6. November 2017 um 14:56 Uhr

Strittige Szenen am 15. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Sportsword

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Die nicht gegebenen Elfmeter für Magdeburg und Würzburg, die Platzverweise von Väyrynen und Bahn, das Foul von Zolinski, das 1:0 für Paderborn, das 1:0 für Chemnitz und ein nicht anerkannter Treffer für Köln. Am 15. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de neun strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Christian Beck (1. FC Magdeburg) geht nach einem Kontakt von Sascha Mockenhaupt (Wehen Wiesbaden) im Strafraum zu Fall, einen Elfmeter gibt Schiedsrichter Manuel Gräfe nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:10]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht optimal zum Geschehen und kann den Vorgang sehr gut beobachten. Mockenhaupt spitzelt im eigenen Strafraum klar den Ball weg, sodass diese Spielweise sauber ist. Der Arm ist beim Zweikampf im Bereich des Erlaubten. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Im Strafraum behauptet Christian Beck (1. FC Magdeburg) den Ball, wird jedoch von Sascha Mockenhaupt (Wehen Wiesbaden) getroffen und geht zu Fall. Gräfe lässt erneut weiterspielen. [TV-Bilder – ab Minute 1:50:40]

Babak Rafati: Erneut steht der Schiedsrichter sehr gut und hat freie Sicht. Beck dribbelt im Strafraum und versucht seine Gegenspieler auf engstem Raum auszuspielen – dabei kommt er etwas aus der Balance. Mockenhaupt kommt zeitgleich hinzu, will klären und trifft, wie man in der Perspektive der Hintertorkamera sehen kann, entscheidend den Ball. Hier weiterspielen zu lassen, ist die richtige Entscheidung.

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Szene 3: Tim Väyrynen (Hansa Rostock) sieht für ein Foul im Mittelfeld von Schiedsrichter Jonas Weickenmeier Gelb und muss den Platz mit Gelb-Rot verlassen. [TV-Bilder – ab Minute 55:05 // 1:34:15]

Babak Rafati: Bei der Szene, die zur ersten gelben Karte führt, will Väyrynen den Ball spielen, kommt etwas zu spät und trifft seinen Gegenspieler leicht am Fuß. Nichts Böses, nichts Absichtliches, sondern einfach nur einen Moment zu spät – und das in einer völlig ungefährdeten Zone im Mittelfeld. Hier hätte ein Freistoßpfiff ausgereicht, sodass die gelbe Karte eine Fehlentscheidung ist.

In der zweiten Szenen will Väyrynen zum Ball und sieht nicht, dass sein Gegenspieler von hinten angelaufen kommt. Er trifft diesen, weil dieser früher zum Ball geht. Somit liegt zwar ein Foulspiel vor, dafür jedoch die gelbe Karte zu zeigen, ist erneut nicht angemessen. Somit liegt erneut eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 4: Nach einem Foul an Marc Wachs (VfL Osnabrück) trifft Ben Zolinski (SC Paderborn) den Osnabrücker am Oberschenkel und wird anschließend von Christian Groß (VfL Osnabrück) umgeschubst. Beide sehen von Schiedsrichter Robert Hartmann Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 0:55]

Babak Rafati: Zolinskis Einsatz ist unnötig, denn man kann das Bein auch schon mal hochnehmen, was beim Zusammenprall mit einem Mitspieler vielleicht besser geklappt hätte. Ein Tritt liegt hier aber nicht vor, vielmehr handelt es sich um ein Nachhaken. Die gelbe Karte ist somit korrekt. Das anschließende Schubsen in Selbstjustiz-Manier von Groß ist eine Unsportlichkeit und keine Tätlichkeit, sodass auch hier die gelbe Karte eine richtige Entscheidung ist.

Szene 5: Ben Zolinski trifft nach einem Pass von Sven Michel zum 1:0 für Paderborn. Osnabrück reklamiert Abseits, Hartmann gibt den Treffer dennoch. [TV-Bilder – ab Minute 1:55]

Babak Rafati: Leider lässt sich anhand der TV-Bilder nicht sehen, wo der Assistent postiert ist. Die Strafraumlinie ist in diesem Fall aber eine sehr gute Orientierung für den Assistenten. Der Angreifer hinten im Bild (Bertels) greift nicht ins Spielgeschehen ein, sodass dieser für die Bewertung der Szene irrelevant ist. Der anschließende Torschütze steht jedoch mit dem rechten Fuß auf der Strafraumgrenze und damit knapp im Abseits. Der Treffer hätte somit nicht zählen dürfen, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt.

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Szene 6: Für ein Foul an Finn Porath (SpVgg Unterhaching) sieht Bentley Baxter Bahn (FSV Zwickau) von Schiedsrichter Marcel Schütz die gelb-rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 2:45]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht eigentlich gut. Bahn macht einen kurzen Zwischenschritt und ist im normalen Bewegungsablauf auf dem Weg zum Gegenspieler. Dabei trifft er Porath unglücklich an der Hacke, was sicherlich schmerzlich ist. Hier Foul zu pfeifen, ist korrekt, jedoch kann man absolut nicht von Absicht und einem gelbwürdigen Vergehen sprechen. Die Aktion ist nicht gezielt gegen den Gegenspieler gerichtet, sondern vielmehr in die Kategorie normales Foulspiel einzuordnen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

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Szene 7: Simon Skarlatidis (Würzburger Kickers) läuft frei auf das Tor zu und wird von Fabian Baumgärtel (Hallescher FC) im Strafraum zu Fall gebracht. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Frank Willenborg. [TV-Bilder – ab Minute 2:07:20]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter bringt sich in eine optimale Position, um den Zweikampf im Strafraum beurteilen zu können. Im Oberkörperbereich im Laufduell ist alles im Rahmen. Baumgärtel springt dazwischen, spitzelt den Ball leicht weg und gibt diesem die entscheidende Richtung, sodass Skarlatidis nicht mehr an den Ball kommt, ins Leere läuft, dadurch außer Balance gerät und folglich zu Fall kommt. Eine saubere Spielweise, die der Schiedsrichter sehr gut erkennt und somit richtigerweise weiterspielen lässt.

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Szene 8: Nach Vorarbeit von Florian Hansch trifft Björn Kluft zum 1:0 für Chemnitz. Einige Meppener Spieler reklamieren Abseits, Schiedsrichter Florian Kornblum erkennt den Treffer aber an. [TV-Bilder – ab Minute 0:45]

Babak Rafati: Aus der vorliegenden Kameraperspektive lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, ob Kluft beim Anspiel von Hansch vor oder hinter dem Ball steht und somit im Abseits steht. Daher sollten wir die Entscheidung des Schiedsrichterteams akzeptieren.

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Szene 9: Nach einem Abpraller von Münster-Keeper Nils Körber bringt Daniel Keita-Ruel den Ball über die Linie, Schiedsrichter Steffen Brütting entscheidet jedoch auf Abseits und erkennt den Treffer nicht an. [TV-Bilder – ab Minute 2:35]

Babak Rafati: Auch hier ist es anhand der vorliegenden Videosequenzen nicht möglich aufzulösen, ob die Entscheidung richtig oder falsch ist. Daher müssen wir die Entscheidung ebenfalls akzeptieren.

 

 

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  • Phillip

    Man denkt ja immer man ist in Liga 3 im Profifußball, aber wenn man solche Schiri-Leistungen wie bei Zwickau-Haching sieht, fragt man sich echt, ob das auch für die Schiris selber gilt. Das ist mittlerweile das vierte Spiel in dem der Gegner sich einfach fallen lassen braucht und es Freistoß gibt und Zwickauer sogar mehrfach infolge gefoult werden und es gar nichts gibt. Eine absolute Frechheit. Schiris sind auch nur Menschen, aber wenn man schon scheiße pfeift, dann bitte auf beiden Seiten!

    • Sark

      Ist in Rostock ja nicht anders gewesen, mal wieder.

      Wie Rafati hier ja auch bestätigt waren beiden Fouls Väyrynen nicht einmal gelbwürdig. Dazu kommt dann noch, dass das seine einzigen Foulspiele waren. In beiden Situationen brechen die Karlsruher, wie von einem Vorschlaghammer getroffen zusammen.

      Er hat auch mehrfach Freistoß für Karlsruhe gepfiffen, wenn Rostocker klar am Ball waren. Als der Karlsruher Torwart an der Eckfahne Unfug treibt sucht er formlich den Kontakt zum Rostocker der gar nicht mehr ausweichen kann -> Freistoß Karlsruhe.
      Dafür kassierte Dotchev dann mal wieder eine Ermahnung.

      Der Schiedsrichter in Zwickau machte in Rostock beim Spiel gegen Aalen eigentlich einen guten Eindruck. Klare Struktur in den Pfiffen und gutes laufen lassen des Vorteils.

      • Phillip

        Zwickau hatte diesen Schiri auch schon in Großaspach und dort war er auch ordentlich. Man merkt aber einfach, dass manche Schiris in gewissen Situationen einfach überfordert sind. Es ist ja nicht nur so, dass Zwickau nach dem Platzverweis erst recht keine Chance mehr hatte ins Spiel zurück zu kommen, sondern das BBB nun auch noch in Karlsruhe gesperrt fehlt.

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