Kijewski im Interview: "Unser großer Vorteil ist die interne Ruhe"
Der SC Verl kommt ins Rollen. Nach einem Fehlstart mit drei Niederlagen holte das Team von Coach Orest Shala zuletzt zehn Zähler aus vier Spielen und kletterte auf Platz elf. Mit liga3-online.de spricht Verls Kapitän Niko Kijewski über den großen Umbruch im Sommer, die ersten Saisonwochen ohne Punkte und die aktuelle Top-Form der Ostwestfalen, die nach der Länderspielpause am 11. Oktober bei Fortuna Düsseldorf zu Gast sind.
"Wir verspüren in Verl weniger Druck"
liga3-online.de: Drei Spiele, drei Niederlagen: Wie bewerten Sie rückblickend den Total-Fehlstart in die Saison, Herr Kijewski?
Niko Kijewski: Wir hatten – mal wieder – einen riesigen Umbruch. Wahrscheinlich war er diesmal noch größer als in den Jahren zuvor. Viele Leistungsträger sind in höhere Ligen gewechselt, unser Ex-Trainer Tobias Strobl coacht jetzt den VfL Wolfsburg in der 2. Bundesliga. Dazu kommt, dass wir zu Saisonbeginn zu viele individuelle Fehler gemacht haben. Gegen Duisburg konnten wir beispielsweise eine 2:0-Führung nicht über die Zeit bringen und haben uns das Leben mit einem Platzverweis selbst schwer gemacht (2:4, Anm. d. Red.). Dennoch sind wir nicht von unserer Spielphilosophie abgewichen und haben versucht, da weiterzumachen, wo wir letzte Saison aufgehört haben.
Mit Orest Shala steht erneut ein junger und hungriger Trainer an der Seitenlinie des SC Verl. Welchen Effekt hatte der Trainerwechsel auf das Team und die Spielweise?
Wir sind im Verein die hohe Fluktuation mittlerweile gewohnt. Sowohl unter den Spielern als auch auf der Trainerbank. Grundsätzlich muss ich sagen, dass der Wechsel von Tobias Strobl zu Orest Shala sehr smooth verlaufen ist. Er verkörpert ebenfalls Werte, die dem Klub wichtig sind. Wir agieren weiterhin mit hohem Pressing und offensivem Ballbesitz-Fußball. Vom ersten Tag an war klar, dass wir den Weg als Team weitergehen – und es trotz der vielen personellen Veränderungen keinen kompletten Neuanfang gibt.
In den vergangenen Wochen kam der SC Verl immer mehr in der Saison an und rangiert jetzt im Tabellenmittelfeld. War es absehbar, dass die Mannschaft etwas Zeit braucht?
Natürlich hoffst du, dass es diese Zeit nicht braucht. Wir wussten von Beginn an, wie gut wir sind. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass solche Startprobleme nicht ungewöhnlich sind nach einem solchen Umbruch. Das Schöne am SC Verl ist, dass der Verein dennoch ruhig weiterarbeitet und sich nicht verrückt machen lässt. Jeder hier ist davon überzeugt, dass wir auf lange Sicht erfolgreich sein werden.
Wie schafft es der SC Verl immer wieder, mit so großen Umbrüchen umzugehen – und nach Negativphasen den Schalter schnell umzulegen?
Wir verspüren in Verl weniger Druck. Geben uns mehr Zeit. Und schwimmen inmitten von unzähligen Ex-Bundesligisten ein wenig unter dem Radar mit. Unser großer Vorteil ist die interne Ruhe. Und auch das Team funktioniert sehr gut, weil einzelne Charaktere perfekt zum Klub passen.
"Von solchen Kulissen träumst du als Kind"
Wenn Sie jetzt nach dem 7. Spieltag auf die Tabelle schauen – was sind Ihre Gedanken?
Es ist ein Mix aus positiven und negativen Gefühlen. Grundsätzlich bin ich aber happy. Nach dem Fehlstart hätten wir jetzt auch deutlich weiter unten stehen können. Neben der Punkteausbeute freut mich vor allem, dass zuletzt die Art und Weise, wie wir gespielt haben, sehr gut gepasst hat.
Weiter geht es für den SC Verl in der 3. Liga nach der Länderspielpause am 11. Oktober bei Fortuna Düsseldorf. Dort soll sicher an die jüngsten Leistungen angeknüpft werden – bestenfalls mit dem nächsten Dreier!
Auf jeden Fall. Egal, ob der Gegner der HSV im DFB-Pokal ist (0:3, Anm. d. Red.), wir im Landespokal gegen einen Sechstligisten spielen oder wir bei Fortuna Düsseldorf antreten: Wir wollen immer mutig spielen und die Partie mit unserer Spielweise dominieren.
Der SC Verl zu Gast im großen Fortuna-Stadion – das gab es lange nicht! Und überhaupt: Es ist das erste Pflichtspiel beider Teams im Profifußball. Wie besonders wird die Partie für das Team?
Für viele von uns wird es das erste Spiel in Düsseldorf und daher definitiv eine tolle Erfahrung. Die Fortuna ist ein großer Klub mit Strahlkraft und beeindruckender Fanbase. Von solchen Duellen vor dieser Kulisse träumst du als Kind. Daher ist die Vorfreude schon jetzt riesig, keine Frage.
Hinweis: Das Interview wurde vor dem Landespokal-Aus des SC Verl geführt.