Deters im Interview: "Reißleine gezogen und alles wiedererlangt"

Thorben Deters und der SV Meppen sind zurück in der 3. Liga – und als Aufsteiger blendend in die Saison gestartet. Im Interview mit liga3-online.de spricht der Sohn von SVM-Kultspieler und One-Club-Player Bernd Deters (65) über einen Traumstart, die Familienbande und wagt eine Prognose für die Englische Woche.

"Maximal stolz auf das, was Papa geleistet hat"

liga3-online.de: Herr Deters, Sie gelten als ausgemachter Aufstiegsspezialist, vier Aufstiege mit zwei verschiedenen Vereinen, SV Meppen und Preußen Münster. Sie wissen, was es für einen Aufstiegserfolg braucht. Was ist es genau?

Thorben Deters: Zum einen ist es eine geschlossene Mannschaftsleistung, du hast immer viele Zu- und Abgänge und musst schnell als Team zusammenfinden und eine gute Stimmung in der Mannschaft erzeugen. Dazu kommt natürlich die nötige Qualität, sonst wird es nicht funktionieren. Auf dem Niveau, auf dem wir uns in der 3. Liga befinden, gehört eine geschlossene Mannschaftsleistung zumindest für mich unbedingt dazu.

Was war der schönste Aufstieg für Sie?

Der schönste Aufstieg… boah! Das weiß ich gar nicht, ich bin noch an allen sehr nah dran, der erste Aufstieg war für mich als junger Spieler sehr aufregend. Auf dem Feld war es unfassbar schön, mit diesem Traum Dritte Liga. Jeder Fußballer träumt ja davon, mal ganz oben mitzuspielen. Auch mit Münster aufzusteigen, war ein schöner Moment. Das ist auch irgendwie der Lohn für die harte Arbeit, die du investiert hast. Mit Meppen hatten wir 2025/26 ein unfassbar schönes Jahr, wo jeder gemerkt hat, dass das Umfeld hier extrem zusammenhält. Alle Aufstiege waren unterschiedlich schön, Münster mit dem Peak 2. Liga und jetzt mit Meppen als Führungsspieler, das war für mich sehr intensiv, weil ich in fast jedem Spiel auf dem Platz stand.

Der Name Deters ist in Meppen natürlich jedem Fußballfan ein Begriff. Ihr Vater Bernd Deters machte mehr als 500 Spiele für den SV Meppen, war das, was man einen One-Club-Player nennt, später Co- und Jugendtrainer. Wie gehen Sie damit um, Sohn einer Legende zu sein? Denn das liegt nicht jedem Spieler, der aus einer berühmten Fußballer- oder Sportlerfamilie kommt…

Ich bin maximal stolz auf das, was Papa geleistet hat und wie er in Erinnerung geblieben ist bei den Zuschauern. Das ist nicht selbstverständlich. Dass die Menschen hier im Emsland immer noch so gut über ihn reden, das ist etwas Besonderes. Ich bin relativ schnell meinen eigenen Weg gegangen, habe Erfahrungen in anderen Städten gemacht, habe auch außerhalb des Fußballs überall Freundschaften geschlossen. Ich genieße meine Rolle mit dem Wissen, meinen eigenen Weg gegangen zu sein. Ich sehe mich da nicht in einem Konkurrenzkampf mit Papa, bin absolut cool damit, welchen Weg Papa genommen hat und welchen Weg ich gegangen bin.

 

"Ich brauchte einen Verein, der voll auf mich setzt"

Sie sind seit vielen Jahren beim SV Meppen, haben viele Jugendteams bei den Emsländern durchlaufen und seit 2025 sind Sie wieder im Emsland. Was war der Hauptgrund für die Rückkehr und wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Herzensverein beschreiben?

Der Hauptgrund war damals, und das habe ich schon oft in Interviews gesagt, war, dass ich in Münster eine schwierige Situation hatte. Ich wollte einfach wieder auf dem Platz stehen. Ich hatte ein bis zwei Optionen, wo ich wieder häufiger spielen konnte und habe mich dann schnell entschieden. Ich habe hier meine Freunde, meine Familie und brauchte nicht lange, um mich wieder im Fußball wohlzufühlen. Ich brauchte einen Verein, der voll auf mich setzt und bei dem ich wieder Spaß am Fußball habe. Deswegen habe ich mich für den SVM entschieden. Ich war immer sehr, sehr dankbar für die Zeit, die ich hier hatte. Es war nicht immer leicht, weil ich nicht immer viel Einsatzzeit hatte. Jetzt kann ich sagen: Ich habe ein gemischtes Verhältnis zum Verein, aber ich überschreibe gerade das negative aus der Vergangenheit mit dem Positiven aus der Gegenwart.

Was hat die Situation in Münster für Sie so schwer gemacht?

Es war so, dass du selbst eine gewisse Vorstellung hast, quasi diese Kindheitsträume… und ich wusste: Für ganz, ganz oben wird es schwierig. Ich war dann da und merkte: Oh, hier weht noch mal ein anderer Wind. Wir hatten eine sehr gute Mannschaft mit Charakter, ich habe Zeit gebraucht, um in Münster reinzukommen, habe einige Assists geliefert (15 in 83 Pflichtspielen; d. Red.), dachte aber auch immer: Vielleicht brauche ich auch noch ein bisschen! Gegen Ende hatte ich dann nicht mehr das Vertrauen vom Trainer und war nicht mehr der Spieler, der ich sein will, mit lockerem Kopf, mit Spielfreude. Ich merkte: Oh, wenn das der Fußball ist, dann ist das ernüchternd. Es sind immer unterschiedliche Faktoren von außerhalb und im Team, die entscheidend sind. Dieses Geschäft ist so. Wenn du nicht performst, kommt der Nächste.

Das klingt hart…

Ja, denn das Jahr in der 2. Liga begann mit einem absoluten Highlight mit einem Spiel beim HSV im Volksparkstadion (1:4; d. Red.). Dann nach dem Startelf-Debüt beim 2:3 in Nürnberg kamen kaum noch Einsatzminuten dazu – und am Ende war es eine Schulterverletzung. Da habe ich meine Art, Fußball zu spielen, verloren und die Reißleine gezogen. Das alles habe ich zum Glück alles beim SV Meppen wiedererlangt.

Im Aufstiegsjahr 2025/2026 gehörten Sie mit 18 Scorerpunkten zu den besten Akteuren im Team – und beim 3:0-Auswärtssieg in Aachen gelang Ihnen ihr erstes Tor seit Mai 2021, damals gegen den SV Meppen und für den VfB Lübeck. Können Sie die Gefühlslage bei diesem Treffer beschreiben?

Es war so: Ich war im Vorfeld etwas angeschlagen, wollte aber unbedingt in Aachen spielen, diese Atmosphäre dort ist besonders. Ich habe darauf vertraut, dort ein gutes Spiel zu machen. Die Freude über das Tor war natürlich sehr, sehr groß. Doch durch diverse Sachen, die ich schon erlebt habe, freust du dich dann mehr darüber, wie wir mit der Mannschaft an dem Tag Fußball gespielt haben. Das Tor habe ich dann im ersten Moment gar nicht so hoch gehängt. Es war die Art und Weise, wie wir gespielt haben, die mich begeistert hat. Von der ersten Minute an war es geil, wie wir mit der Mannschaft angetreten sind. Ich hatte von Anfang an das Gefühl: Heute passiert hier alles für den SV Meppen und nichts für Aachen.

Sie sind mit dem SV Meppen und sechs Punkten aus vier Spielen besser als alle anderen Aufsteiger in die Saison gestartet. Dann kam die 1:6-Klatsche gegen den 1. FC Saarbrücken, die höchste Heimniederlage des SV Meppen in der 3. Liga – fürchten Sie jetzt einen Bruch?

Nein. Es war schon ein extremer Dämpfer, mit dem man sich dann zwei, drei Tage beschäftigt hat, das kannte ich so nicht von uns. Wir sind voller Euphorie nach dem Aachen-Spiel durchs Emsland gelaufen, haben dann aber gemerkt: Uns wird nichts geschenkt. Wir müssen jeden Punkt hart erarbeiten, dafür brauchen wir volle Konzentration. Danach folgte eine sehr fokussierte Trainingswoche mit eingehender Tor-Analyse. Wir dürfen nicht denken: Wir marschieren durch die Liga. Wenn wir nur einen Hauch weniger machen, dann können wir auch sechs Dinger wie gegen Saarbrücken kriegen. Wenn wir nicht an die 100 Prozent kommen, gehen wir in der Liga unter. Deswegen ist es uns nach dieser Trainingswoche bewusst, dass wir die Sinne schärfen müssen, um diese Punkte zu sammeln, die wir brauchen, um in der Liga zu bleiben.

 

"Für die 3. Liga brauchst du ein absolut professionelles Mindset!"

Wenn Sie gegen den SC Verl auflaufen, ist das Ihr vereinsübergreifend 80. Spiel in der 3. Liga. Welche Qualitäten braucht es, um sich in der dritten deutschen Profiliga zu etablieren?

Ich glaube erst mal ein absolut professionelles Mindset. Was man mit freien Tagen macht, was man im Training macht. Du bist in einem dauerhaften Verzicht, weil du diese Liebe für den Fußball einfach über alles stellst und irgendwie mit dieser Flamme für Fußball unterwegs bist. So kannst du dich in der 3. Liga etablieren. Ein klarer Kopf hilft in jedem Job, auch im Fußball. Du musst wissen, was du dafür geben und opfern muss. Was niemand vergessen sollte: Das Glück mit den Trainern, mit den Teamkollegen. Das sind Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst. Aber das, was ich zuvor sagte, kannst du beeinflussen und dann sehr lange in der 3. Liga bleiben.

In der 3. Liga steht nun eine Englische Woche mit Spielen beim SC Verl, gegen Viktoria Köln und bei 1899 Hoffenheim II an. Kann das der Mannschaft zusätzlich an die Substanz gehen oder einen neuen Schub geben?

Da sollten wir noch mal nach dem Verl-Spiel drüber reden (lacht).

Tja, warum eigentlich nicht…?

Nein, Spaß beiseite. Das Saarbrücken-Spiel wollen wir in Verl wieder gutmachen, dann sind es noch zwei Spiele bis zur Länderspiel-Pause, die wollen wir fokussiert angehen und genießen. Wir haben eine gute Tiefe im Kader, wir haben einige Spieler, die angeschlagen sind und die nach der Länderspielpause wieder zurück sind. Wir wollen deshalb noch mal voll durchziehen. Deswegen sage ich ganz klar: Das wird uns Auftrieb geben!

Wie ist – rein punktemäßig – Ihre Prognose für die englische Woche?

Ich bin ein positiver Mensch und würde neun Punkte veranschlagen (lacht). Aber wenn es fünf oder sieben Punkte sind, dann haben wir eine gute Englische Woche gespielt.

   

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