Fehlentscheidungen: Wer am häufigsten benachteiligt wurde

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Jeden Spieltag analysiert Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de die strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen des vergangenen Wochenendes. Nach 15 Spieltagen ist es an der Zeit, die Szenen einmal auszuwerten. liga3-online.de zeigt, wer am häufigsten benachteiligt wurde und wer am häufigsten profitierte.

Münster schon achtmal benachteiligt

150 Spiele, 136 strittige Szenen, 77 Fehlentscheidungen – das ist das Ergebnis nach Auswertung der von Babak Rafati analysierten Schiedsrichter-Entscheidungen. Am häufigsten benachteiligt wurde bisher der SC Preußen Münster. In den Spielen gegen Jena, Osnabrück und Meppen wurde den Adlerträgern jeweils ein Elfmeter verweigert, gegen Kaiserslautern waren es sogar derer zwei. In der Partie beim FCK hätte Lauterns Gino Fechner zudem vom Platz gestellt werden müssen, gleiches gilt für Romuald Lacazette beim Spiel gegen 1860 München. Zudem war der Platzverweis für Simon Scherder beim Spiel gegen Cottbus falsch – macht in der Summe somit acht Entscheidungen, die zuungunsten des SC Preußen gepfiffen wurden. Damit führt Münster die Rangliste an.

Mit jeweils sieben Fehlentscheidungen gegen sich folgen Hansa Rostock und der TSV 1860. Während Hansa in den Spielen gegen Würzburg (2), Wiesbaden, 1860 und Köln (je 1) bereits fünf irreguläre Treffer hinnehmen musste, sah sich der TSV vier fehlerhaften Elfmeterentscheidungen ausgesetzt: So waren die Strafstöße für Unterhaching und Halle falsch, zudem hätten die Löwen bei den Partien gegen Großaspach und Halle jeweils einen Elfmeter bekommen müssen. Dem SV Meppen wurden unterdessen schon zwei berechtigte Tore verwehrt (gegen Osnabrück und in Cottbus), zudem mussten die Emsländer ein irreguläres Tor der SpVgg Unterhaching gegen sich hinnehmen.

Elfmeter-Pech beim KSC

Den vierten Rang belegt indes der Karlsruher SC, der gleich sechs Mal bei Strafstoß-Entscheidungen den Kürzen zog: Während die Elfmeter für Wiesbaden und Meppen unberechtigt waren, wurde den Badenern gegen Köln, Rostock, Wiesbaden und Würzburg jeweils ein Strafstoß verwehrt. Auch der FSV Zwickau musste bereits fünf falsche Elfmeter-Entscheidungen gegen sich hinnehmen: Die Strafstöße für Braunschweig und Jena waren unberechtigt, außerdem hätten die Westsachsen gegen Köln, Aalen und Cottbus jeweils einen Elfmeter bekommen müssen.

Der Hallesche FC, deren Trainer Torsten Ziegner zuletzt mehrfach Kritik an den Unparteiischen geäußert hatte, wurde bisher fünfmal benachteiligt – vor allem bei Platzverweisen: So waren die roten Karten für Braydon Manu in Uerdingen und für Toni Lindenhahn in München falsch, auch Julian Guttaus gelb-rote Karte in Wiesbaden war eine Fehlentscheidung. Außerdem hätte Jenas Justin Schau am 3. Spieltag beim Auswärtsspiel des HFC in Jena Rot sehen müssen.

Kaiserslautern zog in vier Szenen den Kürzen, hatte aber nur beim Spiel in Zwickau, als den Roten Teufeln ein Elfmeter verwehrt wurde und der FSV einen unberechtigten Elfmeter erhielt, so richtig Pech – die anderen beiden Situationen bei der Partie gegen Lotte waren nicht spielentscheidend.

Die wenigsten Fehlentscheidungen mussten bislang Aalen, Cottbus (2) und Osnabrück (1) hinnehmen. Noch gar nicht benachteiligt wurden Großaspach und Fortuna Köln. Auffällig: Vor allem bei Elfmetersituationen lagen die Unparteiischen oft daneben – sie machen 43 der 77 Fehlentscheidungen aus. Die Übersicht:

Erläuterungen:

  • Tor: Eigenes Tor wird aberkannt oder Gegentor durch Fehlentscheidung (Abseits, Foulspiel vorangegangen etc.)
  • Elfmeter: Elfmeter wird nicht gegeben oder unberechtigter Elfmeter gegen sich
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen sich oder Gegner erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

Kaiserslautern profitierte am häufigsten

Der Blick auf die andere Seite zeigt: Der 1. FC Kaiserslautern profitierte bisher am häufigsten von Fehlentscheidungen beim Gegner (siebenmal). Besonders die Tatsache, dass Münster (2), Lotte, Aalen, Jena und Rostock (je 1) keinen Elfmeter erhielten, kam den Roten Teufeln zu Gute. Außerdem hatte die Elf von Trainer Michael Frontzeck Glück, dass Gino Fechner beim Spiel gegen Münster nicht vom Platz gestellt wurde.

Die Würzburger Kickers profitierten unterdessen von gleich vier irregulären Treffern bei den Partien gegen Rostock (2), Cottbus und Unterhaching (je 1). Auch Wiesbaden, 1860 München und Energie Cottbus bekamen jeweils sechs Szenen zu den eigenen Gunsten ausgelegt. Bei 1860 etwa hätte zwei Tore nicht zählen dürfen, Der FSV Zwickau erhielt zudem zwei unberechtigte Elfmeter (gegen Kaiserslautern und Unterhaching) und hatte auf der anderen Seite Glück, dass die Strafstöße für Kaiserslautern und Würzburg nicht gepfiffen wurden. Tabellenführer Osnabrück profitierte von falschen Elfmeter-Entscheidungen bei den Partien gegen Münster, Jena und Braunschweig. Haching und 1860 hatten bei jeweils drei Tor-Entscheidungen Glück, Meppen profitierte bei drei Strafstoß-Pfiffen und Rostock bei derer zwei.

Kurios zudem: Während der SC Preußen Münster am häufigsten benachteiligt wurde, sind die Adlerträger der einzige Drittligist, der bisher von keiner Fehlentscheidung profitierte. Auch Uerdingen, Lotte (je 2), Karlsruhe und Großaspach (je 1) bekamen bisher vergleichsweise selten falsche Entscheidungen zu den eigenen Gunsten gepfiffen.

Insgesamt lagen die Schiedsrichter bei 77 von 136 analysierten Entscheidungen daneben, was einer Quote von 56 Prozent entspricht. Nur bei 59 strittigen Entscheidungen (44 Prozent) entschieden die Unparteiischen richtig. Dazu passend: Im "Kicker" übten mehrere Vereine am Montag Kritik an den Schiedsrichtern.

Erläuterungen:

  • Tor: Gegnerischer Treffer wird aberkannt oder eigener Treffer gegeben trotz Fehlentscheidung
  • Elfmeter: Gegner erhält berechtigten Elfmeter nicht oder unberechtigter Elfmeter erhalten
  • Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen den Gegner oder eigenes Team erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis

 

   
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