20. März 2017 um 12:01 Uhr

VfL Osnabrück: Ein gutes wie trügerisches Gefühl zugleich

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© imago/Picture Point

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3:0! Heimsieg! Über den Chemnitzer FC! Große Freude beim VfL Osnabrück, auch wenn das Ergebnis im größeren Kontext noch keine ausgelassenen Jubelstürme verursachte. Die letzten Wochen wirken nach und das gute Gefühl sorgt tief im Bauch doch noch für einige trügerische Stiche. Schaffen es die Lila-Weißen nun, durch den Erfolg wieder nachhaltig auf Kurs zu kommen?

Bloß nicht noch einmal vom Abstieg sprechen…

Das Wichtigste vorweg: Die Szenarien, die selbst Trainer Joe Enochs nach der 0:1-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt kurzzeitig in Erwägung gezogen hatte, werden beim VfL Osnabrück zu 99 Prozent nicht eintreffen. Der deutliche Heimerfolg lässt das Punktekonto auf 42 Punkte anwachsen – das sind satte 14 Zähler vor den Abstiegsplätzen bei noch zehn verbleibenden Spielen. Den Blick nach unten zu richten, wäre selbst mit chronischem Pessimismus kaum noch zu erklären. Stattdessen kann noch einmal verschärft über die oberen drei Plätze nachgedacht werden, auch wenn die Niedersachsen ihre exzellente Ausgangsposition zuletzt eingebüßt hatten. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass der VfL neben dem 1. FC Magdeburg, Holstein Kiel und Überraschungskandidaten wie den Aufsteigern Jahn Regensburg und Sportfreunde Lotte zu den Anwärtern auf den direkten und indirekten Aufstiegsplatz zählen wird. Wer weiß, vielleicht stößt sogar noch ein Team wie Halle oder Chemnitz hinzu – vieles erscheint aktuell möglich. Und das Enochs-Team ist (wieder) drin im Geschäft.

Ein Tag, an dem fast alles in eine Richtung lief

Was war am Samstag geschehen? Ja, es war einer dieser Tage, an dem von Beginn an vieles in die richtige Richtung lief. In schlechten Spielen hätte vielleicht schon der Distanzschuss von Anton Fink nach 150 Sekunden zum 0:1 eingeschlagen – aber Marius Gersbeck parierte zur Ecke. Schnell aber übernahm Osnabrück das Kommando und belohnte sich auch: Kwasi Wriedt lieferte eine tolle Vorlage, die Nazim Sangaré nur noch zu veredeln brauchte (23.), das 1:0 für die Hausherren. Weil Florian Hansch eine dicke Ausgleichschance liegen ließ, blieb es zur Pause bei diesem Spielstand. Nach dem Seitenwechsel hatte der VfL einen Gang zurückgeschaltet und jubelte plötzlich dennoch, als Marc Heider das Spielgerät nach einem Duell mit Kevin Conrad eiskalt rechts oben versenkte (66.). Ein umstrittener Treffer, Heider hatte Conrad zuvor zu Fall gebracht. Und auch dem entscheidenden 3:0 (70.) ging eine Gelb-Rote Karte für den CFC hervor, die nicht jeder so gezogen hätte.

7.277 Zuschauer bedeuten Saisonminusrekord

Schämen brauchte sich der VfL Osnabrück für die drei Punkte natürlich trotzdem nicht, ganz im Gegenteil: Der Sieg war und wird eminent wichtig sein, um die eigenen Fans zurück ins Boot zu holen. Dass gegen den eigentlich eher attraktiven Gegner aus Chemnitz ein Saisonminusrekord an der Bremer Brücke verzeichnet wurde, 7.277 Zuschauer waren am Samstagnachmittag gekommen, ist als deutliches Signal der Anhänger zu werten: Wir wollen Erfolg sehen, und zwar dauerhaft. Was käme besser gelegen, als beim direkten Mitkonkurrenten Jahn Regensburg am kommenden Wochenende einen Dreier nachzulegen und sich damit in jedem Fall wieder mitten ins Aufstiegsrennen zu befördern? Fußball kann so einfach sein, und in dieser 3. Liga erscheint auch für Lila-Weiß noch nichts verloren.

 

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