17. Juli 2017 um 14:26 Uhr

Saisonvorschau FSV Zwickau: Kein Aufstiegsbonus mehr

Von
© imago/Picutre Point

© imago/Picutre Point

Am 21. Juli startet die 3. Fußball-Liga in die Jubiläums-Saison 2017/18. Vor der zehnten Spielzeit der eingleisigen dritthöchsten Spielklasse im deutschen Profifußball wirft liga3-online einen Blick auf das Teilnehmerfeld: 20 Drittligisten gehen mit Chancen, Risiken und Erwartungen in die Spielzeit. Wir schätzen die Möglichkeiten und Gefahren der Teams ein. In diesem Text schauen wir auf den FSV Zwickau.

So lief die Vorbereitung

In vier Wochen standen neben ausgiebigem Konditions- und Taktiktraining vor allem spielspezifische Kommunikation und Teambuilding auf dem Programm. Nach 14 Ab- und 10 Zugängen hatte Chefcoach Torsten Ziegner einen mittelgroßen Kaderumbruch zu bewältigen. Gleich neun Testpartien hat der 39-jährige Fußballlehrer abhalten lassen, um die neue Truppe einzuspielen und sich einen Überblick zu verschaffen, ob das taktische Konzept erfolgreich umgesetzt wird. Aus diesem Anlass wurde auch die Dreierkette wieder aus der Mottenkiste gezaubert. Doch wie schon in der Vorsaison verunsicherte Ziegners Lieblingstaktik die Mannschaft zu sehr – sprich der FSV vertraut weiter der stabileren Viererkette.

Fünf Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen hat sich Zwickau in der Sommerpause erspielt. Eine Bewertung ist schwierig. Nur die Testgegner SpVgg Greuther Fürth (0:3) und Dukla Prag (1:1) waren höherklassige Kontrahenten. Von den Folklore-Spielen gegen die „Dorfvereine“ Ebersbrunn (20:0) und Friedrichsgrün (18:0) abgesehen, traf man noch auf die Regionalligisten Wacker Nordhausen (2:2) und 1. FC Schweinfurt 05 (3:1) sowie die Oberligisten Wismut Gera (3:1/7:0) und in der Generalprobe auf den VFC Plauen (0:1). Gerade das letzte Ergebnis gegen die Vogtländer war überhaupt nicht nach dem Geschmack von Torsten Ziegner, der die blamable Vorstellung als "Warnschuss zur rechten Zeit bezeichnete".

Transferperiode

Zugänge Abgänge
Lukas Cichos (1. FC Magdeburg/Leihe) Marian Unger (VFC Plauen)
Max Sprang (Mecklenburg Schwerin) Maximilian Rosenkranz (VfB Auerbach)
Anthony Barylla (RB Leipzig U23) Robert Paul (VFC Plauen)
Fridolin Wagner (RB Leipzig U23) Jonas Acquistapace (SF Lotte)
Ali Odabas (SSV Jahn Regensburg/Leihe) Robert Berger (1. FC Lok Leipzig)
Sinan Tekerci (SG Dynamo Dresden) Lukas Wilton (SV Babelsberg 03)
Christian Mauersberger (FC Schalke 04 II) Patrick Wolf (1. FC Schweinfurt 05)
Ronny Garbuschewski (Hansa Rostock) Michael Schlicht (1. FC Schweinfurt 05)
Julian Hodek (FSV Zwickau U19) Felix Geisler (FC Energie Cottbus)
Fabian Eisele (Hertha BSC U23) Patrick Göbel (Würzburger Kickers)
Marcel Bär (VfR Aalen)
Jonas Nietfeld (SSV Jahn Regensburg)
Kevin Bönisch (FSV Budissa Bautzen)
Martin Juhár (Unbekannt)

 

Wer soll noch kommen?

Mit der Verpflichtung von neun externen Neuzugängen sind die Kaderplanungen vorläufig abgeschlossen. Die Maßgabe, den Profikader von 24 Feldspielern und drei Torhütern auf 20 plus 3 zu verkleinern, wird konsequent eingehalten. Aufgrund des begrenzten Budgets für den sportlichen Bereich (ca. 3,3 Millionen Euro) sind Sportdirektor David Wagner quasi die Hände gebunden. Einzig auf der Innenverteidigerposition könnten die Westsachsen zum Handeln gezwungen sein, sollten die Rehamaßnahmen bei Rückkehrer Alexander Sorge (Kreuzband- und Meniskusriss) nicht wie gewünscht anschlagen.

Auf diesen Spieler sollte man achten

Wer tritt in die Fußstapfen von "Flankengott" Patrick Göbel? Die Frage, wer den Topvorbereiter der Vorsaison (12 Vorlagen) ersetzen kann, treibt die Fans um. Laut Torsten Ziegner gibt es nicht „den einen Ersatz“. Große Hoffnungen ruhen allerdings in den beiden Außenbahnspielern Sinan Tekerci und Ronny Garbuschewski. Mit Tekerci (links) und Garbuschewski (rechts) könnten die Rot-Weißen eine kreuzgefährliche Flügelzange bilden, die den kopfballstarken Ronny König mit Flanken füttert. Zudem weiß die halbe Liga um die Qualität von Garbuschewskis Standards. Nicht umsonst kommt der 31-Jährige in 117 Drittliga-Partien auf 17 Tore und 37 Vorlagen.

AufstellungZwickau

Stärken

Die "Rot-Weiße Familie“ kommt über den Zusammenhalt. Torsten Ziegner und David Wagner legen bei der Kaderzusammenstellung stets extrem hohen Wert auf Typen, die die entsprechende Mentalität mitbringen. Nur so konnten sich die Westsachsen in der Vorsaison überhaupt aus dem Abstiegssumpf befreien. Der Kader verfügt über eine brutale Leidenschaft und mit den Routiniers Toni Wachsmuth (30), Robert Koch (31) sowie Ronny König (34) über drei absolute Leader. Ein Plus ist ganz klar die Zweikampf- und Laufstärke. In der Offensive verfügt das Team mit Mike Könnecke über einen Kreativspieler, der mit seinen Pässen den Unterschied machen kann. Allerdings ist der gebürtige Wolfsburger zu sehr abhängig von äußeren Einflüssen. Läuft es in der Mannschaft, läuft es bei Könnecke. Und dann ist da noch Ronny König – „das Kopfballungeheuer“. Der 34-Jährige platzierte sich im Vorjahr mit 15 Treffern in der Torjägerliste auf Rang zwei. König profitierte dabei von den Flanken Göbels (acht direkte Vorlagen) und seinem guten Torinstinkt.

Schwächen

Wer robust spielt, vernachlässigt bisweilen die feine Klinge. Mit der zweikampfbetonten und auf hohe Bälle fokussierten Spielweise stößt man auch in der dritten Liga Grenzen. Aus diesem Grund muss die spielerische Linie auf eine neue Stufe gehoben werden. Ob die Neuzugänge, wie von Ziegner versprochen, einen Qualitätssprung verschaffen, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass mit Fridolin Wagner (19), Anthony Barylla (20), Fabian Eisele (22), Christian Mauersberger (22) und Ali Odabas (23) junge, hungrige Spieler verpflichtet wurden. Nur fehlt ihnen bisher die große Drittliga-Erfahrung.

Die Erwartungen der Fans

Die Zuschauer haben ein feines Gespür dafür, was bei ihrem FSV geht und was nicht. Pfiffe sind im Stadionrund so selten, wie ein Heimfan mit Chemnitzer-FC- oder Erzgebirge-Aue-Trikot. Allerdings hat das gute Abschneiden in der Premierensaison auch Begehrlichkeiten geweckt. Platz fünf hat Strahlkraft, Rang vier und die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal noch mehr. Am Saisonende und damit gut 20 Jahre nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, würde man sich aber auch damit zufrieden geben, die Klasse gehalten und den Verein wirtschaftlich weiter konsolidiert zu haben. Wenn Zwickau in der Tabelle dann noch vor dem Derbyrivalen aus Chemnitz landet, ist die Fanseele zufrieden.

Fazit & Prognose

Zwickau ist eine Wundertüte. An Leistungsträgern hat man nur Jonas Acquistapace und Patrick Göbel, mit Abstrichen noch Jonas Nietfeld verloren. Davy Frick wird Acquistapace ersetzen. Sinan Tekerci und Ronny Garbuschewski füllen die Lücke von Göbel und im Sturm streiten sich Fabian Eisele und Aykut Öztürk um den freien Platz neben Ronny König. Von der Papierform ist der FSV Zwickau damit definitiv nicht schlechter aufgestellt, als im Jahr davor.

Einer katastrophalen Hinrunde ließ die Ziegner-Elf damals eine furiose Rückrunde folgen. Ein gleiches Auf und Ab wird es in diesem Jahr nicht geben – darf es nicht geben. Die Mannschaft ist in der Dritten Liga angekommen. Jetzt gibt es auch keinen Welpenschutz oder Aufstiegsbonus mehr. Dass am ersten Spieltag gleich das Westsachsenderby gegen den Chemnitzer FC ansteht, kann nur von Vorteil sein. Wer in diesem prestigeträchtigen Duell nicht einhundert Prozent gibt oder geben kann, der wird es auch danach nicht machen oder machen können.

 

 

.

Send this to friend