28. August 2017 um 15:00 Uhr

Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Eibner

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Die nicht gegebenen Elfmeter für Rostock, Karlsruhe und Großaspach, das nicht anerkannte Tor für Rostock, zwei nicht gegebene Freistöße für Münster und Wiesbaden, das Foul von Stanese an Razeek und der Elfmeter zum 4:2 von Unterhaching. Am 6. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de acht strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Oliver Hüsing (Hansa Rostock) kommt nach einer Ecke im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Alexander Sather. [TV-Bilder – ab Minute 30:10]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut und hat trotz der Spieleransammlung im Strafraum von Münster das Geschehen im Blick. Hüsing will zum Schuss ausholen und kommt zu Fall. Ein Foulspiel ist nicht auszumachen. Der Verteidiger hinter ihm bleibt stehen und riskiert keinen Kontakt. Der Verteidiger vor ihm attackiert Hüsing auch nicht, richtet sich vielmehr zum Ball. In dieser undurchsichtigen Situation weiterspielen zu lassen, ist eine richtige Entscheidung.

Szene 2: Stefan Wannenwetsch (Hansa Rostock) kann Adriano Grimaldi (Preußen Münster) nur mit einem Foul stoppen, einen Freistoß für Münster gibt es aber nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:19:30]

Babak Rafati: Auch hier steht der Schiedsrichter gut zum Zweikampf. Wannenwetsch trifft bei seiner Attacke kurz vor dem eigenen Strafraum nur seinen Gegenspieler und bringt ihn dadurch um eine glasklare Torchance. Hier hätte kein Mitspieler mehr eingreifen können, da aber die Aktion noch im Kampf um den Ball ist, hätte es einen Freistoß und nur die gelbe Karte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 3: Nach einer Ecke fälscht ein Preußen-Spieler den Ball ins eigene Tor ab, Sather gibt den Treffer allerdings nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:54:45]

Babak Rafati: Aus dieser Kameraperspektive kann nicht endgültig bewertet werden, ob der Ball im Toraus war oder nicht. Daher müssen wir die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns akzeptieren.

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Szene 4: Fabian Schleusener (Karlsruher SC) dringt in den Strafraum ein und wird von HFC-Keeper Oliver Schnitzler zu Fall gebracht. Schiedsrichter Frank Willenborg lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 2:30]

Babak Rafati: Zunächst einmal läuft der Schiedsrichter nicht schnell genug hinter dem Angriff her, um eine angemessene Distanz zum Geschehen zu haben, zumal der Zweikampf im Strafraum stattfindet. Schnitzler läuft aus seinem Tor heraus, spielt aber eindeutig den Ball. Vielleicht trifft er dabei auch ein wenig den Angreifer von Karlsruhe. Die entscheidende Attacke gilt aber zuerst dem Ball. Dass danach auch der Gegner etwas getroffen wird, ist unerheblich und zweikampftypisch. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, in dieser Szene das Spiel weiterlaufen zu lassen.

 

Szene 5: Joseph-Claude Gyau (Sonnenhof Großaspach) läuft auf das Tor zu, Rafael Koczor (Carl Zeiss Jena) stellt sich ihm in den Weg, wodurch der Großaspacher Angreifer zu Fall kommt. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Florian Kornblum. [TV-Bilder – ab Minute 1:55]

Babak Rafati: Koczor kommt aus seinem Tor heraus und geht nur zum Ball. Der Angreifer von Großaspach läuft gegen den Torhüter und kommt danach zu Fall. Das ist selbstverschuldet, der Torhüter hat einen absolut normalen Bewegungsablauf ohne dabei Anstalten zu machen, seinen Gegenspieler regelwidrig zu stoppen. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

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Szene 6: Mit ausgestreckten Beinen geht Daniel Stanese (Aalen) in einen Zweikampf mit Ahmed Waseem Razeek (Rot-Weiß Erfurt), sieht dafür von Schiedsrichter Bastian Börner aber nur Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 2:10]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut zum Zweikampf und hat einen guten Blickwinkel. Bei dieser Attacke grätscht Stanese seinem Gegenspieler seitlich in die Beine. Dabei trifft er ihn nicht voll, sondern kommt etwas zu spät und bringt ihn durch einen Tritt zu Fall. Hier ist die gelbe Karte vertretbar. Dabei ist unerheblich, ob die Grätsche seitlich, von hinten oder frontal gesetzt ist.

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Szene 7: Stephan Andrist (Wehen Wiesbaden) ist frei durch und wird von Dominik Ernst (Fortuna Köln) zu Fall gebracht. Schiedsrichter Eric Müller lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 2:06:35]

Babak Rafati: Ernst zieht zwar voll durch, spielt dabei aber absolut sauber den Ball und trifft Andrist überhaupt nicht. Dieser reklamiert auch nicht. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

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Szene 8: Laurin von Pichowski (Chemnitzer FC) foult Stephan Hain (SpVgg Unterhaching) auf der Strafraumlinie. Elfmeter, sagt Schiedsrichter Tobias Fritsch. [TV-Bilder – ab Minute 6:40]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter folgt den beiden Spielern und hat einen glänzenden Blick zum Zweikampf. Aus dieser TV-Perspektive von hinten sieht es danach aus, dass von Piechowski von Chemnitz seinen Gegenspieler auf der Strafraumlinie von hinten in die Beine tritt und dadurch zu Fall bringt. Da die Strafraumlinie zum Strafraum gehört, ist die anschließende Entscheidung, Strafstoß zu verhängen, richtig.

 

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