeschäft nicht sonderlich verändert hat. Es gibt immer noch unheimlich viele gute Trainer, es ist professioneller geworden, aber insgesamt hat sich wenig verändert. Der Profifußball an sich aber hat sich verändert! Er ist noch mehr zum Produkt geworden, in den ersten zwei Ligen haben wir Verträge, die den Vereinen viel Geld einbringen. Die Diskrepanz zwischen Bundesliga und 2. Liga und der 3. Liga oder gar zu den Regionalligen ist sehr groß, im Fußballgeschäft ist heute noch mehr Geld. Aber wenn es um Inhalte geht, hat sich nicht viel verändert.

Sie sind seit gut drei Wochen in Ingolstadt, welche ersten Eindrücke haben Sie über die 3. Liga gewinnen können, auch und gerade als Bundesliga-erfahrener Trainer beim 1. FC Köln und bei Mainz 05?

Ich bin die ganze Zeit über, als ich nicht als Trainer tätig war, in den Stadien unterwegs gewesen, habe mir in allen drei Profiligen ein gutes Bild machen können. Ich war in Regensburg und in Ingolstadt, habe mir dort die Spiele in der 3. Liga angeschaut, kannte viele Spieler beim FCI. Nun wurde ich in Ingolstadt super aufgenommen, es macht richtig viel Spaß, mit der Mannschaft und dem Trainerteam zu arbeiten. Die Bedingungen in Ingolstadt sind bekanntlich sehr, sehr gut. Jetzt geht es darum, erfolgreich zu sein.

 

"Die 3. Liga ist sehr intensiv – und diesen Stil müssen wir mitgehen"

Ihr Spieler Lukas Fröde hat davon gesprochen, dass "die Kabine vor dem ersten Training sehr voll war", die Karten würden neu gemischt. Wie sehr wollen Sie den FC Ingolstadt 04 aufmischen bzw. konkret gefragt: Was muss sich nach dem äußerst durchwachsenen Saisonstart mit drei Siegen aus den ersten neun Spielen bei den Schanzern ändern?

Relativ augenscheinlich war, dass wir eine intensivere Art und Weise des Fußballspiels brauchen, um mehr Aktivität in allen Phasen des Spiels zu haben. Das ist der wichtigste Schlüssel, den wir in der 3. Liga brauchen. Die Liga ist sehr intensiv und diesen Stil müssen wir mitgehen können. Lukas hat mit dieser Aussage auch gemeint, dass viele Spieler nach Verletzungen nun wieder zurück sind. Es geht um die mannschaftliche Geschlossenheit und dass wir mit hoher Intensität und Aktivität unterwegs sind. Da sind wir schon auf einem guten Weg.

Auch sagten Sie, dass Sie beim FCI "einfach aktiven Fußball haben wollen". Können Sie diesen Fußball näher erklären?

Wer im heutigen Fußball auf Bayern München, Paris Saint-Germain oder den FC Arsenal blickst, dann siehst du, dass diese Mannschaften in allen Spielphasen aktiv sind. Sie haben immer Alternativen fürs Anspiel, das meine ich mit Aktivität: Aktiv gegen den Ball zu spielen aber auch aktiv mit dem Ball unterwegs zu sein! Und dann Torgefahr über die Flügel in den Strafraum hinein zu erwirken. Das ist nur möglich, wenn du absolut in Bewegung bist, wenn es in allen Mannschaftsteilen eine hohe Aktivität gibt. Damit will ich aber nicht sagen, dass das alles vorher nicht da war.

Im zweiten Spiel gab es für Sie mit dem FCI den ersten Sieg – 3:0 bei Waldhof Mannheim. Es war Ihr erster Erfolg als Trainer seit dem 7. Dezember 2021 mit RB Leipzig gegen Manchester City in der Champions League (2:1). Was war das für ein Gefühl?

Das klingt ja fast dramatisch (lacht)! Mein letztes Spiel, bevor ich bei den Schanzern begonnen habe, war tatsächlich gegen Manchester City, gegen Pep Guardiola und sein Team… Aber ich weiß, was Sie meinen. Prinzipiell freue ich mich, wieder an der Linie stehen zu können, eine Mannschaft zu betreuen. Es macht natürlich sehr viel mehr Spaß, zu gewinnen. Es ist was fürs Phrasenschwein: Aber Siege sind für das ganze Team, für den Trainer, für den Staff einfach unfassbar wichtig. Deswegen hat uns dieser Sieg in Mannheim richtig gutgetan. Definitiv.

Ihnen war in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Wehen Wiesbaden die Vorfreude auf die neue Aufgabe beim FC Ingolstadt 04 anzumerken. Wie viel von dieser eigenen Freude konnten Sie auf das Team übertragen?

Ich kann das gar nicht in Prozenten ausdrücken, was ich da vermitteln konnte. Aber es war mir wichtig, dass man mit einer authentischen Art an die Spieler herantritt und es ist ein Wesenszug von mir, immer das Positive im Leben zu vermitteln. Das versuche ich auf die Mannschaft zu übertragen. Ich werde mit dieser positiven Art weiter vorangehen.

 

"Ich wollte ohne großes Brimborium anfangen"

Sie haben auf die obligatorische Vorstellungs-Pressekonferenz in Ingolstadt verzichtet und sind gleich ins Training eingestiegen. Ungewöhnlich, oder?

In der Länderspielpause war uns die Mannschaft das Allerwichtigste. Ich wollte ohne großes Brimborium und schnell mit dem Team arbeiten. Unmittelbar nach dem Auftakttraining gab es diese Presserunde durchaus.

Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie betont, dass der Verein, die Mannschaft und auch Sie selbst "ambitioniert" sind. Ein konkretes Saisonziel haben Sie aber nicht formuliert. Was ist für Sie die mittelfristige Perspektive mit dem FCI, auch über diese Saison hinaus?

Es ist klar, dass wir uns Stück für Stück entwickeln wollen. Natürlich willst du immer mit der bestmöglichen Platzierung abschließen. Wenn man eine Profimannschaft trainiert wie hier in Ingolstadt, dann sind immer auch ambitionierte Spieler da, die erfolgreich sein wollen. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre daher für diese Saison das Ziel, dann wollen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Es ist in der 3. Liga, wie Sie wissen, gar nicht so einfach, Kontinuität in der Entwicklung zu haben.

   

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