Boyds Hattrick: "Der Alte kann doch noch ein bisschen kicken"
Mit einem Hattrick als Joker war Terrence Boyd am Sonntagabend im Heimspiel des SV Waldhof Mannheim gegen Hoffenheim II maßgeblich daran beteiligt, dass die Buwe die Partie nach einem 0:1-Rückstand zur Pause noch drehen konnten. Im Nachgang erklärte der 35-Jährige, warum ihm der Hattrick besonders viel bedeutet.
"Hatte mehr gelbe Karten als Torchancen"
Nein, es war bislang nicht die Saison des Terrence Boyd. Nachdem sich der Angreifer zum Ende der vergangenen Saison überlegt hatte, sein Karriereende doch nochmal zu verschieben, reichte es vor Sonntagabend erst zu fünf Einsätzen von 104 Minuten. Ein Treffer gelang ihm dabei nicht. Und das, obwohl der US-Amerikaner in der vergangenen Saison noch zwölfmal getroffen hatte. "Ich habe in dieser Saison mehr gelbe Karten als Torchancen gehabt", sagte Boyd am Sonntagabend im "MagentaSport"-Interview. Schlimmer sei nur noch gewesen, "dass ich in den letzten Wochen und Monaten in der Kabine angefangen habe, in der Vergangenheit zu reden: 'Ich war ja mal gut, ich zeige es aber nicht mehr.' Und das ist ganz, ganz peinlich."
Doch gegen Hoffenheim II zeigte es Boyd nochmal allen. Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung erzielte der Stürmer das 2:1, legte zehn Zeigerumdrehungen später das 3:1 nach und schnürte in der Nachspielzeit gar einen Hattrick. "Es hat gut getan, dass ich den Jungs zeigen kann: Der Alte kann doch noch ein bisschen kicken und weiß, wo das Tor steht", grinste der 35-Jährige. In der langen Karriere des Angreifers war es erst sein zweiter Hattrick. "Ich bin wirklich im Spätherbst", meinte Boyd, der den Spielball als Andenken mitgenommen und diesen unter sein Trikot gesteckt hatte. "So sehe ich bei meinem Lebensstil wahrscheinlich in acht Monaten aus", lachte der Stürmer.
Mota: "Er hat sich das wirklich verdient"
Für Erheiterung sorgte auch sein Torjubel zum 2:1 vor der leeren Fankurve, die aufgrund eines DFB-Urteils wegen der Vorfälle im Pokalspiel gegen Kaiserslautern geschlossen bleiben musste. "Das war ein bisschen seltsam und erinnerte an die Corona-Spiele. Es ist verdammt schwer, als Mannschaft, was die Körpersprache angeht. Ich bin ein bisschen beschränkt im Kopf. Deswegen habe ich mir vorgenommen, vor der leeren OST (Otto-Siffling-Tribüne; d. Red) zu jubeln. Wir haben es gut gerettet."
Auch Trainer Rui Mota freute sich für den Angreifer – und hatte nach dessen Treffer zum 3:1 emotional gejubelt: "Weil wir dann zwei Tore vorne lagen", erklärte er. "Terrence hat sich das auch wirklich verdient. Er kämpft an unserer Seite, ist immer bei uns und immer positiv – auch wenn er nicht spielt. Wir kennen seine Situation und sind sehr happy, dass er reinkommen und die entscheidenden Tore machen kann. Wir sind sehr glücklich. Er hat sich heute belohnt." Dass seine Mannschaft die Partie nach dem frühen Rückstand in der 3. Minute noch gedreht habe, "zeigt den Charakter".
Derby gegen den FCS steht an
Mit dem Sieg beendete der Waldhof die Serie von zwei Niederlagen und rückte in der Tabelle auf Platz 7 vor. Am nächsten Sonntag kommt es nun zum Derby beim 1. FC Saarbrücken, der nur noch einen Punkt vor den Buwe steht. Ob Boyd dann wieder trifft? "Wir werden alles reinwerfen und wollen das Momentum mitnehmen", kündigte er an. Vincent Thill wird nach seiner fünften gelben Karte allerdings nicht dabei sein.