Saisonprognose #2: Havelse, Hoffenheim II, Saarbrücken, VfB II
In knapp zwei Wochen beginnt die 19. Ausgabe der eingleisigen 3. Liga. Wer mischt diesmal im Aufstiegskampf mit? Wer spielt gegen den Abstieg? Und welche Überraschungen hat die so schwer zu berechnende 3. Liga diesmal zu bieten? In fünf Teilen nimmt liga3-online.de alle Teams unter die Lupe und wagt eine Prognose. Im zweiten Teil schauen wir auf den TSV Havelse, die TSG Hoffenheim II, den 1. FC Saarbrücken und den VfB Stuttgart II.

Ausgangslage: Abstieg – oder doch nicht? Am 3. Juni herrschte endlich Gewissheit: Weil 1860 München keine Zulassung zur 3. Liga erhielt, feierte der TSV Havelse den Klassenerhalt am Grünen Tisch. Der späte Lohn für eine starke Rückrunde, in der sich die längst abgeschriebenen Niedersachsen mit großer Leidenschaft noch bis auf Platz 17 vorgearbeitet und damit in Stellung gebracht hatten. Die kurze Unklarheit darüber, ob Havelse überhaupt in der 3. Liga bleiben wolle, war schnell beseitigt: Die bereits abgebauten Stahlrohrtribünen im Eilenriedestadion wurden umgehend wieder errichtet, der Vertrag mit Trainer Semir Ferchichi verlängert und die Kaderplanung mit Siebenmeilenstiefeln vorangetrieben. Mit Björn Benke wurde zudem ein neuer Geschäftsführer Profifußball installiert, dessen Berufsbeschreibung unterstreicht, was man sich in Garbsen vorgenommen hat.
Transfers: Zwischenzeitlich überschlugen sich die Schlagzeilen, als Havelse am 3. Juli gleich sechs Spieler an einem Tag verpflichtete. Nachdem die Kaderplanung der Rot-Weißen in der Vorsaison erst spät Fahrt aufnahm, machten sie diesmal frühzeitig Nägel mit Köpfen und zogen eine ganze Reihe spannender Spieler an Land, darunter zum Beispiel der ehemalige Torschützenkönig Kwasi Wriedt (Aachen), Ex-Spieler Kevin Schumacher (Osnabrück) und Ex-Bundesliga-Profi Niklas Tauer (Mainz). Inklusive der vereinsinternen Transfers stießen 17 neue Spieler zur Profimannschaft dazu, die meisten davon jung und entwicklungsfähig.
Vorbereitung: Gegen Delmenhorst gelang ein 3:2-Sieg, gegen Magdeburg II (2:2) und Norderstedt (1:1) gab es zwei Unentschieden. Niederlagen setzte es gegen Eintracht Braunschweig (1:2) und Hannover 96 II (1:3). Vor dem Ligastart gegen den VfB Stuttgart II steht noch ein Testspiel gegen Fulda-Lehnerz an.
Prognose: Nach dieser turbulenten Sommerpause schickt sich der TSV Havelse an, im dritten Anlauf erstmals sportlich den Klassenerhalt in der 3. Liga zu schaffen. Dieser erscheint durchaus möglich, allerdings muss die stark veränderte Mannschaft dringend schnell jene Geschlossenheit entwickeln, die das Team in der vergangenen Rückrunde ausgezeichnet hat. Einen erneuten Fehlstart darf sich Havelse kaum leisten. Platz 15 bis 20.

Ausgangslage: Zweitvertretungen sind schwer zu berechnen. Die erste Drittliga-Saison der TSG Hoffenheim II dient als Paradebeispiel für diese häufig bemühte Aussage. Auf eine starke Hinrunde mit 31 Punkten folgte eine Rückserie zum Vergessen: Nur drei Siege bedeuteten Platz 20 in der Rückrundentabelle. Das eigentliche Kernziel erreichte Trainer Stefan Kleineheismann dennoch mit Bravour. Fast ein Dutzend Spieler aus dem Vorjahreskader schaffte den Sprung in eine der beiden höchsten Spielklassen. Am prominentesten ist der Werdegang von Ayoube Amaimouni-Echghouyab, dessen Weg innerhalb eines halben Jahres von Hoffenheims U23 zur WM-Teilnahme mit Marokko führte. Nun ist die Bühne frei für die nächste Generation. Der neue Kader wird maßgeblich von Spielern geprägt, die im Mai mit der Hoffenheimer U19 die deutsche A-Junioren-Meisterschaft gewannen.
Transfers: Offiziell rückten zehn Spieler aus der U19 auf, wobei die Übergänge zwischen den Mannschaften traditionell fließend verlaufen. Für Aufsehen sorgten zudem die Verpflichtungen von Konstantin Aleksa (Austria Wien), Jakov Dedic (Osijek) und Santino Pistrol (First Vienna), für die die TSG jeweils knapp eine Million Euro überwies. Als erfahrener Ankerspieler wurde der frühere WM-Teilnehmer Klaus Gjasula aus Essen in den Kraichgau gelotst.
Vorbereitung: Auf einen 2:0-Sieg gegen den VfR Mannheim und ein 6:1 gegen Heilbronn-Freiberg folgten zwei Niederlagen gegen Ligakonkurrent Großaspach (0:2) und Freiburg II (0:3). Vor dem Saisonauftakt gegen Hansa Rostock steht noch ein Testspiel gegen den FC Homburg an.
Prognose: Welches Gesicht zeigen die Hoffenheimer Talente in der neuen Saison? Knüpfen sie an die furiose Hinrunde an oder setzt sich der Negativtrend der Rückserie fort? Auch wenn im Kader zweifellos enormes Potenzial schlummert, dürfte eine schwierige Saison vor der TSG liegen. Platz 13 bis 20.

Ausgangslage: "Nach der vergangenen Saison bleibt dir keine andere Wahl, als etwas zu verändern", erklärte Topscorer Florian Pick zuletzt. Mit klaren Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet, erlebte der 1. FC Saarbrücken eine Spielzeit zum Vergessen, die beinahe im Abstieg gemündet hätte. Entsprechend deutlich zog der FCS nun die Konsequenzen. Gleich 18 Spieler verließen den Klub, darunter etliche namhafte Akteure wie Stammkeeper Philipp Menzel. Der älteste Kader der Liga soll jünger, hungriger und entwicklungsfähiger werden. Frisches Blut – für frischen Erfolg? Nach den offen formulierten Aufstiegsambitionen in den Vorjahren wäre man im Saarland diesmal schon mit einer deutlichen Leistungssteigerung gegenüber der Vorsaison zufrieden. Die Euphorie im Umfeld ist dennoch groß: Noch nie verkaufte der FCS so viele Dauerkarten (über 8.300).
Transfers: Insgesamt wurden 15 neue Spieler vorgestellt, die meisten davon erstaunlich frühzeitig, was Trainer Argirios Giannikis den mühsamen Einspielprozess etwas erleichtert. Mit wenigen Ausnahmen – darunter Christian Kühlwetter (30 Jahre, kam aus Regensburg) und Siemen Voet (26, 1860 München) – sind alle Neuzugänge 23 Jahre oder jünger. Im Tor soll künftig der österreichische U21-Nationalkeeper Matteo Bignetti (Sturm Graz) für Sicherheit sorgen und im Mittelfeld Mainz-Talent Daniel Gleiber antreiben. Im Sturm ruhen die Hoffnungen auf Frankfurt-Leihgabe und Fritz-Walter-Medaillengewinner Alexander Staff.
Vorbereitung: Auf ein 2:0 in Quierschied und lockeres 11:0 gegen Geislautern folgte ein 2:1 gegen Oberachern. Anschließend trennte sich der FCS dreimal in Folge remis: Gegen Sandhausen gab es ein 0:0, gegen Augsburg und Aalen jeweils ein 1:1. Die Generalprobe vor dem Saisonauftakt gegen Rot-Weiss Essen steigt am Samstag gegen den französischen Drittligisten Union Sportive Thionville Lusitanos.
Prognose: Nach der enttäuschenden Vorsaison und dem gewaltigen Umbruch soll zunächst wieder Ruhe einkehren. Der neu zusammengestellte Kader besitzt jedoch viel Qualität und Entwicklungspotenzial. Gelingt es dem taktisch versierten Giannikis, dieses auszuschöpfen, erscheint die Rückkehr ins obere Tabellendrittel realistisch. Platz 4 bis 9.

Ausgangslage: Florian Hellstern? Spielt künftig für die SpVgg Greuther Fürth. Und Noah Darvich? Trägt nun das Trikot der SV Elversberg. Auch Samuele Di Benedetto (Braunschweig) oder Leny Meyer (Famalicao) spielen nicht mehr für den VfB Stuttgart II. Es ist Zeit für neue Helden in Bad Cannstatt. Primäres Ziel bleibt auch im dritten Drittliga-Jahr nach dem Wiederaufstieg die erfolgreiche Weiterbildung der vielen hochtalentierten Nachwuchskräfte aus dem Stuttgarter Nachwuchs. Dass Trainer Nico Willig in der Vorsaison nicht nur viele Spieler voranbrachte, sondern mit seiner Mannschaft auch souveräne 46 Punkte holte und damit zu keiner Zeit ernsthaft in Abstiegsgefahr geriet, wird ihm hoch angerechnet. Kann Stuttgart in der neuen Saison daran anknüpfen?
Transfers: Der Großteil der Neuzugänge stammt aus der eigenen U19. Offiziell rücken sieben Spieler auf, im Laufe der Saison dürften weitere Talente folgen. Extern verstärkte sich der VfB unter anderem mit den Angreifern Oliver Rölke von Hertha BSC II und Tim van der Leij aus Waalwijk, für den rund 1,2 Millionen Euro Ablöse flossen. Auch das Neuzugang-Trio Veit Stange (Gladbach II), Julian Bock (Luzern) und David Preu (Union Berlin) dürften künftig zum erweiterten Stammpersonal gehören.
Vorbereitung: Zum Auftakt setzte es Niederlagen gegen Freiburg II (0:1) und Balingen (1:2). Deutlich besser lief es anschließend gegen Villingen (2:0), Gmünd (3:0) und Ulm (4:0). Die Generalprobe steigt gegen Walldorf, ehe die Stuttgarter Drittliga-Saison mit einem Auswärtsspiel in Havelse beginnt.
Prognose: Wie schnell findet sich die neu zusammengestellte Mannschaft? Und wer übernimmt die Führungsrollen? Rund um die hochveranlagte Stuttgarter Nachwuchstruppe sind noch einige Fragen offen. Gelingt es Willig erneut, das Team aus dem Abstiegskampf herauszuhalten, wäre das bereits als großer Erfolg zu bewerten. Platz 12 bis 18.
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