"Geht nur hier und in Hollywood": Remmert stellt Drittliga-Rekord auf
Bis in die Schlussphase hinein lag der MSV Duisburg im Heimspiel gegen Hoffenheim II mit 0:2 hinten, es droht die erste Heimpleite seit Januar 2025. Doch dann kam Peter Remmert, drehte die Partie binnen sechs Minuten mit einem Hattrick und stellte damit einen Drittliga-Rekord auf.
"Es ging alles ziemlich schnell"
Einen Hattrick zu erzielen, das ist in der Geschichte der 3. Liga schon vielen Spielern gelungen. Doch nie zuvor fielen diese Treffer in nur sechs Minuten. Bisher lag der Rekord bei sieben Minuten. Aufgestellt von Ali Lukunku im Trikot des FC Erzgebirge Aue im März 2009. Das ist über 17 Jahre her. Remmert war zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Jahre alt – und noch im Kindergarten. Doch als er nach der Partie zum Interview mit "MagentaSport" kam, war ihm nicht anzumerken, dass er gerade Drittliga-Geschichte geschrieben hatte. Es wirkte eher so, als hätte er noch gar nicht realisiert, was ihm gerade gelungen war.
"Es ging alles ziemlich schnell", blickte er auf seinen Sechs-Minuten-Hattrick zurück – und gab sich ganz bescheiden, als es um die Entstehung der Treffer ging. Beim 1:2 etwa habe er "ein bisschen Glück gehabt, dass der Ball direkt vor meinen Füßen landet". Beim 2:2 habe er den Ball "gar nicht so optimal getroffen", zudem sei die Vorarbeit von Lobinger "überragend" gewesen. Und das 3:2 schrieb der Stürmer den Fans zu: "Nach dem 2:2 ist das Stadion explodiert, und dann ist es für jeden Gegner schwer, da standhaft zu bleiben." Die Fans riefen Remmert im Anschluss an die Partie mit Sprechchhören auf den Zaun, zuvor hatte er sich den Spielball als Andenken gesichert.
Hirsch lobt und tadelt: "Grottenschlechte erste Halbzeit"
Doch wie ist es zu erklären, dass die Zebras nach einem 0:2-Rückstand das Spiel auf diese Art und Weise noch gedreht haben? "Was uns in dieser Saison auszeichnet, ist einfach, dass wir die Ruhe bewahren und nochmal alles raushauen. Gerade in Heimspielen können wir die Qualitäten zeigen, die wir haben", analysierte Remmert, der nun bereits bei fünf Toren steht. Und das, obwohl er an den ersten drei Spieltagen nicht mal im Kader stand. "Ich hatte keine einfache Zeit am Anfang, habe mich aber trotzdem immer wohlgefühlt und das Vertrauen von allen bekommen. Das ist bei jedem so. Jeder hat das gleiche Standing in der Mannschaft und jeder wird gebraucht. Das ist das, was uns dieses Jahr auszeichnet."
Auch Trainer Dieter Hirsch sprach diesbezüglich von einem "besonderen Charakter" der Mannschaft und meinte: "So ein Spiel noch umzubiegen, das geht nur hier und in Hollywood. Das ist unfassbar und unglaublich." Im Gegensatz zu Remmert war der 54-Jährige noch auf Betriebstemperatur und stimmlich zudem angeschlagen. Allerdings nicht aufgrund der Halbzeitansprache, die durchaus etwas lauter ausgefallen sei, "sondern weil ich versucht habe, die Jungs in der ersten Halbzeit zu pushen". Wie Hirsch berichtete, sei er "ein bisschen konsterniert" von der Leistung vor der Pause gewesen. Der MSV-Coach sprach von einer "wirklich grottenschlechten ersten Halbzeit". Diese sei "das Schlechteste" gewesen, "seit ich hier bin". Hirsch monierte: "Wir haben keine Zweikämpfe geführt, hatten keine Intensität und keine Sprints. Da waren wir alle schwach."
Schon sechs Punkte vor Essen
Erst mit einer Umstellung zu Beginn der zweiten Halbzeit und einem Dreifachwechsel fanden die Hausherren besser rein und wurden dadurch offensiver – gezwungenermaßen. "Uns war dann irgendwann scheißegal, ob wir das dritte Gegentor kassieren. Wir mussten versuchen, den Anschluss zu schaffen", erklärte Hirsch den Matchplan, der letztlich aufging. Auch wenn die Zebras Glück hatten, nicht das 0:3 kassiert zu haben. "Wir sind dann in einen Flow gekommen, und dann ist das alles nicht zu erklären. Das ist wirklich diese Mentalität, diese Wucht und diese Leidenschaft", lobte Duisburgs Coach die Reaktion, sagte aber auch: "Ich will nicht immer so laut sein wie in der Halbzeit. Das gefällt mir nicht, das muss nicht sein. Wenn ich über 90 bis 100 Minuten so laut sein muss, dann muss ich mein Coaching wieder etwas ändern."
Er müsse nun schauen, "dass ich jetzt wieder runterkomme und den Puls unter 100 bekomme": Viel Zeit bleibt dafür nicht, schließlich geht es schon am Dienstag in Saarbrücken weiter. Ob Remmert dann wieder trifft? Der Stürmer blieb bescheiden: "Jetzt heißt es morgen und übermorgen ausruhen, aber auch gleichzeitig auf das nächste Spiel vorbereiten. Und dann wollen wir die nächsten drei Punkte holen." Um die Tabellenführung nach sieben Siegen in acht Spielen weiter auszubauen. Schon jetzt beträgt der Vorsprung auf Rot-Weiss Essen (3.) sechs Punkte. Auch wegen solcher Spiele wie am Samstagnachmittag.