1. Februar 2016 um 15:01 Uhr

Strittige Szenen am 23. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/T-F-Foto

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25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Nun hat Rafati eine neue Aufgabe: Für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab und erklärt bei falschen Entscheidungen zudem, wie die Unparteiischen auf dem Platz hätten reagieren müssen. Am 23. Spieltag hat er sich sieben Szenen einmal genauer angeschaut.

Szene 1: Torben Rehfeld (Bremen) trifft für Werder II zum 1:1, Schiedsrichter Michael Weiner gibt den Treffer nach kurzer Diskussion jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 5:12]

Babak Rafati: Warum die Entscheidung erst ein paar Sekunden nach Torerzielung getroffen wird, bleibt offen und kann nur spekuliert werden. Vermutlich hat der Assistent nach Torerzielung den Schiedsrichter über das Headset befragt, ob eine Berührung vom Spieler, der zum Kopfball hochspringt, vorgelegen hat – der Schiedsrichter hat dies wohl bejaht. Diese Tatsache wäre vom Gespann prinzipiell gut gelöst. Aber die entscheidende Frage ist, ob der Torschütze unabhängig davon im Abseits stand. Nach den vorliegenden Fernsehbildern ist eine Abseitsposition nicht erkennbar, demnach liegt eine Fehlentscheidung vor.

Szene 2: Steffen Puttkammer (1. FC Magdeburg) bekommt den Ball nach einem Freistoß an die Hand, Weiner gibt Elfmeter für Bremen. [TV-Bilder – ab Minute 6:55]

Babak Rafati: Bei diesem Handspiel geht der Arm des Verteidigers aktiv zum Ball. Zudem liegt keine natürliche Körperhaltung vor, denn der Verteidiger vergrößert seine Körperfläche. Auch ist eine ausreichende Distanz gegeben, sodass der Verteidiger den Arm hätte wegziehen können. In dieser Szene entscheidet der Schiedsrichter zurecht auf Strafstoß, sodass die Entscheidung richtig ist.

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Szene 3: Christopher Gäng (Sonnenhof Großaspach) kommt aus dem Kasten und reißt Niklas Weissenberger (Würzburger Kickers) um, Lasse Koslowski pfeift auf Strafstoß für Würzburg. [TV-Bilder – ab Minute 1:40]

Babak Rafati: Der Torwart trifft den Gegenspieler bei seiner Abwehraktion ins Gesicht, sodass ein Foulspiel vorliegt. Auch wenn der Ball bereits geköpft wurde und der Kontakt danach geschieht, ist dieser Sachverhalt nicht relevant. Somit ist die Strafstoßentscheidung richtig.

Szene 4: Robert Wulnikowski (Würzburger Kickers) bringt Michele Rizzi (Sonnenhof Großaspach) im Strafraum zu Fall. Koslowski entscheidet erst auf Elfmeter, nimmt diese Entscheidung aber kurz danach wieder zurück. [TV-Bilder – ab Minute 3:00]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut zum Geschehen und hat zudem freie Sicht. Der Assistent steht ca. 35 Meter entfernt zum Zweikampf, sodass diese Entscheidung nur dem Schiedsrichter obliegt. Zudem muss eine zweifelsfrei eindeutige Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorliegen, um sich in diese Vorgänge einzuschalten. Das ist Kompetenzüberschreitung. Wenn man den Zweikampf sieht, mit welcher Dynamik der Torwart in den Zweikampf herein rauscht, erkennt man, dass ein Kontakt vorliegt und dadurch der Angreifer zu Fall kommt. Strafstoß wäre die richtige Entscheidung gewesen, somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 5: Marc Endres (Chemnitzer FC) bekommt den Ball an die Hand, Schiedsrichter Peter Sippel entscheidet auf Freistoß für Kiel, wodurch das 2:1 fällt. [TV-Bilder – ab Minute 2:20]

Babak Rafati: In dieser Szene verschätzt sich der Verteidiger bei seiner Kopfballabwehr und nimmt eine unnatürliche Körperhaltung ein und dadurch in Kauf, den Ball mit allen Mitteln aufzuhalten. Der Schiedsrichter entscheidet richtigerweise auf Handspiel.

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Szene 6: Petar Sliskovic (Stuttgarter Kickers) bringt seine Farben mit 1:0 in Führung, Schiedsrichter Patrick Ittrich gibt den Treffer aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:20]

Babak Rafati: Der Verteidiger schießt bei seinem Abwehrversuch den Stürmer an und von dort geht der Ball ins Tor. Da der Torschütze beim Zuspiel zuvor im Abseits stand, liegt eine richtige Entscheidung vor, denn es handelt sich um die gleiche und nicht um eine neue Spielsituation.

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Szene 7: Marco Grüttner (VfB Stuttgart II) trifft zum 1:1, Schiedsrichter Christian Dietz gibt den Treffer jedoch nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:30]

Babak Rafati: Nach den vorliegenden Bildern kann nicht zweifelsfrei aufgelöst werden, ob ein Foul an den Torhüter vorliegt oder nicht. Die Entscheidung muss man daher akzeptieren.

 

 

 

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  • Pappnase

    FCM – SVW
    Der Elfer ist ok. Selbst wenn Putti nur von hinten an der Schulter getroffen worden sein sollte, so hat doch sein Arm nichts da oben zu suchen. Das macht seine "Schulter" breiter. Selbst schuld …
    Jedoch das Abseits war richtig! Begründung: Herr Rafati geht selbst davon aus, dass der Linienrichter Abseits erst angezeigt hat, NACHDEM ihm der Schiri bestätigte, dass es eine Kopfballverlängerung gegeben hat. In DIESEM Fall liegt der Linienrichter richtig, weil zum Zeitpunkt der Kopfballverlängerung der Torschütze min. einen halben Meter im Abseits stand. Das kann man sehr gut sehen, wenn man das Video mal langsam laufen lässt (0,25).

    • muehle

      dem Elfer betreffend, bleib ich dabei, dass man den nicht gibt! Ich spreche trotzdem nicht von "Benachteiligung" weil es im gewissen Maße eine "Kannentscheidung" bleibt… Dagegen sollte man den gewissen Herrn Weiner mal in der Folgewoche im BL Spiel Ingolstadt:Augsburg bewerten! Trotzdem: im Allgemeinen wird auch sehr viel richtig entschieden!

  • Keine neue Spielsituation…

    Dass es bei Szene 6 keine neue Spielsituation ist, ist zwar korrekt. Die Begründung scheint mir aber irreführend zu sein. Durch die Nähe von Angreifer und Verteidiger handelt es sich hier um einen Angriff auf den Gegenspieler aus dem Abseits heraus. Würde der Verteidiger jedoch auf die gleiche Art und Weise versuchen, den Pass in die Spitze durch seine bewusste(!) Grätsche zu klären und der Angreifer den Ball daraufhin auf der Torauslinie stehend annehmen, wäre es kein strafbares Abseits.

  • PeterPlys

    Ich denke, dass sich das mit den Bevor- und Benachteiligungen über die Saison verteilt ausgleichen wird. Dazu ist es aber offensichtlich notwendig, die Fehler der Schiedsrichter anzusprechen. Ich kenne keine Mannschaft, die das nicht tut. Zu diesem Spiel lässt sich feststellen: Elfmeter kann man geben, habe aber auch schon Schiedsrichter gesehen, die den nicht pfeifen. Bei der anderen Situation sieht man auch in den Fernsehaufnahmen, dass Kazior sich zu jedem Zeitpunkt, egal ob Berührung vorher oder nicht, im Abseits befindet.
    Aber unabhängig davon hätte Magdeburg zu diesem Zeitpunkt schon mindestens 3 Tore erzielt haben. ;-)

    • muehle

      Genau so ist es.Trotzdem wird man über solche Elfer Entscheidungen diskutieren dürfen…und alles in Allem wird auf diesem Niveau auch sehr viel richtig entschieden, zum Glück! :-)

  • abc

    Und wieder fühlt sich der FCM benachteiligt. Und wieder liegt man in Magdeburg falsch. Und die Bevorteilung will wieder keiner gesehen haben ;)

    • muehle

      Quatsch, was du hier von dir gibst…Von Magdeburger Seite wurde zum Elfmeter lediglich geäussert, dass es eine sehr mutige Entscheidung des SR war in der letzten Spielminute einen Elfmeter zu geben, wenn der Ball wahrscheinlich gar nicht die Hand von Puttkammer berührt hat (auch wenn es eine unnatürliche Bewegung war) . niemand sprach von Benachteiligung! Genauso wir der Großteil der Magdeburger , die rote Karte für Frahn in Chemnitz für "zu hart" bewerten. Also , keiner von uns, fühlt sich benachteiligt.. doch über strittige SR Entscheidungen, wird man woh noch diskutieren dürfen…?

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