13. März 2017 um 15:17 Uhr

Strittige Szenen am 26. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Sportsword

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Der nicht geahndete Platzverweis nach einer Tätlichkeit an Bischoff, das 2:0 für Lotte, zwei nicht gegebene Strafstöße für Paderborn, ein Foul von Zolinski an Vocaj und die Entstehung des Elfmeters für Magdeburg. Am 26. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de sechs strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Matthias Rahn (Sportfreunde Lotte) setzt gegen Amaury Bischoff (Hansa Rostock) zwei Mal den Arm bzw. den Ellenbogen ein. Schiedsrichter Patrick Ittrich belässt es bei einer gelben Karte. [TV-Bilder – ab Minute 54:35]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht an sich sehr gut und hat freie Sicht auf die Szene. Nach dem Luftduell stößt Rahn, ohne dass sich der Ball in Spielnähe befindet, mit der linken Schulter gegen den Oberkörper seines Gegenspielers Bischoff. Dieses Vergehen ist gelbwürdig. Noch währenddessen Rahn weiterläuft und der Ball mittlerweile ca. 7-8 Meter vom Tatort entfernt ist, reißt er Bischoff mit dem rechten Arm zu Boden, indem er seinen Arm um seinen Hals legt und ihn herunterzieht – somit begeht er zwei Vergehen unmittelbar hintereinander. Dieses Vergehen ist erneut gelbwürdig und hätte vom Schiedsrichter mit Gelb-Rot geahndet werden müssen. Solch eine Spielweise, bei der nur der Gegner das Zielobjekt ist und der Ball in keiner Weise in Spielnähe ist, muss konsequent geahndet werden. Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, den Spieler nicht vom Platz zu schicken.

Szene 2: Kevin Freiberger und Jaroslaw Lindner (Sportfreunde Lotte) stehen an der Eckfahne bereit und führen die anschließende Ecke kurz aus. Das Spiel läuft weiter, danach fällt das 2:0 – der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 1:13:30]

Babak Rafati: Der Ball wird bei der Ecke von einem Spieler eindeutig mit dem Fuß gespielt und korrekt ins Spiel gebracht. Somit ist die Eckstoßausführung korrekt. Eine richtige Entscheidung des Schiedsrichters, das Tor anzuerkennen.

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Szene 3: Nachdem Marcus Piossek (SC Paderborn) in den Strafraum eingedrungen ist, kommt es zu einem Kontakt mit Erfurt-Keeper Philipp Klewin. Der Paderborner kommt zu Fall, Schiedsrichter Benjamin Bläser entscheidet jedoch auf Stürmerfoul. [TV-Bilder – ab Minute 1:30]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter läuft gut in Position. Piossek sieht, dass Klewin herausstürmt und will diesen Vorgang für sich zu seinem Vorteil nutzen. Er nimmt seinen rechten Fuß raus, sucht den Kontakt zum Torhüter und lässt sich anschließend theatralisch fallen. Der Schiedsrichter liegt richtig, nicht auf Strafstoß zu pfeifen. Hier wäre es allerdings optimal gewesen, eine gelbe Karte wegen Schwalbe auszusprechen.

Szene 4: Ben Zolinski (SC Paderborn) geht mit dem Ellenbogen in einen Zweikampf gegen Liridon Vocaj (Erfurt), sieht dafür aber keine Karte. [TV-Bilder – ab Minute 4:55]

Babak Rafati: Zolinski geht nur mit dem Ellenbogen vor dem eigenen Strafraum gegen seinen Gegenspieler Vocaj zu Werke und trifft ihn ins Gesicht. Hierbei handelt es sich nicht um einen Schlag, sondern um ein Anspringen – der Pfiff ist aber absolut in Ordnung. Jedoch hätte es dafür zwingend eine gelbe Karte geben müssen.

Szene 5: Koen van der Biezen (SC Paderborn) wird im Strafraum zu Fall gebracht, Bläser lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:39:25]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter hat eine gute Position zum Zweikampf. Van der Biezen kommt im Erfurter Strafraum zwar zu Fall, aber der Verteidiger von Erfurt ist vor ihm da und spielt eindeutig den Ball. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

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Szene 6: Nach einem Handspiel von Tobias Rühle (Preußen Münster) gibt es Freistoß für den 1. FC Magdeburg. Nico Hammann legt den Ball jedoch deutlich weiter zurück und bringt den Ball anschließend schnell ins Spiel. Aus dieser Szene entsteht der Elfmeter, der zum 1:0 für Magdeburg führt. [TV-Bilder – ab Minute 4:30]

Babak Rafati: Das Handspiel von Rühle zu pfeifen, ist regelgerecht. Der anschließende Freistoß wird zwar weiter hinten ausgeführt, ist jedoch erlaubt. Die schnelle Ausführung ist auch erlaubt, wichtig ist, dass der Ball geruht hat. Somit ist alles korrekt gelaufen.

 

Hinweis: Die lange Nachspielzeit beim Spiel zwischen Fortuna Köln und Jahn Regensburg konnte nicht analysiert werden, da die Verletzungsunterbrechung (Markus Ziereis) in den TV-Bildern nicht vollständig – also in ihrer gesamten Länge – abgebildet ist.
 

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  • ReeWee

    Ich habe den 1. Kommentar geschrieben und keine Reaktion erfahren. Zumindest vom Verfasser der Hotline hätte ich eine Stellungsnahmen mir gewünscht. Es ist schade, dass immer mehr Fehlentscheidungen von Schiedsrichter (Ihre Zunft) dem Ergebnis nicht gerecht werden. Das Beispiel Robert Hoyzer ist m. E. Vergangenheit. Ohne den Schiri zu beleidigen, war das nicht gegebene Tor von FSV Frankfurt gegen FC Chemnitz ungerechtfertigt und von Ihnen als Oberschiedsrichter, den ich außerordentlich gut finde, als Fehlentscheidung nicht erwähnt wurde. Hier wäre eine kompetente Antwort das wenigste, was man erwartet kann! Der FSV hätte möglicherweise das Spiel gewonnen, was das junge Schiri-Gespann offensichtlich vereitelte hat. Hier wünsche ich mehr Demokratie.
    Gruß ReeWee

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