Ulbricht im Interview: "Ein Sieg aus drei Partien ist zu wenig"
Letzte Saison war er Torgarant beim Aufsteiger SV Meppen, jetzt will Julian Ulbricht beim SV Waldhof Mannheim in diese Rolle schlüpfen. Der 27-jährige Angreifer traf für die Mannheimer auf Anhieb mehrfach und knüpfte damit an seine 27 Treffer aus der vergangenen Spielzeit in der Regionalliga Nord an. Mit liga3-online.de spricht Ulbricht über seine ersten Monate beim SV Waldhof, die ereignisreichen letzten Wochen in Liga und DFB-Pokal und das kommende Heimspiel gegen den SC Verl am Samstag.
"Habe meinen Flow mit in die neue Saison genommen”
liga3-online.de: Nachdem Sie den SV Meppen zurück in die 3. Liga geschossen haben, starteten Sie auch bei Waldhof Mannheim spektakulär: In den ersten drei Pflichtspielen gelangen Ihnen sechs Treffer, darunter der Viererpack beim 9:0 im Landespokal gegen den FV Elztal. Anlaufzeit scheint Ihnen kein Begriff zu sein, Herr Ulbricht!
Julian Ulbricht: Die brauchte ich wirklich kaum. Das liegt aber auch daran, dass wir eine super Vorbereitung mit Tests gegen starke Gegner gespielt haben – wie zum Beispiel Eintracht Frankfurt (0:1; d. Red.) und den 1. FC Nürnberg (2:3; d. Red.). Wir haben schnell gesehen, zu was wir in der Lage sind, und sind hochmotiviert in die Saison gestartet.
Wie ist Ihnen dieser Top-Start in Mannheim gelungen?
Ich hatte ein erfolgreiches letztes Jahr in Meppen, bin in die 3. Liga aufgestiegen und Torschützenkönig in der Regionalliga Nord geworden. Diesen Flow habe ich mit in die neue Saison genommen. Und im Endeffekt mache ich das, was ich am besten kann: Tore schießen.
Es folgte das denkwürdige DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:1 n.V.), das von Fan-Ausschreitungen überschattet wurde. Wie haben Sie das Match erlebt?
Rein sportlich war es ein Wahnsinns-Spiel. Schon vorher wurden wir darauf vorbereitet, dass es auf dem Platz so heiß hergehen kann. Es war brutal bitter, dass wir uns in der Verlängerung geschlagen geben mussten und uns nicht dafür belohnen konnten, die gesamten 120 Minuten über auf Augenhöhe mit einem ambitionierten Zweitligisten gewesen zu sein.
Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die Partie schnell aus dem Kopf zu bekommen?
Man braucht vielleicht ein bis zwei Tage mehr, um eine solche Partie aus dem Kopf zu kriegen. Besonders weil das Spiel am Freitagabend war und noch bis Anfang der folgenden Woche über die Vorkommnisse berichtet wurde. Aus Spielersicht kann ich nur sagen, dass es sehr schade ist, wenn das Drumherum den Fußball überstrahlt.
Es folgte das 2:3 beim TSV Havelse, bei dem Sie selbst erst tief in der zweiten Hälfte eingewechselt wurden. Warum konnten – trotz 2:0-Führung – am Ende keine Punkte mitgenommen werden?
Wir haben solide begonnen, sind schnell 2:0 in Führung gegangen und unserer Favoritenrolle gerecht geworden. Danach sind wir ein wenig eingebrochen. Und das wird in der 3. Liga schnell bestraft. Das darf uns so nicht passieren und daran müssen wir arbeiten. Dafür, dass wir bisher immer geführt haben, ist ein Sieg aus drei Partien zu wenig.
Waldhof? "Der Verein hat eine enorme Wucht"
Nach dem 3. Spieltag stehen vier Zähler für Mannheim auf dem Konto. Wie bewerten Sie insgesamt den Waldhof-Saisonstart?
Da ich grundsätzlich ein positiver Mensch bin, versuche ich immer die positiven Dinge zu sehen und mitzunehmen. Wir haben insgesamt einen guten Job gemacht, in jedem Ligaspiel getroffen und waren im DFB-Pokal nah dran an der Überraschung. Jetzt geht es darum, Ruhe und Konstanz reinzubringen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns dann auch wieder mehr für unsere starken Leistungen belohnen werden.
Weiter geht es am Samstag gegen den SC Verl – das einzige noch punktlose Team. Was können wir für ein Spiel erwarten?
Verl ist bekannt für attraktiven und offensiv ausgerichteten Fußball. Letzte Saison war das Team sogar nah dran am Aufstieg in die 2. Bundesliga. Das Tabellenbild nach dem 3. Spieltag sagt in Bezug auf die Qualität der Mannschaft wenig aus. Während Verl bei uns die ersten Punkte holen will, möchten wir das natürlich verhindern. Mit unseren Fans im Rücken bin ich guter Dinge für das Match.
Zum Duell mit Ihrem Ex-Klub SV Meppen kommt es erst im Januar am 19. Spieltag. Der SVM holte zwei Siege aus den ersten drei Partien. Tauschen Sie sich noch mit Ex-Kollegen aus?
Na klar. Mit einigen Spielern aus Meppen stehe ich noch eng im Austausch. Vor allem so kurz nach dem gemeinsamen Aufstieg in die 3. Liga ist das normal. Wir haben zusammen etwas Großes geschafft und ich freue mich sehr für Meppen, dass der Klub aktuell da weiter macht, wo er letzte Saison aufgehört hat.
Was war die größte Umstellung bei Ihrem Wechsel von Meppen nach Mannheim?
Der Verein hat eine enorme Wucht. Alles ist noch einmal größer – das Stadion, die Kulisse, die Stadt und das gesamte Umfeld. Das spürt man täglich. Ich wollte schon immer vor so vielen Fans wie möglich in großen Arenen spielen. Beim SV Waldhof – und auch generell in der 3. Liga – habe ich jetzt die Chance dazu.