21. November 2016 um 14:59 Uhr

Strittige Szenen am 15. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Team2

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Die Elfmeter für Bremen und Münster, die Platzverweise gegen Kofler und Beck, die nicht gegebenen Treffer von Großaspach und Osnabrück, die nicht gegebenen Elfmeter für Chemnitz und Köln, das 1:1 von Kiel und ein Foul von MSV-Keeper Flekken. Am 15. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de neun strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Nach einem langen Ball kämpfen Marco Kofler (Hansa Rostock) und Ousman Manneh (Werder Bremen II) um das Spielgerät, der Bremer geht dabei zu Boden. Schiedsrichter Bastian Börner entscheidet auf Elfmeter und zeigt Kofler zudem die Rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 1:25]

Babak Rafati: Manneh lässt den Ball am Oberarm abprallen, es liegt somit ein absichtliches Handspiel vor, bevor sich überhaupt die Frage nach dem Foulspiel stellt. Der Schiedsrichter schaut von hinten auf die Szene und hat daher nicht einen optimalen Blick zum Vorgang. Der Assistent hatte von der Seite eine bessere Sicht und hätte dem Schiedsrichter helfen können. Es hätte folglich einen Freistoß für Rostock und die gelbe Karte gegen Manneh wegen absichtlichem Handspiels geben müssen. Daher liegt eine Fehlentscheidung vor. Selbst wenn kein Handspiel vorgelegen hätte, wäre zumindest die nachfolgende rote Karte eine Fehlentscheidung, da der Stürmer keine Ballkontrolle hatte und somit keine klare Torchance vorgelegen hätte. Der Platzverweis gegen Kofler ist somit ebenfalls nicht korrekt.

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Hinweis: Babak Rafati hat diese Szene nachträglich nochmals geprüft und anhand von anderen TV-Bildern neu bewertet.

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Szene 2: Jeremias Lorch (SG Sonnenhof Großaspach) bringt den Ball im Tor unter, Schiedsrichter Benjamin Bläser gibt den Treffer aufgrund eines zuvor begangenen vermeintlichen Fouls von Daniel Hägele (SGS) an Nico Hammann (FCM) allerdings nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:55]

Babak Rafati: Beim Kopfballzuspiel zum Torschützen lässt der gut postierte Schiedsrichter zunächst das Spiel weiterlaufen. Einigen Sekunden nach Torerzielung pfeift der Schiedsrichter die Aktion ab, was regeltechnisch auch möglich ist. Vermutlich hat dann der Assistent aus einer ungünstigeren Position den Schiedsrichter überstimmt und ein Foulspiel moniert. Hier hätte der Schiedsrichter seiner eigenen Wahrnehmung Vertrauen sollen. Bei diesem Zweikampf ist kein Foulspiel zu erkennen, der Angreifer geht nur zum Ball, auch wenn es zum Körperkontakt kommt. Hier hat der Assistent, wenn er es tatsächlich entschieden hat, seine Kompetenz überschritten. Eine Fehlentscheidung das Tor abzuerkennen, denn es lag ein korrekter Zweikampf vor.

Szene 3: Christian Beck (1. FC Magdeburg) fährt gegen Kai Gehring (SG Sonnenhof Großaspach) leicht den Fuß aus und sieht dafür Rot. [TV-Bilder – ab Minute 6:25]

Babak Rafati: Zunächst einmal zieht Gehring seinem Gegenspieler etwas länger am Trikot, obwohl der Ball nicht in unmittelbarer Spielnähe ist – eine Provokation. Als Beck sich das nicht gefallen lassen will, fährt er sein Bein leicht nach hinten aus und handelt ebenso unsportlich. Jedoch begeht er keine Tätlichkeit, denn ein Nachtreten oder Ähnliches liegt nicht vor. Man kann nicht genau erkennen, ob der Schiedsrichter die Aktionen selbst gesehen hat oder aber der Assistent den Vorgang an den Schiedsrichter gemeldet hat. Hier wären jeweils Gelb angebracht gewesen, somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 4: Nach einem Zweikampf zwischen Daniel Frahn (Chemnitzer FC) und Dominik Schmidt (Holstein Kiel) geht der Chemnitzer im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Patrick Alt lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 50:30]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und hat freie Sicht zum Zweikampf. Bei diesem Luftduell liegt gesunde Härte von Schmidt gegen Frahn vor, wie wir es häufig im Fußball erkennen. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 5: Holstein Kiel trifft zum 1:1, die Chemnitzer Spieler reklamieren beim Zuspiel von Milad Salem Handspiel. Cortus gibt den Treffer dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 4:35]

Babak Rafati: Es ist kein Handspiel von Salem erkennbar, sondern ein Abstoppen des Balles mit der Brust. Eine richtige Entscheidung, das Spiel weiterlaufen zu lassen und das Tor anzuerkennen.

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Szene 6:  Frankfurt-Angreifer Fabian Schleusener läuft frei auf das Tor zu und wird von MSV-Keeper Mark Flekken außerhalb des Strafraums gefoult. Schiedsrichter Frank Willenborg entscheidet auf Vorteil und lässt die Partie weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 2:45]

Babak Rafati: Flekken will bei seinem Abwehrversuch nur den Angreifer auf dem Weg zum eigenen Tor aufhalten, da er erkennt, dass er nicht mehr an den Ball herankommt. Wenn der Schiedsrichter hierbei auf Vorteil entscheidet, was in dieser Situation nicht glücklich ist, dann kann er seit Beginn dieser Saison, bei einer Torverhinderung nach vorangegangener Vorteilsauslegung, nachträglich eine rote Karte aussprechen, wenn anschließend der Vorteil nicht eintritt und doch kein Tor erzielt wird. Warum der Schiedsrichter zumindest nachträglich, nach Abschluss des Angriffs, dem Torhüter die nicht rote Karte zeigt, bleibt fraglich. Eine Fehlentscheidung.

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Szene 7: Nach einem leichten Kontakt von Jonas Struss (Rot-Weiß Erfurt) geht Tobias Rühle (Preußen Münster) im Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Alexander Sather entscheidet auf Elfmeter. [TV-Bilder – ab Minute 2:25]

Babak Rafati: Auch hier steht der Schiedsrichter recht gut und kann den Zweikampf sehr gut einsehen. Rühle dreht sich selbst in den Verteidiger von Erfurt hinein und lässt sich anschließend spektakulär im gegnerischen Strafraum fallen. Hier wäre Weiterspielen die einzig richtige Entscheidung gewesen, somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 8: Tobias Willers trifft zum 2:1 für den VfL Osnabrück, Referee Dr. Martin Thomsen gibt den Treffer aufgrund eines vermeintlichen Foulspiels an Gerrit Wegkamp jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 2:50]

Babak Rafati: Willers drückt seinen Gegenspieler bei einem Kopfball regelwidrig zu Boden, sodass dieser gar nicht hochspringen und somit nicht verteidigen kann. Hier liegt ein Foulspiel vor und daher eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, dieses Tor nicht anzuerkennen.

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Szene 9: René Lange (FSV Zwickau) bringt Michael Kessel (Fortuna Köln) im Strafraum zu Fall – kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Daniel Riehl. [TV-Bilder – ab Minute 2:05]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht eigentlich optimal, zögert aber einen Moment und gibt dann doch nicht den fälligen Strafstoß. Man sieht eindeutig, wie Lange Kessel im eigenen Strafraum zu Fall bringt. Zudem ist sehr gut erkennbar, dass der Ball nicht gespielt worden sein kann, da sich die Richtung bzw. Flugbahn des Balles überhaupt nicht verändert. Eine Fehlentscheidung, denn es hätte für diese klare Aktion Strafstoß geben müssen.

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  • DM von 1907

    "Manneh lässt den Ball am Oberarm abprallen, es liegt somit ein
    absichtliches Handspiel vor, bevor sich überhaupt die Frage nach dem
    Foulspiel stellt. […] Es hätte folglich einen Freistoß für Rostock und die gelbe Karte
    gegen Manneh wegen absichtlichem Handspiels geben müssen."

    Rafati hat gar nichts vergessen zu beurteilen. Er hat alles richtig bewertet!

    • Ole Scheller

      Dort steht das die Szene erneut beurteilt wurde, mit nun anderem Ausgang!! Bitte alles lesen bevor man meint es besser zu wissen!

  • Ole Scheller

    Zur Szene in Rostock hat Herr Rafati vergesse zu erwähnen das Manneh den Ball beim Annhemen mit der Hand spielt. Somit wäre FS für Rostock die einzig richtige Entscheidung gewesen.

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