"Geschlossenheit": Wie Breitenreiter die Kogge auf Kurs bringen will

Mit André Breitenreiter hat der F.C. Hansa Rostock einen Trainer verpflichtet, der bereits Meister in der Schweiz wurde und zweimal in die Bundesliga aufstieg. Bei seiner Vorstellung am Donnerstag erläuterten Sportchef Amir Shapourzadeh und der 51-Jährige, wie die Zusammenarbeit zustande kam und mit welchen Vorstellungen Breitenreiter die Kogge künftig führen will.

Früher Kontakt, schnelle Einigung

Wie Sportchef Amir Shapourzadeh laut der "Ostsee-Zeitung" berichtete, hatte er bereits am Montag vergangener Woche erstmals Kontakt zu Breitenreiter aufgenommen und sich nach dessen aktueller Situation erkundigt. Noch am selben Abend sei die Entscheidung gereift, Daniel Brinkmann zu beurlauben. Einen Tag später machte der F.C. Hansa die Trennung offiziell. Die endgültige Einigung mit Breitenreiter sei schließlich am vergangenen Montag erzielt worden. Für Shapourzadeh ist die Verpflichtung des neuen Trainers ein bedeutender Schritt. Der Sportchef verwies auf dessen bisherige Erfolge und betonte die Bedeutung seiner Erfahrung. "Natürlich macht uns das stolz, mit André Breitenreiter einen Trainer verpflichtet zu haben, der in der Schweiz Meister geworden und zweimal in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist."

Gleichzeitig hob der 43-Jährige hervor, dass Breitenreiter nicht nur sportliche Kompetenz mitbringe, sondern sich auch mit dem Verein identifiziere. Nun gehe es zunächst darum, gemeinsam mit Neu-Co-Trainer Timo Struckmeier im Klub anzukommen und die handelnden Personen kennenzulernen. Dafür habe es bereits einen "lustigen Abend im Staff gehabt, damit sich alle gut kennenlernen. Das Ganze geschah in guter Atmosphäre."

"So gut wie keinen Punkt gefunden, der …"

Breitenreiter selbst stellte bei seiner Vorstellung zunächst das persönliche Kennenlernen in den Vordergrund. Der Austausch mit Mitarbeitern und Verantwortlichen sei ihm besonders wichtig gewesen. "Das war wirklich eine nette Runde. Das war mir unheimlich wichtig, zunächst alles kennenzulernen." Auch die ersten Eindrücke vom Verein hätten seinen positiven Gesamteindruck bestätigt.

Nach seiner letzten Station bei Hannover 96 hatte der 51-Jährige zunächst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Eine Borreliose-Erkrankung habe ihn längere Zeit beschäftigt, inzwischen gehe es ihm aber wieder gut. Bei seiner Entscheidung für den FCH habe er nun "so gut wie keinen Punkt gefunden, der gegen Hansa Rostock spricht". Dabei sei ihm vor allem wichtig, dass innerhalb des Vereins ein gemeinsames Verständnis entwickelt werde. "Das Verständnis für Gemeinsamkeit muss da sein. Man muss auf die Menschen im Verein zugehen. Ich will jemand sein, der es ehrlich meint."

Positive Worte fand Breitenreiter auch für die bisherigen Interimscoaches Yannic Thiel und Adam Susac, die nach der Trennung von Brinkmann die Verantwortung übernommen und vier Punkte aus zwei Spielen geholt hatten. "Sie haben die Mannschaft in einer schwierigen Phase toll betreut. Das habe ich ihnen auch gesagt." Mit seinem neuen Assistenten Timo Struckmeier verbindet ihn bereits eine längere gemeinsame Vergangenheit. Breitenreiter erinnerte dabei an ein Spiel von Hannover 96 II im Ostseestadion, bei dem sein neuer Co-Trainer die besondere Atmosphäre bereits kennengelernt habe. "Damals war Timo schon von der Atmosphäre hier begeistert. Er ist jetzt Teil des Trainerteams und auf Augenhöhe mit den anderen."

Geschlossenheit als Grundlage

Die ersten Trainingseindrücke fielen für Breitenreiter positiv aus. Zwar habe zunächst das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund gestanden, dennoch habe er eine gute Stimmung und hohe Motivation wahrgenommen. In den kommenden Tagen soll dieser Prozess fortgesetzt werden, ehe die inhaltliche Arbeit intensiviert wird. "Ab der kommenden Woche werden wir detaillierter in die ganze Sache gehen." Grundsätzlich sieht der neue Trainer die mannschaftliche Geschlossenheit als entscheidenden Faktor für den weiteren Saisonverlauf. Ein wichtiger Bestandteil davon sei eine offene Kommunikation. Breitenreiter kündigte an, sowohl für die Spieler jederzeit ansprechbar zu sein als auch selbst aktiv den Austausch zu suchen. "Meine Tür ist offen. Wenn jemand was auf dem Herzen hat, kann er immer zu mir kommen."

Sportlich will der 51-Jährige keine starre Ausrichtung vorgeben. Ob Hansa künftig mit Dreier- oder Viererkette spielt – bei früheren Stationen ließ der gebürtige Niedersachsen meist im 4-4-2 spielen -, werde sich anhand des vorhandenen Personals und der jeweiligen Anforderungen entscheiden. Wichtig sei ihm vor allem, dass die Mannschaft flexibel agieren und aus unterschiedlichen Grundordnungen heraus erfolgreich sein könne.

Inhaltlich setzt Breitenreiter auf einen zielgerichteten Ansatz. Nicht die reine Ballbesitzquote stehe im Mittelpunkt, sondern der Ertrag daraus. "Es ist nicht die Frage, wie viel Prozent Ballbesitz man im Spiel hat, sondern wie hoch die Qualität des Ballbesitzes ist." Seine Mannschaft solle mutig nach vorne spielen und immer wieder Lösungen finden, um schnell in gefährliche Räume zu kommen, ohne dabei die notwendige Stabilität zu verlieren.

"Ich sehe sehr viel Potenzial"

Dass mit dem Traineramt in Rostock hohe Erwartungen verbunden sind, ist Breitenreiter bewusst. Die ambitionierten Ziele des Vereins seien einer der Gründe gewesen, die ihn gereizt hätten. Gleichzeitig gehöre Druck bei einem Klub wie Hansa automatisch dazu. "Wenn man ambitioniert arbeiten möchte, und Hansa ist ambitioniert, ist man einem gewissen Druck ausgesetzt." Trotz seiner bislang fehlenden Erfahrung als Trainer in der 3. Liga fühlt sich Breitenreiter gut vorbereitet. Die Liga habe er in den vergangenen Jahren intensiv verfolgt. "Es ist klar, dass ich noch nicht in der 3. Liga trainiert habe. Ich habe aber zu Hause den bekannten Streaming-Dienst-Anbieter, wo ich Spiele verfolgen konnte. Es ist eine intensive Liga, das wissen wir."

Großes Potenzial sieht der neue Cheftrainer zudem im aktuellen Kader. Er sei von der vorhandenen Qualität überzeugt und wolle diese nun gemeinsam mit der Mannschaft abrufen. Dabei setzt Breitenreiter auch auf klare Führungsstrukturen innerhalb des Teams. "Jeder Trainer wünscht sich in einem Team zwei bis drei Spieler, die mit dem Trainer den Ton angeben." Leistung und Erfahrung seien für diese Rolle unverzichtbar. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sieht der 51-Jährige jedenfalls als gegeben an. "Ich sehe sehr viel Potenzial, erfolgreich arbeiten zu können. Ich bin von der Qualität überzeugt, die im Kader steckt." Nun gehe es darum, dieses Potenzial Schritt für Schritt auf den Platz zu bringen.

   

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