3. Juni 2014 um 22:44 Uhr

VfL: Saison durch Crowdfunding gesichert – Und dann?

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© Flohre

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Es gilt als bisher einzigartige Methode im deutschen Profifußball. Die sogenannte Schwarmfinanzierung, auch als ,,Crowdfunding” bezeichnet, verhalf dem VfL Osnabrück zur fristgerechten Einreichung der Lizenzunterlagen mit einem Beitrag von fast einer halben Million Euro, der innerhalb von nur knapp drei Tagen durch die Fans aufgebracht wurde. Wahnsinn. Am Tag der Abgabefrist teilten die Lila-Weißen mit, das 487.868 Euro auf dem Treuhandkonto eingegangen und die vom Deutschen Fußball Bund geforderte Liquiditätsreserve (950.000 Euro) nachgewiesen seien. Insgesamt beteiligten sich 1386 Investoren mit Beiträgen zwischen 50 und 50.000 Euro an dem Projekt. Ohne Frage, der enorme Rückhalt der Region überraschte einige Skeptiker und ließ die Lila-Weiße Fangemeinde ein Stück näher zusammenrücken. Dennoch darf man den weiteren Verlauf dieses mutig eingesetzten letzten Strohhalms nicht aus den Augen verlieren.

Saison gesichert – Und dann?

Die Darlehen der Anhänger sind auf eine Laufzeit von 18 Monaten ausgelegt, bei drei Prozent Zinsen. In den Informationen zur Aktion heißt es: ,,Der Darlehensbetrag ist zurückzuzahlen, wenn der Vertrag für das qualifiziert nachrangige Darlehen am 30.11.2015 durch Fristablauf endet (endfällige Rückzahlung zum 1.12.2015).” Auf dem VfL Osnabrück lastet ein immenser Schuldenberg von etwa 10 Millionen Euro, die Saison konnte wie auch in den vergangenen Jahren auf den letzten Drücker noch gesichert werden. Doch wie setzt sich der schier endlos wirkende Kreislauf fort? Trotz eines von der Stadt Osnabrück geforderten und erstellten Sanierungskonzepts plant der Verein auch in der kommenden Spielzeit mit einem Verlust. Durch die verpasste Teilnahme am DFB-Pokal fällt zudem ein Teil wichtiger Sondereinnahmen im sechsstelligen Bereich weg. Auch die vereinbarten Benefizspiele gegen einige Bundesligisten werden sich nicht jährlich wiederholen lassen. Wo ist also das Ende dieses Labyrinths, in welchem sich der Traditionsklub seit Jahren neue Wege zur Akquise von Geldern schaufelt? Setzt der VfL nicht sogar das Vertrauen seines wichtigsten Bestandteils aufs Spiel – die Treue der Fans? Ob und mithilfe welcher magischen Kräfte die Investoren ihren Beitrag wiedersehen werden bleibt ein Rätsel. Im Frühjahr 2013 waren es die lebenslangen Dauerkarten, durch den die Fans den Profifußball in Osnabrück am Leben hielten. Nun ist innerhalb weniger Tage vom ursprünglichen Plan-B, dem Crowdfunding, die letzte Chance geworden, um die Lizenz abermals nach langer Zitterpartie höchstwahrscheinlich zu sichern. Die Saison 2014/2015 wäre damit durchfinanziert – Und dann?

FOTO: Flohre Fotografie

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  • Oldenbürger

    Der Verein sollte den Mut aufbringen, ein klares Ziel zu formulieren: Liga 3 bei min. Finanziellem Aufwand halten.
    Das sollte klar auch an das Umfeld kommuniziert werden, die Erwartungen der Zuschauer an das Machbare herangeführt werden. Da muss dann nach Möglichkeit einige Zeit gegen den Abstieg gespielt werden, falls der VfL die nächste Lizensierung übersteht.

  • Adlerträger

    Kann mir einer Erklären warum Vereine wie Duisburg, Hansa und Osnabrück sich so einen Kader leisten können, aber regelmäßig um die lizenz zittern müssen. Soll jetzt keine Kritik an den Führungen sein, ich verstehs einfach nicht. Warum ist erst kein Geld da und dann so viel?

    • Jap

      weil es auch ablösefreie Spieler gibt. Wir (Hansa) haben uns (bis eventuell (!) auf Ziemer und Schwertfeger) für die kommende Saison dazu auch nicht gerade die teuersten Spieler (gehaltsmäßig) geleistet. Und auch sonst haben wir keinen Kader, bei dem man sagen muss, dass man sich den als Drittligist mit Lizenzproblemen an sich nicht leisten kann. Gleiches gilt übrigens für mich auch für Osnabrück.

    • Sano

      @ Adlerträger

      Ich schreibe es hier nun schon zum dritten Mal (ich habe im Übrigen das Gefühl, dass hier Kommentare abgegeben werden, ohne die vorherigen gelesen zu haben):
      der VfL Osnabrück wird in der neuen Saison einen deutlich günstigeren Kader haben als in der letzten!
      Kostenintensive Spieler wie Nagy, Grimaldi, Neumann und Spann haben den Verein verlassen, ebenso wie weitere Spieler wie Zenga und Testroet (waren ausgeliehen) und weitere die zum Kreis der Stammmannschaft gehörten.
      Dafür sind ausschließlich ablösefreie Spieler geholt worden von Absteigern der 3. Liga, von Viertligisten und jeweils 1 Spieler aus der 3. und 2. Liga.

      Wäre schön Adleträger wenn du mal aufzeigen würdest, wo du da das große und viele Geld fließen siehst.

      Mit diesem Kader ist der VfL meiner Meinung nach nicht Konkurrenzfähig und es sieht ganz danach aus, dass ihr Münsteraner in der nächsten Saison endlich mal vor den Osnabrückern stehen werdet.

      • Adlerträger

        Ob der neue Kader teurer als der alte ist kann ich nicht sagen., Ich finds aber irgendwie komisc, dass letztes Jahr (wo ja auch schon einige Vereine zittern mussten) Unterhaching mit Abstand den kleinsten Etat hatte und sich z.B. der MSV Spieler wie de Wit leisten konnte auch wenn sie ablösefrei waren. Haching hatte einen Etat von wenigen Millionen Euro und hatte die Lizenz (wie eng es war weiß ich nicht).Osnabrück hatte einen Etat von über 6 Mio. musste aber lange zittern. Warum?

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