"Zahnlos": RWE hat direkten Aufstieg nicht mehr in eigener Hand
Innerhalb einer Woche hat Rot-Weiss Essen durch zwei Niederlagen trotz Führung eine glänzende Ausgangslage im Kampf um die 2. Liga verspielt und den direkten Aufstieg nun nicht mehr in eigener Hand. Nach der Pleite gegen den FCS haderte Trainer Uwe Koschinat zum einen mit der Chancenverwertung bei Standards und zum anderen mit defensiven Unachtsamkeiten in Umschaltsituationen.
"Menzel zu sehr warm geschossen"
Er saß nach Spielende lange auf seinem Stuhl, RWE-Coach Uwe Koschinat. Offenbar musste der 60-Jährige erstmal sacken lassen, dass seine Mannschaft wie schon letzte Woche in Cottbus eine Führung (7.) binnen kürzester Zeit (30. / 40.) aus der Hand gegeben hat und wieder als Verlierer vom Platz gegangen ist. Dabei konnte sich RWE gerade in der zweiten Halbzeit nicht über fehlende Chancen beschweren. Doch entweder standen der Pfosten oder FCS-Keeper Menzel im Weg. Es war aus Sicht der Essener zum Verzweifeln, dass der Ball trotz einer Vielzahl von Gelegenheiten nicht über die Linie wollte – nicht mal, als RWE ab der 82. Minute in Überzahl war.
"Wir müssen uns vorwerfen lassen, dass wir Menzel bei seitlichen Eingaben und Standardsituationen viel zu sehr warm geschossen haben", sagte Koschinat am Mikrofon von "MagentaSport" und monierte: "Da waren wir wirklich zahnlos, das muss man so klar sagen." An mangelnder Qualität machte Koschinat diesen Aspekt aber nicht fest, sondern meinte schlicht: "Es sollte einfach nicht sein." Zudem habe RWE nicht die Energie im Einlaufen und keine Präzision in den Räumen gehabt. "Das ist normalerweise unsere Domäne und damit brechen wir den Gegner dann. Das hat heute nicht funktioniert und dementsprechend steht dann ein Sieg für den Gegner. Das tut sehr weh."
"Vielleicht ist das ein Faktor, der uns fehlt"
Zudem sah Koschinat seine Mannschaft vor dem zweiten Gegentor nicht auf der Höhe, habe diese nach einem Foulspiel an Pick doch auf einen Pfiff gehofft. Der Schiedsrichter ließ jedoch Vorteil laufen. "Dann sind wir nicht mehr mit der ausreichenden Geschwindigkeit hinter den Ball gekommen, was schwer zu verzeihen ist. Gerade in so einer guten Ausgangssituation." Zumal das nicht zum ersten Mal in dieser Saison passiert sei. "Vielleicht ist das ein Faktor, der uns fehlt, um ganz vorne wegzulaufen und solche Spiele mit so einem guten Einstand dann auch tot zu machen."
Für den guten Einstand hatte Torben Müsel mit seinem Treffer nach nur sieben Minuten gesorgt, konnte sich darüber aber nicht wirklich freuen: "Wir passen hinten zweimal nicht auf und haben uns zwei Unsicherheiten erlaubt, die wir teuer bezahlt haben." Punktetechnisch werfe RWE die Niederlage "zwar ein bisschen" zurück, wie er mit Blick auf die Tabelle einräumte, "aber mental darf uns das nicht beeinflussen".
Was Koschinat von seiner Mannschaft fordert
Durch die zweite Niederlage in Folge und den Sieg von Energie Cottbus in Köln ist RWE auf den dritten Tabellenplatz abgerutscht und hat den direkten Aufstieg vor den letzten drei Spieltagen nicht mehr in eigener Hand – und das, obwohl die Essener in der Blitztabelle vor einer Woche bereits sieben Punkte vor Platz 3 lagen. Dennoch müsse die Mannschaft nun "den Kopf oben behalten", wie Koschinat betonte. "Es gibt nichts, für das wir uns schämen müssen – weder in der letzten Woche noch in dieser." Es gehe nun darum, aus der Rolle des Gejagten wieder in die Rolle des Jägers zu kommen und über eigene Ergebnisse Druck zu machen. Dafür gelte es, die Dominanz nach Führungen stärker auf den Platz zu bringen.
"Du musst dafür aber in der Lage sein, aus seitlichen Standardsituationen, der körperlichen Überlegenheit und der Wucht, die wir normalerweise haben, zum Erfolg zu kommen, wenn es aus dem Spiel heraus eben mal nicht sein soll. Das wird ein wichtiger Faktor sein für die kommende Woche." Am nächsten Samstag gastiert RWE beim VfB Stuttgart II – und benötigt dann ganz dringend drei Punkte, um zumindest Platz 3 zu verteidigen. Dass mit Ramien Safi und Klaus Gjasula zwei Stammspieler aufgrund einer Gelb-Sperre fehlen werden, macht die Aufgabe allerdings nicht leichter.