"Kreativ sein": Warum Breitenreiter beim Jubeln noch aufpassen muss

Beim Auswärtsspiel des F.C. Hansa Rostock in Würzburg wird André Breitenreiter am Samstag erstmals in der 3. Liga auf der Trainerbank sitzen. Im Fall eines Torjubels muss der 53-Jährige allerdings noch aufpassen.

An der Schulter operiert

Rund sieben Wochen ist es her, dass Breitenreiter an der Schulter operiert werden musste. "Ich habe mich damit lange herumrumgeplagt, und es war dann der richtige Zeitpunkt dafür", sagte der neue Hansa-Coach bei der Spieltag-Pressekonferenz am Donnerstag. Was die Heilung angeht, sei er "sehr weit voraus", berichtete der 53-Jährige. Eingeschränkt werde seine Arbeit auf dem Trainingsplatz dadurch nicht. "Nur beim Jubeln muss ich aufpassen, dass mir niemand zu doll die Hand schüttelt, damit ich keine unkontrollierte Bewegung mache. Da werde ich sehr kreativ sein."

Die Länderspielpause hat der Nachfolger von Daniel Brinkmann nach eigenen Angaben vor allem dazu genutzt, den Verein und sein neues Umfeld kennenzulernen. Er habe zahlreiche Gespräche geführt, um möglichst schnell Vertrauen aufzubauen und zu wissen, "mit wem man es zu tun hat". Gleichzeitig seien die ersten inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt worden. Ziel sei es gewesen, den Spielern mehr Sicherheit in ihren Aufgaben und Positionen zu vermitteln. Dass dieser Prozess Zeit benötige, ist ihm bewusst: "Es hat, glaube ich, auch keiner die Erwartungshaltung, dass das jetzt nach 14 Tagen abgeschlossen ist." Man habe jedoch erste Schritte gemacht und befinde sich "auf einem guten Weg".

Breitenreiter warnt vor überzogenen Erwartungen

Mit Blick auf die Defensivprobleme der bisherigen Saison (15 Gegentore in sieben Spielen) warnte Breitenreiter zugleich vor überzogenen Erwartungen. "Es ist keine Zauberei und keine Magie, wenn irgendjemand Neues kommt, dass dann gleich alles komplett abgestellt ist", machte er klar. Entscheidend sei die Bereitschaft der Spieler, die Inhalte aufzunehmen. Die Intensität in den ersten beiden Wochen sei hoch gewesen, die Mannschaft habe versucht, die Vorgaben "mit toller, positiver Energie" umzusetzen. Für das Spiel in Würzburg seien daher einige Details gezielt angesprochen worden, um jedem Spieler eine klare Struktur und Orientierung zu geben. "In der Hoffnung, dass wir vielleicht auch schon am Wochenende dort einen kleinen Schritt Richtung Entwicklung machen können."

Grundsätzlich sieht Breitenreiter im Kader eine gute Basis für die kommenden Aufgaben. Er lobte die Hierarchie innerhalb der Mannschaft, den Konkurrenzkampf sowie die Akzeptanz unterschiedlicher Rollen. Jeder Spieler müsse verstehen, dass er seinen Anteil am Erfolg habe. Besonders wichtig seien ihm jedoch Eigenschaften gegen den Ball. "Wir müssen gemeinsam verteidigen, wir brauchen Rettermentalität, wir brauchen diesen unbändigen Willen und die Bereitschaft, Zweikämpfe zu führen und diese auch zu gewinnen", betonte der Trainer. Das habe weniger mit Taktik als vielmehr mit der Einstellung jedes Einzelnen zu tun.

Stock wieder im Training

In der Offensive macht sich Breitenreiter dagegen vergleichsweise wenig Sorgen. Mit zunehmender Zeit werde die Mannschaft im Ballbesitz mehr Torchancen kreieren können. "Da werden wir hinkommen. Das ist für mich die geringste Sorge", sagte er. Der Schlüssel für eine positive Entwicklung liege vielmehr darin, als Team stabiler zu verteidigen. Gelinge das, ist er überzeugt, dass Hansa "sehr schnell auch sehr gute Entwicklungssprünge" machen könne.

Große Fortschritte hat zuletzt auch Paul Stock gemacht. Nach seinem Muskelbündelriss ist der Mittelfeldspieler wieder im Training, für Samstag aber keine Option. Emil Holten steht dagegen wieder vollständig zur Verfügung, während hinter den Einsätzen der Nationalspieler Florian Bohnert und Jaaso Jantunen noch ein Fragezeichen steht. "Da werden wir morgen die letzte Entscheidung treffen, inwieweit sie ein Thema für die Startelf oder den Kader sind." Und sollte es in Würzburg dann etwas zu jubeln geben, "werde ich mir den Jubel auch nicht verkneifen", so Breitenreiter.

   

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